Der AP Summer Cruise 2016 – Serpentinenjagd und Gipfelsturm

Nachdem großen Erfolg und den vielen positiven Kritiken zu unserer Herbstausfahrt 2015 war es nur die logische Konsequenz, dass wir auch 2016 wieder ein ähnliches Event organisieren würden. Die Vorfreude von unserer Seite war da aber natürlich auch ein gewisser Druck, da das Feedback vom letzten Jahr auch eine gewisse Erwartungshaltung mit sich brachte. Die Zutaten zur Ausfahrt mussten also perfekt sein. Das bedeutet ein monatelanges Casting der Autos, eine 170 km lange Strecke über abgelegene Landstraßen, vorbei an einem wunderschönen Kloster, durch Felder, Wälder und Hügel und hinein in die Berge, entlang zahlloser Serpentinen und steil hinauf auf den Obersalzberg. Also Ladies and Gentlemen, start your engines please!

Tag der Ausfahrt, morgens um 6.50 Uhr

Etwas müde rolle ich auf unseren Parkplatz Nummer 1, an dem sich alle Mitfahrer aus dem Münchner Westen vorab treffen können. Dieses Jahr sind wir die Ersten. Es ist still über dem Industriegebiet Bergkirchen und die düsteren Regenwolken vom Vortag scheinen sich aufzulösen. Das wäre auch besser so, denn die kurvenreiche Strecke in die Berge wird kaum einfacher wenn sie wie gestern von Regen und Hagel ertränkt wird. Hoffentlich haben wir die richtige Auswahl an Autos getroffen. Am Ende werden es 32 Stück sein, einige Bekannte vom letzten Jahr und viele Neuzugänge, ältere Autos aus den 80ern bis hin zu den aktuellen Modellen aus den 2010ern, schnelle und weniger schnelle. Ein Querschnitt durch die Welt der Autobegeisterung und des Tunings. Plötzlich holt mich das röcheln einiger Sportauspuffanlagen aus meinen Gedanken. Ein Golf II GTI VR6 Neuaufbau und der vom letzten Jahr bekannte BMW E34 von Diana rollen auf den Platz. Gefolgt von einem Geiger getunten Mustang GT aus dem Jahr 2005, einem von zwei Honda S2000 und einem Honda Civic Turboumbau, der mich auch schon im Vorjahr begeistert hatte. Die Stimmung ist gut, schnell kommt man miteinander ins Gespräch und viel zu schnell ist es 7.15 Uhr und wir sitzen alle im Auto.

Treffpunkt Erding

Die ganze Gruppe soll sich bis 8.15 Uhr beim Mc-Donalds in Erding einfinden. Der morgendlich verwaiste Parkplatz füllt sich schnell. Dave kommt mit seinem neuen Audi R8, Ralf und Max zeigen erstmals ihre neu importierten Nissan R33 GTR Skylines. Audi S3, Audi S4, BMW M3 E46 Cabrio, Nissan 300ZX Twinturbo, Nissan Silvia S15 bis hin zu einem heftig umgebauten 1991er Honda CRX – alles da. Nicht zu vergessen, erstmals hatten wir auch einen Mercedes (E-Klasse von 2003), einen Opel Astra, einen Mazda MX-5, einen Ford Escort S2000, einen Alfa GT und einen schicken VW Eos dabei. Ein Mc-Donalds Mitarbeiter war so begeistert, dass er heimlich aufs Dach seines Ladens kletterte und von oben fleißig Fotos von uns machte. Insgesamt kamen mit Beifahrern über 50 Teilnehmer und 5 Fotografen zusammen. Ich hielt meine übliche Begrüßungsrede mit dem Hinweis sich an das Roadbook zu halten und Daniel, der Fahrer der Silvia S15 spendierte mir einen großen Morgen-Cappuccino, den ich dringend gebraucht habe, vor allem wenn ich gewusst hätte was als nächstes passieren würde. Pünktlich um 8.40 Uhr starten wir also zur ersten Etappe und ich bitte die „schnelleren“ Fahrer vor zu fahren und die Langsameren etwas hinten zu bleiben.

Erste Etappe: Erding – Buch – Isen – Halfing – Amerang

Der erste Absatz zu dieser Etappe laß sich im Roadbook wie folgt: Los geht es! Links auf die 388…. Ich bin etwa in der Mitte des Starterfeldes und vor mir fahren alle und ich meine wirklich alle nach rechts. Lemming-Effekt! Ich bin derart verwirrt, dass ich selbst kurz überlege ob ich mein eigenes Roadbook richtig gelesen habe. Hatte ich aber, also fahr ich einsam nach links und zwei folgen mir. Nach einigen Kilometern warten wir am Straßenrand ein wenig, während unser Fotograf Stefan fleißig seinen Job macht. Irgendwann kommen noch 4 oder 5 Autos deren Fahrer offensichtlich zu gleich lesen und links von rechts unterscheiden konnten. Drei von uns übernehmen abwechselnd die Führung und wir folgen den ausgedehnten Kurven einer einsamen Landstraße durchs bayerische Oberland und über den Inn. Irgendwann kreuzen wir eine Hauptstraße wo wir auf eine weitere kleine Gruppe von uns treffen, die wie auch immer, ebenfalls hier her gefunden hat. Gut dass man Matzes gelben Mustang schon von weitem sieht – und hört -! Zusammen geht es zum ersten Etappenziel, einem Edekaparkplatz im schönen Urlaubsörtchen Amerang, wo man nochmal Kaffee und Butterbrezen bekommen konnte. Während man sich jetzt schon ein bisschen besser kennen lernt und etwa dreißig Minuten Fotos gemacht werden, kommt auch unser letzter Teilnehmer, Oli mit seiner Supra angefahren. Mit knapp 600 PS besitzt er den formell stärksten Wagen der Ausfahrt, bei der etwa die Hälfte der Fahrzeuge über mehr als 300 PS verfügen und mehrere Wägen die 300 km/h Marke knacken. Einige Teilnehmer eines Oldtimertreffens halten an der Straße und es entwickelt sich ein nettes Benzingespräch. Aber irgendwann wollen wir weiter, die Straße ruft und ich weise nochmal auf das Roadbook hin. „In Amerang folgen wir nach einer Pause der Straße“.

Zweite Etappe: AmerangObing – Seeon

Gut, manche folgen nicht der Straße sondern fahren dahin zurück woher wir gekommen sind. Warum versteht nur der Wind oder der Geist der Weihnacht oder der Erfinder des Navigationssystems oder wer auch immer, ich verstehe es nicht. Der Rest hat viel Spaß und folgt dem Roadbook durch die Wälder zum wunderschönen Kloster Seeon. Der Parkplatz ist überraschenderweise recht leer und uns bietet sich ein wunderbarer Blick auf Kloster und See. Nach kurzer Zeit finden sich dann auch diejenigen bei uns ein, die wieder mal eine Alternativroute gewählt haben. Fabian packt seine Kühlbox aus, einige stellen ihre Klappstühle auf und es gibt Capri-Sonne, Kekse und Muffins. Wie cool ist das denn?! Schulausflug 2.0! Ich fotografiere während dessen weiter, schließlich bin ich ja auch zum Arbeiten da. Schöne „Fotomodelle“ gibt es  genug wie z.B. auch Dominics schickes Golf Cabrio an dem er gerade fleißig herum putzt, den gelungenen Peugeot 206 WRC Umbau von Christoph, Florians Honda Civic Diesel, Babsls BMW oder einen der zahlreichen anderen Audis oder Golf die wir vor Ort hatten und die dieses Jahr unsere größte Gruppe bildeten. Apropos „schöne Fotomodelle“, Peggy, Model des diesjährigen ap Fotoshootings hat uns auch begleitet, dieses Mal allerdings meist mehr hinter als vor der Kamera.

Dritte Etappe: Seeon – Chiemsee – Traunstein – Berchtesgaden – Obersalzberg

Dieses Mal blieb die Gruppe zunächst zusammen. Man war vorsichtig geworden und nach all den abgelegenen Landstraßen musste man sich jetzt am beliebten Chiemsee sowieso auf erhöhtes Verkehrsaufkommen einstellen. Gemütlich tuckern wir zu den ersten Bergausläufern wo uns erst einmal ein kleiner Stau erwartet, weil man die Straße überraschend einseitig gesperrt hatte. Unsere Fotografen machen das Beste daraus und plötzlich knipst es aus allen Richtungen. Schließlich schaffen wir es in etwa 15 Minuten durch die provisorische Ampelanlage und endlich geht es auf, in die Serpentinen hinter in die Berge. Diese Idee hatten zwar leider auch etwa 5000 andere Touristen aber wer clever ist nutzte die Intervalle der Ampel unten und kann so für einige Zeit die herrliche Bergstraße weitgehend für sich alleine genießen. Zumindest gelingt mir das zusammen mit zwei anderen Autos aus unserer Gruppe. Unterwegs gibt es viele kleine Parkbuchten für 5-6 Autos und ich hatte extra angeregt, dass man sich da ab und zu mit einem Fotografen trifft um Kleingruppenfotos vor prächtiger Naturkulisse zu schießen. Das hat am Anfang nicht so gut geklappt (ich halte und etwa 25 Autos wollen auf den gleichen Parkplatz wo es Platz für 6 Autos gab) aber im späteren Verlauf der Strecke gab es dann doch zum Glück noch einige Gelegenheiten mehr. Ab Berchtesgaden führt dann eine sehr schmale und extrem steile Straße hinauf zum Obersalzberg. Das wäre ein wirklich tolle Rennstrecke wenn einem nicht immer mal ein Bus entgegen kommen würde, der fast die ganze Straße für sich beansprucht. Daher ist es eher eine 30 km/h Strecke, was der Faszination der Straße selbst jedoch keinen Abbruch tut.

Am Ziel

Schließlich erreichen wir den Berggasthof Obersalzberg, wunderbar gelegen zwischen den umliegenden Bergen. Das Wetter hat gehalten und bis auf ein paar harmlose Wolken haben wir bestes Wetter mit angenehmen Temperaturen. Wie versprochen hat der Gasthof trotz gewaltiger Urlauberflut hier oben einen extra Parkplatz mit Schranke nur für uns reserviert. Das begeistert auch eine kleine JDM Crew die wir dort treffen. Unsere eigene Gruppe tröpfelt inzwischen langsam aber beständig ein, frei nach dem Motto – die Letzten werden die Ersten sein – kommen die schnelleren und langsameren Fahrer, die besseren Navigatoren und die schlechteren Navigatoren am Ziel an. Gruppenfoto, Auskühlen der älteren Autos, Nachlaufen der Turbos und endlich Mittagessen. Die Plätze im Restaurant hatte ich reserviert, der Service war super freundlich und das Essen kam sehr zügig wenn man die Gruppengröße berücksichtigt. Ein großes Kompliment an den Berggasthof an dieser Stelle.

Nachwort

Monate lange Planung, zahllose Mails, ein Facebook-Casting für die Autos, eine Testabfahrt der Strecke, Erstellung von Mitfahrerlisten und des Roadbooks, Zusammenstellung von ap-Goodie-Bags, Absprachen mit Fotografen und die Beantwortung zahlloser Fragen – all das mündet in einem ca. 9 Stündigen Ausflug. Und schneller als man gucken kann ist auch die Ausfahrt 2016 wieder Geschichte. Aber das tolle Feedback der Teilnehmer motiviert mich noch am gleichen Abend, das Ganze 2017 abermals in Angriff zu nehmen. Ich werde wieder versuchen Leute zu motivieren das mühsam erstelle Roadbook zu lesen, ich werde wieder viel lachen wenn sie genau das nicht tun, ich werde mich über viele tolle Autos freuen und über die gute Stimmung und natürlich darüber, dass einzelne Teilnehmer die von weiter weg kommen bis zu 1000 km am Tag der Ausfahrt zurück legen, nur um dabei zu sein. Respekt dafür! Solange die Ausfahrten so toll laufen wie dieses Jahr werden wir das gerne weiter machen!

Text: Andreas Leffler
Bilder: Matthias Pister (Unlimited Customs), Martin Zottmann, Stefan Hoiß (STH Car Photopgraphy), Yannic Penzkofer (YP Photography), Peggy Hansen (Tuning Gear), Andreas Leffler (Asphalthelden)