Sommertreffen Tuningszene Süddeutschland e.V. – Police meets Polizei

Wenn ich aus meinem geliebten Bayern ins benachbarte Baden Württemberg fahre passiert immer das Gleiche. Kaum habe ich die ersten paar Kilometer hinter mir begrüßt mich unser Nachbarland mit dem ersten einer Reihe unzähliger Blitzer. Ortsschild und gleich danach ein fröhliches, nicht ganz kostengünstiges Fotoshooting. Ausrollen wie man das halt bei uns gerne macht ist offensichtlich unerwünscht, eine heftige Bremsung direkt am Ortsschild in den meisten Fällen billiger. Jaja, die Polizei dein Freund und Helfer. Aber ich will nicht lästern, denn kaum in Heidenheim angekommen begrüßt mich auf dem großen Sommertreffen der Tuningszene Süddeutschland e.V. eine Polizei der anderen Art.

Naja, sagen wir es handelt sich mehr um die amerikanische Police und das freundliche Swat Team von nebenan. Schon fühle ich plötzlich wie mich das dringende Bedürfnis überkommt, festgenommen zu werden. Also, ich hatte erstaunlicherweise letztes Jahr tatsächlich das Vergnügen an einem richtigen Swat Training teil zu nehmen und ich erinnere mich an brüllende Ausbilder, unbequeme Helme, Liegestütze, Crackhouse Raids und jede Menge Männerschweiß. Das ist hier irgendwie – anders, in einem positiven Sinne. Richtige Autos, mit ein paar PS mehr als der durchschnittliche Streifenwagen besitzt, haben sie dann auch nicht mit gebracht. Ganz wunderbar, wo kann ich unterschreiben?!

Der Ersteindruck war also durchweg positiv und positiv ging es auch weiter: Das Wetter zeigte sich ein wenig schwül bis drückend aber immerhin ohne Weltuntergangsstimmung. Dafür gab es zahlreiche gut gelaunter Aussteller, die gerne auch mal für ein Foto posiert haben, einen mehr als ausreichenden Food-Court und jede Menge Extras wie eine Fahrzeugbewertung auf der Showmeile mit Pokalvergabe, DB Messungen, eine Leistungsoptimierung live vor Ort, Leistungsprüfstand, einen Miniwettbewerb und einiges mehr. Das ganze Spektakel wurde eingerahmt von der historischen Kulisse Heidenheims, das war schon mal eine Hausnummer!

Die dominierende Marke vor Ort kam vermutlich aus Wolfsburg. Vom zahlreichen PR- und Werbeautos bis hin zu vielen Klassikern aus dem VW Land war wirklich alles zu finden. Für meine Generation waren besonders die Jugenderinnerungen 16V, G40 und G60 absolute Highlights. Wer auf Japaner und amerikanische Muskeln steht musste zwar ein bisschen genauer hin schauen, aber letztendlich gab es für jeden etwas. Coole Airbrusharbeiten, ein komplett durch designtes „Ice Age“ Motto, die „Böhse Onkelz Corvette (hab ich die nicht erst gestern in Jesenwang gesehen?) jede Menge schicker oder manchmal auch experimenteller Folierungen, perfekte Audioausbauten mit Herz erschütterndem Bass, Klassiker, VIP Style Cars und ein paar einzelne Ratten. You name it, they got it.

Die doch nicht ganz so nahe Anreise hat sich für mich in jedem Fall gelohnt. Außerdem ist der Vorteil für den findigen Journalisten ja immer der, dass zuhause vor Ort leider doch oft die gleichen Autos auf den unterschiedlichen Treffen in der Nähe zu sehen sind und kaum fährt man ein Bundesland weiter, ist auch schon alles anders. Das ist nicht nur für mich interessant, sondern bietet auch viel Stoff für Fotos und Erzählungen. Für alle meine Bekannten aus dem Münchner Raum kann ich daher nur sagen: Heidenheim lohnt sich und wenn die Tuningszene Süddeutschland e.V. nächstes Jahr einen neuen Anlauf wagt – go for it – und so weit ist es ja auch nicht. Aber Achtung vor der Polizei also die mit den Blitzern. Fahrt lieber langsam und freut euch auf die Police vor Ort.

Text: Andreas Leffler
Bilder: Andreas Leffler