Feuchtgebiete – die Tuning Gear Saisoneröffnung 2016

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Eine Geschichte über Tuning, Petrus, Wünsche, Realitäten und die Polizei. Selbige beginnt am Sonntag den 17. April um 12 Uhr. Nach dem Ende von Streetculture in Aschheim kündigte sich Tuning Gear bereits seit einige Monaten mit einer gigantischen Saisoneröffnung an. Zum bereits bekannten Obi Parkplatz wurde dafür extra der Metro Parkplatz nebenan hinzu gebucht und jede Menge Events, Aussteller und Clubs haben sich angesagt. Laut Facebook durfte man mit etwa 2000 Besuchern rechnen, also alles in allem eine spannende Angelegenheit und eine der wenigen Tuning Geschichten die in der Landeshauptstadt überhaupt noch geschrieben werden.

Petrus
Dieser hatte leider überhaupt kein Einsehen mit der Szene an diesem Tag. Ich kam aus Nürnberg die Autobahn heran gebraust und bereits auf halbem Weg ist Weltuntergangsstimmung. Die Straßen hatten sich in kleine oder auch größere Seen verwandelt und ich ahnte nichts Gutes. In München selbst war der Himmel von feinstem Dunkelgrau, mit diesen wütenden, zottligen Wolken, die keinen Hehl aus ihrer Bestimmung machen. Abgeschreckt davon waren vermutlich nicht einmal halb so viele Teilnehmer da wie eigentlich gerne gekommen wären. Positiv muss man sagen, dass gerade ob des Wetters doch immerhin einige hundert Autos gekommen waren und zumindest den Metroparkplatz ganz gut gefüllt haben. Besonders beliebt waren hierbei natürlich die überdachten Stellplätze die es glücklicherweise auch gab. Dort drängten sich dann gefühlte 99 Prozent der Besucher zusammen und machten das Beste aus dem nassen Tag.

Wünsche & Realitäten
Mit den Wünschen der Veranstalter und der Kunden ist es bei solchen Veranstaltungen ja immer so eine Sache. Der Veranstalter wünscht sich eine volle Hütte, schönes Wetter, tolle Autos, gute Stimmung und am Ende ein positives Feedback. Der Kunde möchte sein Auto würdig präsentiert wissen und gegen schönes Wetter und gute Stimmung hat er sicher auch nichts. Aber dann scheiden sich bereits die Geister, denn ist die Veranstaltung zu voll passt es nicht, ist sie aber zu leer dann auch nicht. Gerade habe ich in Zusammenhang mit unserer Saisoneröffnung hier eine Diskussion über die Familienfreundlichkeit von solchen Events gelesen. Selbst hier herrscht keine Einigkeit. Die Realität aber sieht wie immer anders aus. Wilde Fast & Furious Partys wird es bei uns wohl in diesem Leben nicht mehr geben. Rennen sind sowieso tabu (siehe auch das Kapitel Polizei), Autoumbauten sind solange ok, solange sie TÜV konform sind (siehe auch das Kapitel Polizei). Das Wetter in Bayern ist ohnehin in etwa so leicht vorhersehbar wie die Lottozahlen und selbst laute Musik oder ein brüllender Auspuff können einen Nachbarn derart verschrecken, dass dieser dann eine politische Lawine ins Rollen bringt, die am Ende solchen und ähnlichen Veranstaltungen den Gar ausmacht. Die Maxime heißt also, das Beste aus unseren Möglichkeiten machen und genau das haben die Jungs und Mädels von Tuning Gear in jedem Fall umgesetzt. Sie haben viel Arbeit in das Projekt gesteckt, für das Wetter können sie nichts und an den Regeln die sie befolgen müssen, können sie auch nichts ändern. Dafür ein dickes Dankeschön!

Der Kommissar geht um
Nun lag das Treffen ja mehr oder weniger an der Münchner Bodenseestraße, die berühmt, berüchtigt ist für ihre zahlreichen Gebrauchtwagenhändler, einige Bordelle und andere Etablissements. Ich muss es wissen, ich habe hier einige Jahre eine Kampfsportschule geleitet, nur ein paar Meter weiter. So macht es die lange gerade Straße, die auch als direkter Autobahnzubringer dient, den Kontrollorganen leicht, die Zufahrt zu so einem Treffen zu überwachen. Heute also las ich in einer Münchner Lokalzeitung dass man 90 Fahrzeuge entweder geblitzt oder aus dem Verkehr gezogen hat und auch mir ist bei Ankunft und Abfahrt aufgefallen, dass doch eine erhöhte Polizeipräsents zu sehen war. Ist das gut, ist das schlecht? Für die Szene ist es jedenfalls ziemlich schlecht wenn Besucher mit mehr als 100 km/h in einer 50er Zone geblitzt werden. Das bestätigt dann wieder einmal alle Vorurteile und dient für prächtige Schlagzeilen, von der Verkehrsgefährdung, wenn es tatsächlich mal zu einem Unfall kommt, gar nicht zu reden. Generell muss man den Kollegen in grün daher auch attestieren dass sie nur ihren Job machen und dass Verkehrssicherheit so unwichtig ja auch nicht ist. Dem entgegen könnte man als einfacher Autor sicherlich auch zahlreiche Argumente ins Feld führen. Ich belasse es heute damit daran zu erinnern, dass auf Tuningtreffs in der Regel weder Betrunkene, noch Randalierer, noch Einbrecherbanden und natürlich auch keine U-Bahn-Schläger oder Terroristen zu finden sind. Wenn es dann am Ende bei einem Fahrzeug mit allen Eintragungen, um ein „Magnetkennzeichen“ geht liest man dies natürlich nicht in der Tagespresse. Aber das ist nur so ein Gedanke, was weiß ich schon.

Tuning
Ja, Tuning gab es natürlich ebenfalls und auch wenn eher Geländewagenwetter mit hoher Watttiefe angesagt war, so haben sich doch viele hundert schicke Fahrzeuge eingefunden. Vier davon möchte ich heute einmal ein bisschen genauer vorstellen.

Dom`s VW Golf MK2
Bei dem Fahrzeug handelt es sich um einen Wagen aus dem Jahr 1990 mit VR6 Umbau. Der 2,8 Liter VR6 Motor leistet mit zahlreichen Änderungen wie z.B. einer Eigenbau-Abgasanlage mit 100Zeller Kat und einem Tezet Fächerkrümmer, ca. 220 Ps und das bei einem Fahrzeuggewicht von etwa 810 kg. Das reicht für 260 km/h. Das Fahrzeug wurde an den Kotflügeln hinten und vorne verbreitert und es glänzt in Mercedes Benz Piano Black Klavierlack. Natürlich liegt er tief und steht auf BBS RX215 7.5×17 mit 185/35 Reifen. Im Innenraum wurde im Wesentlichen alles raus geschmissen um Gewicht zu sparen. Dafür haben ein Wichers Alu Käfig, Sportsitze und ein geschüsseltes Wildlederlenkrad mit Snap-off Nabe sowie ein Golf 3 Tacho Einzug gehalten. Dom weist mich noch ausdrücklich darauf hin, dass er wirklich alles, alles am Wagen selbst gemacht hat. Das ist ehrlich großes Kino, denn der Wagen ist definitiv ein Show Stopper und Head Turner.

Christophs Mazda 3 MPS
Der Motor ist ein 2,3 l Vierzylinder Turbo mit 260 ps (Serie). Auf den Wagen in der Farbe white crystal pearl wurde auf beiden Seiten von Madman Airbrush ein Bild nach Christoph`s Vorstellungen aufgebracht. Des Weiteren wurde die original Bremsanlage durch eine D2 8 Kolbenbremsanlage ersetzt und ein Gewindefahrwerk eingebaut. Die originalen 18″ mussten Barracuda Tzunamee in candy puder blue weichen. Einstiegsleisten mit Beleuchtung und die Fußraumbeleuchtung (blau) wurden ebenso wie einige andere Innenraumdetails nachgerüstet. Die Firma Megasound aus Rosenheim hat das Radio durch ein Kenwood Doppeldin Gerät ersetzt und im Anschluss auch den weiteren Audioausbau übernommen (2 Helix Flathead Subs an einer Eton Endstufe).

Andi`s BMW 330i E46
Auch bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen Individual-Einzelumbau: Kompressor mit Ladeluftkühler (einlackiert: BMW), 0,6bar, Schrick Nockenwellen, Wasser-Methanol-Einspritzung, Fächerkrümmer mit 200cpi-Kats, Bastuck ESD, Individualabstimmung, Ölkühler,Domstrebe in Wagenfarbe, 55-35mm Tieferlegung, Neulack 2015 mit Dach und div. Details in schwarz, Vorfeldbeleuchtung vom e9X-Modell, kurze HA, 9×19″ET38 rundum mit 235/35 mit 24 und 30mm Distanzscheiben, Awron-Touch-Fahrzeugdaten-Display, Lenkrad neu beledern und umformen lassen, Tacho auf weiß umgelötet und angepasste Tachoscheibe (km/h, Drehzahl, Kompressor-Schriftzug), 6 & 2-Kolben-Festsattelbremse, DSC M3, Kerscher-Carbonschwert, Nieren mit individueller Farbzusammenstellung, getönte Scheiben, div. Org. Nachrüstungen (16:9 Navi, Harman/Kardon, Regen-Lichtsensor) Der Wagen bringt statt Serie 231PS / 300Nm gemessene 335 PS mit 400 Nm.

Micha`s Mazda 6 2.0 Exklusiv
Diesen Wagen komplett zu beschreiben würde den Artikel bei weitem sprengen. Micha hat das Fahrzeug 2012 fast im Originalzustand gekauft und es seit dem jedes Jahr weiter optimiert. Bodykit, 19 Zoll Felgen, Innenraum in Leder und Alcantara, Scheinwerfer, Spoiler, Vollfolierung in Flip Flop Matt metallic, Beflockung im Motorraum, Bremsumbau und Car Hifi. Alles ist gemacht und das Beste – der Szene bekannte Wagen und x-fache Pokalgewinner von Micha Atenza steht zum Verkauf.

Das waren natürlich längst nicht alle Autos auf dem Treffen wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Alleine von JDM Muc war eine ganze Gruppe anwesend und wie immer bei den Treffen in meiner Umgebung war das Wiedersehen mit vielen Bekannten aus der Szene die ebenfalls dem Wetter getrotzt haben ein Highlight. Ich freue mich jedenfalls auf die nächsten Tuning Gear Treffen. Immer weiter so liebe Freunde!

Text: Andreas Leffler
Bilder: Andreas Leffler