Die Corvette – Geschichte, Fabrik und Museum einer Legende

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Produziert seit 1953, ein Stück amerikanischer Geschichte, mehr als 1,5 Millionen mal gebaut, wurde oft als der einzige amerikanische Sportwagen bezeichnet. Die Chevrolet Corvette lässt seit mehr als 60 Jahren in sieben Generationen den Puls von Autoenthusiasten rund um den Globus schneller schlagen. Deshalb ist es für mich an der Zeit dieser Legende eine Geschichte zu widmen und dafür bin ich zu ihrem Epizentrum gereist, zum Werk in Bowling Green, Kentucky.

Wer wie ich in den 80ern aufgewachsen ist, der ist definitiv mit dem Mythos „Corvette“ infiziert worden. Die C1 aus „Trio mit 4 Fäusten“, die C2 Stingray aus der gleichnamigen Fernsehserie, die C4 aus „Agentin mit Herz“, die auch die Wahl von Face aus dem A-Team war. Die Corvette war bereits zu jener Zeit der Inbegriff des männlichen, coolen Autos aus den damals noch so fernen USA und dass Prince in seinem Jahrhunderthit „Little Red Corvette“ eigentlich über eine Frau gesungen hat, ist uns damals gar nicht mehr aufgefallen.

Für alle die mit dem Thema Corvette nicht ganz so vertraut sind, hier ein Crashkurs zum Mitreden beim nächsten Autostammtisch: Die Corvette erblickte 1953 das Licht der Welt. In diesem Jahr wurden nur 300 Stück gebaut und diese waren alle weiß mit rotem Interieur. Die einzigen bestellbaren Extras waren Heizung und Radio und für knapp 3500 Dollar Grundpreis war man mit dabei. Man kann sich vorstellen, welchen Wert diese Autos heute haben. Bereits im Folgejahr stiegen Produktion und Verkaufszahlen und die Corvette wurde ein Hit. Erst 1963 kam das Nachfolgemodell C2-Sting Ray, welches an Bill Mitchell`s Sting Ray Rennauto angelehnt war. 1963 war auch das Jahr meiner persönlichen Lieblingscorvette, der 1963 Sting Ray Splitwindow, deren Heckscheibe zweitgeteilt war. Falls jemand einen armen Schreiberling sponsoren möchte, ich hätte sie gerne in schwarz, nehme aber auch andere Farben. Für die C2 gab es bereits Motorisierungen bis zu 425 PS und das in den 60er Jahren! Allerdings zollte man den neuen Zeiten bald Tribut und 1968 stand der Nachfolger schon vor der Tür, die C3, die für mich als Inbegriff des Coke-Bottle Designs gilt und die auch erstmals mit den so genannten T-Tops überraschte, also den herausnehmbaren Dachhälften. Da die C3 bis 1982 auf dem Markt war, durchlief sie natürlich viele Veränderungen. Meistens gilt heute, die älteren Modelle mit Chromstoßstangen sind beliebter und dementsprechend wertvoller, die Plastikbomber aus den 80ern sind meist die bezahlbarsten Corvettes der ersten drei Baureihen. Es folgen C4, C5 und C6, die für mich persönlich nie den Charme der ersten drei Baureihen entwickelt haben. Aber es gibt ja seit 2014 die C7 Stingray und die ist für mich optisch ein Quantensprung und in der Performance mit das Beste was man für das Geld bekommen kann. Ich bin wirklich ein totaler Fan und die C7 steht unter den Top 3 meiner persönlichen Autowunschliste. Die Stingray C7 startet in Deutschland bei 79.500 Euro und kommt mit 466 PS. Das Ganze gibt es für ein paar Euro mehr als Grand Sport und in Perfektion als Z06 mit Kompressor und 659 PS. Aber man darf die Autos nicht auf ihre PS Zahlen reduzieren, hier stimmen auch alle anderen Parameter egal ob Straßenlage, Bremsen oder modernste Ausstattung.

Wer also ernster Fan ist kommt nach Bowling Green im schönen Kentucky, wo es außer Whiskey und Rennpferde eben auch noch die Corvette gibt. Im Corvette Museum kann man für 10 Dollar einige Stunden automobile Geschichte atmen. Natürlich ist alles modern aufbereitet und Filme, Ratespiele und zahllose Ausstellungsstücke sorgen für Kurzweil. Am interessantesten ist vielleicht der sogenannte Skydome, dem 2014 der Boden weg gebrochen ist, weil das ganze Gelände unterhöhlt ist. Leider sind einige Klassiker dabei mit in den Schlund gestürzt und konnten nur teilweise wieder restauriert werden, so wie etwa die 1-Millionste Corvette. Wem das nicht gruslig genug ist, der kann das Ganze direkt am Einsturzort in einer nachgebauten Höhle mit allerlei Effekten nacherleben.

Ansonsten schmunzle ich noch über die extra „Corvette Parking“ Parkplätze vor dem Museum und den gigantisch großen Souvenir Laden. Nicht zu vergessen, dass jeder Corvette „Besteller“ sein Auto auch genau hier abholen kann und dann einen launigen Tag im Corvette Wunderland verbringen kann. Heute mehrfach so geschehen und es ist wirklich süß zu sehen, wie 70 jährige Rentner zu kleinen Kindern werden, wenn sie zum ersten Mal „ihren Motor“ in der Halle angelassen. Wo ich gerade dabei bin, der Sound der C7 ist wirklich der Hammer.

Wenn ihr schon mal da seid, verpasst nicht die Fabriktour. Die kostet ebenfalls 10 Dollar und ihr dürft so ziemlich nichts mit hinein nehmen – vor allem kein Foto und kein Smartphone und natürlich nichts worin ihr selbige Dinge verstecken könntet. Am besten geht ihr einfach nackt. Nein- Spaß! Aber hier habt ihr die Chance in einer ca. 75 Minütigen Führung zu sehen wie die Autos zusammen gebastelt werden und erfahrt viele kleine Hintergrundinfos, die dem Normalfan sonst verborgen bleiben. Wenn ihr euch z.B. eine Z06 bestellt wird euer Motor im Normalfall von einem einzelnen Spezialisten in mehrstündiger Arbeit komplett zusammen gebaut. Der „Erbauer“ signiert selbigen am Ende seiner Arbeit. Für den geringen Aufpreis von nur noch 5000 Dollar dürft ihr dem Erbauer allerdings zu Hand gehen und euren eigenen Motor am Ende signieren. Das zumindest dürfte beim nächsten Autotreffen ziemlich viel Gesprächsstoff geben, wenn ihr unauffällig die Haube offen lasst.

Noch nicht genug? Für ein bisschen mehr könnt ihr noch einen Ausflug auf die Rennstrecke dran hängen. Alles zusammen findet ihr unter http://www.corvettemuseum.org und mich findet ihr spätestens in drei Jahren beim freundlichen Händler, wenn ich mir vielleicht eine gebrauchte C7 leisten kann.

Text: Andreas Leffler
Bilder: Andreas Leffler

13. Oktober 2016