Wie Phönix aus der Asche – Die Streetculture Saisoneröffnung in Nürnberg

Noch vor wenigen Monaten musste ich den Abgesang auf Streetculture Aschheim schreiben und heute, ja heute stehe ich in Nürnberg inmitten des Grundig Stadions und rund um mich herum sind weder Fußballspieler noch Leichtathleten. Auf den gigantischen Leinwänden werden keine Torwiederholungen oder Fouls gezeigt, keine Hooligans randalieren und niemand wirft Pyrotechnik aufs Feld. Statt dessen gibt es Autos soweit das Auge blicken kann, tiefe, noch tiefere und ganz tiefe. Ein gigantisches Spektakel erwartet uns, eine Verbeugung vor der Szene und wieder ist es Streetculture. „The Boss is back“ könnte man auch sagen und wie groß das ganze wirklich war, das erfahrt ihr jetzt hier.

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Die Anreise
Nachdem ich keine große Lust hatte in einem Tag nach Nürnberg und wieder zurück zu fahren hatte ich mir im Vorfeld ein gemütliches Hotel ganz in der Nähe des Grundig Stadions gesucht. Das Stadion selbst ist bereits 1928 fertig gestellt worden und verfügte bereits damals über atemberaubende 50.000 Plätze. Eingebettet in eine riesige Grünanlage und gleich neben dem Messegelände sollte es leicht zu finden sein. Also marschiere ich so gegen 17.45 Uhr los und denke mir, bis zur offiziellen Eröffnung um 18.00 Uhr werde ich es schon schaffen. Nach ca. 10 Minuten Wanderung durch den Park treffe ich auf eine Einfallstraße, Parkplätze und gigantische Parkhäuser. Nach einem Blick auf die langsam herein rollenden Massen von Tuningautos bin ich mir sicher – hier bin ich richtig. Aber von wegen! Das hier sind nur die Parkhäuser für die Gäste der normalerweise hier statt findenden Sportveranstaltungen. Was größer ist als die meisten Autotreffen die ich je besucht habe ist also hier nur der Parkplatz für die, die nicht mehr rein gekommen sind. Alleine hier gibt es massenhaft Autos zu fotografieren und viel zu sehen. Dadurch jetzt erst richtig neugierig geworden folge ich einfach dem nicht mehr nachlassenden Menschenstrom die Straße hinab.

Willkommen zur Party
10 Euro später bin ich drin und sehe die ersten schicken Autos und vor allem viele Leute. Dahinter erstreckt sich ein ziemlich großer Foodcourt der auch für ein mittelgroßes Volksfest ausreichen würde. Die Currywürste kommen stilecht aus einem Hubschrauber. Ja, man kann immer noch einen drauf setzen. Der Hunger aber muss warten, hinab geht es durch einen verengten Durchlass aufs sogenannte Infield.

Hier wo sich sonst Fußballmillionäre und Spitzensportler tummeln flimmern auf den Stadionmonitoren bereits knapp bekleidete Mädels und polierte Boliden um die Wette, Bilder vergangener Streetculture Veranstaltungen. Der ganze Außenbahnbereich wurde indes als VIP Area benutzt und die Autos die es hier herein geschafft haben sieht man sicherlich nicht an jeder Straßenecke. „Legenden sterben nie“ steht im Motorraum eines neuwertig wirkenden Mantas und dieser Satz kann hier durchaus doppeldeutig verstanden werden. Einheimische Luxuskarossen treffen auf Klassiker aller Jahrzehnte, untermischt von dem einen oder anderen JDM Wagen, mehreren US-Cars und verschiedenen Ausreißern. Ich weiß nicht ob ich einen Favoriten habe, das Ganze ist fast schon zu überwältigend und ich denke, die Bilder sagen ohnehin mehr als alle meine Erzählungen.

Wo geht es weiter?
Nach zwei gediegenen Runden durch das Stadion stellt sich allerdings die Frage, war es das schon? So viele Autos vor der Türe und gar nicht mal so viele drinnen? Versteht mich nicht falsch, das ganze Stadionrund war bestens bestückt, aber da auf dem Rasen nunmal keine Autos parken durften, erschien der Vergleich mit den Tausenden, die in die Parkhäuser stürmten doch angebracht. Ein wenig verwirrt wandern wir also nach draussen, an den inzwischen berstend vollen Essenständen vorbei und entdecken dass es noch viel mehr zu sehen gibt. Im nächsten Bereich stellen zahlreiche Firmen aus, unter anderem meine Freunde vom freien Bergrennen.

Als ich am Stand frage ob es denn noch weitere Areals gibt winkt man mich mit einem Lächeln weiter – da kommt noch so einiges! So so, na dann mal schauen! Und tatsächlich gibt es noch mehrere Parkflächen im direkten Außenbereich des Stadions. Langsam näheren wir uns wieder den Preisklassen, bei denen ich auch noch träumen kann. Gut, die beiden Nissan GTR und die Audi R8 werden es wohl nicht werden, aber die Mustangreihe ist schon mal vielversprechend. Die goldene Supra wäre aber auch nicht schlecht oder doch ein Evo? Egal. War drinnen im Stadion noch eine gefühlte VAG oder zumindest eine deutsche Dominanz gibt es hier wirklich für jeden etwas.

Afterparty
Offizielles Ende sollte um 22 Uhr sein und relativ zeitnah verlassen dann auch die Meisten den Veranstaltungsort. The biggest party is over. Streetculture hat es wieder einmal geschafft zu glänzen und sogar das am Wochenende ziemlich regnerische Wetter hatte ein Einsehen und extra für die Tuninggemeinde eine Pause eingelegt. Es war einer dieser – schade dass es schon vorbei ist Momente – und gedankenverloren schlenderte ich der Masse mit der ich gekommen war hinterher in Richtung Parkhäuser. Ein Skyline und ein Camaro fahren vor mir aus dem Parkhaus, Musik wummert durch die Nacht. Hier geht noch was! Ich packe nochmals meine Kamera und stelle mich vor die Ausfahrt. Streetculture lebt, genau hier wo die Leute parken die es zu dem machen was es ist!

Text: Andreas Leffler
Bilder: Andreas Leffler