“Meet The Police” – Miteinander REDEN, statt gegeneinander HATEN!

Meet the Police

> 15. Februar 2017

Jeder von uns kennt die Situation, wenn man an einem gepflegten Tag mit seinem Tuningboliden unterwegs ist und sich im optischen Radius plötzlich ein Polizeifahrzeug nähert. Die Arschritze wird feucht, die Hände zittern und die Sorge, komplett auseinander genommen zu werden, steigt im Sekundentakt. Trotz 3-seitigem Fahrzeugschein ergeht es mir nicht anders in einer solchen Situation. Wieso auch, schließlich bin ich auch ein höchst illegaler Zeitgenosse, der mit einem lebensgefährlichen Fahrzeug auf bundesdeutschen Straßen sein Unwesen treibt.

Und dann kam der erlösende Anruf eines Freundes, der uns als Polizist bereits viele Jahre begleitet, mit einem ganz besonderen Anliegen. Da er selbst regelmäßiger Besucher und Freund unserer Szene ist, hatte er als Ausbilder des Polizeinachwuchses eine zündende Idee. Er fragte uns, ob wir im Zuge der aktuellen Polizeiausbildung die Zeit finden würden, zu vorgegebenen Schulungszeiten im Ausbildungszentrum der Polizei einen kleinen Vortrag im Zuge der Prävention und Vorbereitung auf den Polizeialltag in Bezug auf Tuning und Co halten können. Diese Chance nutzen wir natürlich sofort und sagten dem Termin mit Freude zu. Für uns, bzw. mich war sofort klar, dass ich mich auf diesen Tag nicht vorbereiten werde, da ich genug auf der Seele habe, was unbedingt mal angesprochen werden sollte. Dass ich die Welt und vor allem die Weltanschauung des Tuners mit diesem Vortrag nicht verändern könne, war mir von Anfang an bewusst, jedoch wollte ich die Chance nutzen, dem Polizeinachwuchs auf diesem Wege evtl. die Augen etwas zu öffnen und im Umgang mit uns etwas sensibler umzugehen, denn Tuning bedeutet nicht zwangsläufig illegal, rasen und Vollidiot am Steuer!

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Der Tag X kam, ich holte mein Coupe aus der Garage und fuhr zum Ausbildungszentrum der Polizeischule in Bruchsal bei Karlsruhe! Freundlichst wurde ich bereits an der Schranke des Geländes empfangen. Dort wies man mir dann auch gleich den Weg zum Standort des “Klassenzimmers”. Ich trat ein und fühlte mich erstmals nicht mehr ganz so sicher, wie ich in der Regel sonst gerne auftrete. 25 uniformierte Nachwuchs- Polizisten lagen in Ihren Stühlen und schauten mich prüfend an. Jetzt kam die Überleitung zum Thema Tuning. Die Überleitung zu meiner halben Stunde, in der ich mir meine Sorgen von der Seele reden konnte. Nach einer kurzen Vorstellung meinerseits, welch geiler Typ ich bin, was ich in meiner Freizeit so treibe und was mich mit dem Tuning verbindet, ging es dann auch schon recht schnell los. Ich ließ als Einleitung ein Video unserer legendären “Rockford Fosgate Tuningdays” in der Messe Karlsruhe laufen, um mir 8 Minuten lang die Reaktionen und Gesichtsausdrücke der Polizisten anzuschauen. Als sie realisierten, dass Tuning nicht zwangsläufig dass ist, was sie auf der Straße sehen, wenn sie einen verrosteten, schleifenden 3er Golf anhalten, der so Laut ist, dass sich Omi im Grab drehen würde, wenn dieser vorbeifährt, sondern dass Tuning viele Facetten hat, die für Szenefremde visuell unerreichbar sind.

Wir werden immerzu mit Fast & Furious Szenen in Verbindung gebracht, Fahren an jeder Ampel um Fahrzeugpapiere und brauchen jede Woche neue Reifen, weil sie durch sinnlose Burnouts zu schnell abgefahren sind. Das ist ja genau das Bild, welches wir augenscheinlich verkörpern, sobald wir die “guten” Autos aus der Garage holen. Da Tuning aber laut Intension nicht eine technische Verschlechterung des Autos darstellen sollte, sondern in jedem Fall eine Verbesserung, musste ich den Herren und Damen teilweise auch erst nahebringen. Immer wieder wurde ich gefragt, was den Reiz am Tuning ausmachen würde. Ganz klare Antwort. Weil wir es geil finden, weil wir es für uns machen, weil wir es genauso machen wie wir es möchten, und das Gesetz es zulässt und weil wir uns gerne auf Treffen mit anderen messen. Des Weiteren ist der Reiz, vermeintlich unmögliches legal zu realisieren und nicht zu verachten sei der Zeitaufwand, den wir mit unseren Kisten aufwenden, um diese eben genannten Ziele zu verwirklichen. Andere sammeln eben Goldmünzen, Air Force One von Nike oder Snapback Caps. Wir tun dies vielleicht auch, aber wir tunen eben auch ums Verrecken gerne.

Meet the Police

Ich habe im Zuge dieser Schulungsmaßnahe meinen Fahrzeugschein rumgehen lassen und durfte feststellen, dass die Damen deutlich interessierter an dieses Thema rangegangen sind wie die Herren der Schöpfung. Dies änderte sich dann aber zu späterem Zeitpunkt, als wir an das Auto rausgegangen sind. Während meines Vortrags versuchte ich, “die andere Seite” der Kontrolle wieder zu geben. Wie WIR uns fühlen, wenn man von der Polizei angehalten wird. Auch hier gibt es verschiedenen Situationen, wie ein solches Zusammentreffen aussehen könnte.

Situation 1:
Du fährst mit deinem Auto, siehst die Cops im Rückspiegel, und weißt ganz genau, dass du gleich am Arsch bist, weil sie dich auf jeden Fall rausziehen werden. Im Regelfall wirst du überholt, das blaue Licht geht an und du darfst ganz nett folgen und dich irgendwo rechts, womöglich noch für deine Felgen im absolut ungeeigneten Bereich, im Windschatten des Dienstwagens der Behörde einfinden. Zwei nette Kollegen verlassen zeitgleich das Polizeiauto und umstellen dich erst einmal von beiden Seiten. Jetzt kommt der Knaller Spruch: allgemeine Personenkontrolle…Führerschein und Fahrzeugschein bitte. Ach und wenn wir schon dabei sind, steigen sie doch mal aus. Im Normalfall läuft bereits einer der beiden Kollegen mit Adleraugen um dein Fahrzeug, fühlt sich wie Doktor Tuning und fängt dann schon mal in Ruhe an, deine Eintragungen, die ein Sachverständiger einer Prüfstelle für GUT befunden hat, in Frage zu stellen. Passen denn die Reifen überhaupt auf das Fahrzeug, sind diese denn zulässig. Oh und tiefer ist das Auto auch. Mal schauen ob er schleift. Abnutzungsspuren von zügigen Kurvenfahrten auf der Schwarzwaldhochstraße werden als akuter, verkehrsgefährdender Mangel eingestuft. Die Dezibel Zahl der eingetragenen Sportauspuffanlage wird mit einer Handyapp überprüft und da wir uns ja im Regelfall auf dem Seitenstreifen einer Landstraße oder ähnlichem befinden, spielen äußerliche Störgeräusche durch vorbeifahrende LKW oder Traktoren bei der Messung ja auch keine Rolle, Fakt ist, Auspuff zu laut!

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Als es dann an die verchromten, pulverbeschichteten oder lackierten Felgen geht, wird auch hier krampfhaft nach einer KBA Nummer gesucht die sich ja auch unter Umständen im inneren Bereich einer Felge befinden kann und somit nicht mal schnell ersichtlich sein muss. Auf die Aussage hin, dass es sich lediglich um “originale” Motorsport Felgen des Herstellers handle, die “nur” lackiert wurden, folgen meist böse Blicke. Wenn dann zum Abschluss noch der Zollstock Einzug erhält, dann ist eh alles zu spät.
Reaktion eines normalen Tuners:

Du wirst dermaßen respektlos deiner Arbeit gegenüber behandelt, das du dich persönlich beleidigt fühlst und demnach weniger Kooperativ zur Verfügung stehst. Dein Respekt gegenüber den Ordnungshütern sinkt auf ein Minimum und der Spaß an der Sache bleibt auf der Strecke. Ich reagiere in diesem Fall mit einer ganz eigens von mir entwickelten Abwehrhaltung jeglicher Konfrontation gegenüber. Ich drücke den Herren meinen mehrseitigen Schein in Hand, distanziere mich von ihnen und bitte respektvoll darum, mich wieder zu rufen, wenn sie meine Tuning- Bibel studiert und ihre Mission abgeschlossen haben ( nicht ganz so krass, aber so in der Art ).

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Man könnte die Sache aber auch im Interesse beider Seiten weniger eskalieren lassen, wenn Situation 2 öfter mal eintreten würde. Wie das folgende Beispiel zeigen soll:
Du fährst mit deinem Auto, siehst die Cops im Rückspiegel, und weißt ganz genau, dass du gleich am Arsch bist, weil sie dich auf jeden Fall rausziehen werden. Im Regelfall wirst du überholt, das blaue Licht geht an und du darfst ganz nett folgen und dich irgendwo rechts, womöglich noch für deine Felgen im absolut ungeeigneten Bereich, im Windschatten des Dienstwagens der Behörde einfinden. 2 nette Kollegen verlassen zeitgleich das Polizeiauto und umstellen dich erst einmal von beiden Seiten. Du öffnest die Scheibe, der nette Kollege in Uniform bittet um deine Papiere. Ohne zu zögern, händigst du ihm diese sofort aus, denn ein gewissenhafter Tuner hat diese immer Griffbereit. Der Bitte, doch mal kurz auszusteigen folgst du selbstverständlich sofort. Wenn du dann folgenden Spruch hörst, dann strahlt doch sofort jedes Tuner Herz:
“Boaa, das ist mal ein echt tolles Auto und die Innenausstattung erst. Peter, hast du das schon mal gesehen?”, geht’s dann gerne mal los. Der junge Mann fährt sogar mit Handschuhen, und Sitzauflagen um das Leder zu schonen. Und wie die Felgen glänzen und die Lackierung, die erinnert mich an die glorreichen Jahre des Motorsports. Ein wirklich tolles Auto. Haben sie das alles selbst gemacht? Ein kurzer Blick auf den mehrseitigen Schein, die Eintragung grob überflogen, etwas gefachsimpelt und dann heißt es, wunderschöne Weiterfahrt. So, und genau so, wünschen wir Tuner uns eine Kontrolle.

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Ein kurzer Appell an die Kollegen in Uniform, die das hier lesen sollten. Kontrolliert bitte, was es zu kontrollieren gibt, stellt auch bitte in Frage, was in Frage zu stellen ist, macht euren Job und tut, was getan werden muss, aber respektiert und schätzt unsere Arbeit, Leidenschaft und Liebe, die wir in das von euch “tot” bewertete Auto investiert haben. Schult euch, erntet bitte Kompetenz im Rahmen des Tunings und macht euch schlau, was geht und was nicht geht. Es kann nicht sein, dass WIR euch erklären müssen, was legal geht und was eben nicht, wenn es ein seriöser Gutachter eingetragen hat.

Sicherlich gibt es schwarze Schafe in der Szene, aber nicht alle Tuner sind gleich. Oftmals zählt der erste Eindruck des Fahrzeugs, denn wenn dieser bereits scheiße ist, dann ist davon auszugehen, dass es sich hier eher lohnen würde, mal genauer hin zu schauen, als bei anderen Fahrzeugen, die täglich frisch poliert und mit Liebe veredelt wurden.
All diese Dinge hab ich den Herren und Damen des Nachwuchses mit Nachdruck versucht zu erläutern, dass WIR grundsätzlich kein Problem mit Kontrollen haben, jedoch mit einem respektlosem Gegenübertreten von Beamten, die A nicht immer viel Ahnung vom dem haben was sie in unserem Fall vor sich haben, und B immer mit herausgestreckter Brust den Max machen müssen, nur um zu beweisen, dass sie am längeren Hebel sitzen. Erstmal zumindest…

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Es ist wirklich schade, dass es so laufen muss, wie es meistens läuft, aber ich denke, die Kollegen mit meinem Vortrag zum Nachdenken angeregt zu haben. Das darauf folgende Frage / Antwort- Spiel hat unheimlich viel Spaß gemacht. Wir haben Erfahrungen ausgetauscht, Eindrücke in den Raum gestellt und darüber ausgiebig gesprochen. Und dann ging es raus ans Auto. Die Herren der Schöpfung gingen hier sehr offensiv auf mich mit Fragen zu, die Damen waren anders als im Schulungsraum, sehr zögerlich. Am Ende des Tages konnte ich aber ein absolut positives Resümee aus der Sache ziehen.

Meet the Police

Der “first contact” war für mich absolut Neuland. Ich war auch erstmals wirklich sehr aufgeregt und wusste nicht, was auf mich zukommen würde, jedoch habe ich recht schnell  gemerkt, dank der netten Kollegen vor Ort, dass WIR im Prinzip alle auf einem Level stehen und uns auch auf diesem im Alltag begegnen sollten. Wir hatten unheimlich viel Spaß miteinander, viel gelacht, lustige Sprüche ausgetauscht und beiden Seiten der Medaille genau unter die Lupe genommen. Ich hatte danach auch wirklich das Gefühl, dass zumindest diese 25 Schüler etwas aus diesem Vortrag mitnehmen konnten und hoffe, dass sich diese Erfahrung bei ihren Einsätzen auch wiederspiegeln wird.

Ich danke allen Supportern, die unsere Ankündigung im Vorfeld über Facebook 675 geliked und über 120x geteilt haben. Wir konnten mir der Ankündung dieses besonderen Zusammentreffens über 103.512 Menschen erreichen.

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Wir hoffen, dass dieser Beitrag mindestens die gleiche Reichweite generieren kann und sind immer gewillt, diese Aktion erneut durchzuführen.
tiefergelgte Grüsse,

Denis “Phoenixx” Marasciulo
Mitglied der Tuningszene Karlsruhe, Veranstalter bekannter Tuningtreffen und Events, Markenbotschafter von ap Sportfahrwerke und Vorstandsmitglied des BMW Club Deutschland e.V...Also genau der richtige für diesen Job!

Bilder: ap Sportfahrwerke, Denis Marasciulo