TIEFERLEGUNG JA, ABER SINNVOLL!

>Gaildorf, 23. September 2016

ap Sportfahrwerke Geschäftsführer Thomas Schuster plädiert für maßvolle Tieferlegungen

Es ist zu verstehen, dass reine Show-und-Shine-Cars, welche sich hauptsächlich als Kunstwerk auf vier Rädern präsentieren, eine extreme Tieferlegung wählen, geht es doch hier nicht um Fahrdynamik oder Fahreigenschaften. Oft sind diese Fahrzeuge auch gar nicht fahrtüchtig. Was eher unverständlich ist, dass ein Tuner welcher sein Fahrzeug täglich im Straßenverkehr bewegt, ebenfalls nach dieser extremeren Art der Tieferlegung sucht. Ist es der besondere Kick oder einfach nur Unwissenheit?

Klar ist, dass durch eine extreme Tieferlegung die eigentliche Funktion eines guten Fahrwerks ausgehebelt wird. Klar ist auch, dass der Verschleiß am Fahrzeug sehr stark ansteigt, wenn man sich nicht an den vom Hersteller vorgegebenen und geprüften Tieferlegungsbereich hält. Je tiefer, desto stärker werden die Belastungen auch für die anderen Komponenten. Aber warum macht man das? Nur um einer Mode, einer Zeiterscheinung zu folgen?

Ein Fahrwerks-Ingenieur hat es wie folgt beschrieben: Keiner würde freiwillig bei einem 250 PS starken Motor einfach so 50 PS wegnehmen. Aber genau das macht man mit Fahrwerken, wenn die Tieferlegung nicht mehr der Fahrdynamik dient, sondern nur noch einem Geschmack, den die Szene fordert. Wir machen die Produkte dadurch schlechter als sie sind und riskieren dann noch technischen Verschleiß und Defekte sowie im extremen Fall auch noch einen Unfall.

Extrem- Tieferlegungen sollten daher nur von einem Fachbetrieb vorgenommen werden und man sollte sich eine entsprechende Garantie geben lassen, dass es aufgrund der Tieferlegung an anderen Komponenten zu keinen Schäden kommt. Es gibt wenige Fachbetriebe, die machen das ordentlich, allerdings hat dies auch seinen Preis. Da kostet das Fahrwerk dann eben keine 600 Euro, sondern der Fahrwerksumbau je nach Typ auch locker mal 2.000 Euro und mehr.

Eine zu starke Tieferlegung kann unter anderem diese Folgen haben:

  • Verlust der Federvorspannung, wenn eine zu kurze Feder mit einem Seriendämpfer verbaut wird, oder ein Gewindefahrwerk außerhalb des geprüften Bereichs eingestellt wird.
  • Sehr kurzer bis kein Feder- und Dämpfungsweg = sehr schlechtes Fahrverhalten.
  • Hohe Belastung an allen anderen Fahrwerksteilen.
  • Sehr schnell auftretende Defekte an Dom- und Stützlagern sowie Koppelstangen und Querlenkern.
  • Probleme mit der Freigängigkeit der Räder, es müssen Änderungen an den Kotflügeln und ggf. an der gesamten Achsgeometrie vorgenommen werden (z.B. Einbau spezieller Domlager zur Einstellung des Sturzes).
  • Die Reifen fahren sich schnell und unregelmäßig ab.
  • Durch die verminderte Bodenfreiheit besteht die Gefahr, dass Getriebe, Antriebswelle, Ölwanne, Auspuff usw. zerstört werden können.