Der Saisonstart des Tuning Clubs Erding…oder wie aus einer kleinen Idee eine Riesensache wurde.

Passend zum Frühlingsanfang lacht die Sonne vom bayerischen Himmel. Palmsonntag, die Osterferien in Bayern beginnen, Urlaubslaune macht sich breit und in Erding bei München bebt der Asphalt. Der Tuning Club Erding hat seinen Saisonstart zeitig angesetzt und aus einem kleinen regionalen Treffen am „Kaufland Parkplatz“ wurde ein Riesenevent mitten am Volksfestplatz in der Innenstadt, mit Essen, Fotografen, DB Messung und mehr als 4000 Besuchern. Ein Fest für die ganze Familie und am Ende auch ein paar Fragen, welche die ganze Szene betreffen. Genau diesen wollen wir hier einmal nachgehen.

Ein Blick hinter die Kulissen
Als ich vor Wochen meinen Auftraggebern bei ap Sportfahrwerke den Artikel über die Saisoneröffnung vorschlug hatten sich gerade einmal 400 Leute zum Treffen angemeldet. In der Folge gewährte man mir wie so oft eine gewisse Narrenfreiheit und lies mich selbst entscheiden, ob ich den Artikel machen wollte oder nicht. Das passiert immer dann, wenn sich meine Chefs nicht sicher sind ob sich der Aufwand meiner Arbeitszeit mit der zu erwartenden Reichweite des Artikels deckt. Selbiges ist verständlich und umso mehr danke ich den Jungs von ap, dass sie mir sehr oft diesen Ermessensspielraum einräumen. Denn meistens liege ich richtig und beim „Erdingtreffen“ hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass da was Großes und auch Interessantes wächst. So wurden aus 400 Zusagen auf Facebook bald 600 und dann 800 und dann waren da noch 2500 „Interessierte“ und naja, ihr habt es schon im Vorwort gelesen, am Ende waren über 4000 Leute da. Ganz großes Kino für eine kleine Stadt.

Meine Eindrücke
Um 15.25 Uhr erreichen wir Erding und man merkt sofort, hier muss irgendwo etwas los sein. Das Navi können wir getrost abschalten, denn wir brauchen ja nur dem grün metallic schimmernden, tiefer gelegten Audi vor uns und den vielen anderen Szeneautos zu folgen. Im Schneckentempo geht es in Richtung Volksfestplatz. Noch 500 Meter bis zum Ziel und wir entscheiden uns, so spannend ist unser Auto auch nicht, gleich hier zu parken und machen einen kleinen Fußmarsch. Das Hauptgelände ist zu diesem Zeitpunkt bereits so gut wie voll und kleinere Parkplätze davor, dahinter und daneben füllen sich ebenfalls. Die Veranstalter geben sich zusammen mit der örtlichen Polizei alle Mühe, dass das Ganze in geregelten Bahnen abläuft. Uns erwartet eine Mischung aus den ersten Klasseautos, die kürzlich aus dem Winterschlaf erwacht sind, aus aufgehübschten Ganzjahreswägen, Serienfahrzeugen und dem ein oder anderen Exoten. Dominiert wird der Platz dabei wie so oft in unseren Breitengraden definitiv von BMW, VW, Audi, Opel und Ford. Meine sonstigen persönlichen Highlights? Ein super tiefer Chevy Pickup, eine stylische Elise, zwei wunderbare alte Mantas, ein Mazda RX-7, ein heftig umgebauter Nissan 350Z Roadster, mehrere chice Camaros, eine ganze Reihe Subarus, ein Shelby Mustang, der Szene bekannte Atenza Mazda, ein einsamer Evo und der eine oder andere nette Stuttgarter. Ansonsten gibt es jede Menge gute Laune, Leute die auf ihren Pick-ups die Sonne genießen, Eltern, deren Kids neugierig von Auto zu Auto laufen, fürs leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt und die DB Messung zieht jede Menge Schaulustiger an. Alles gut also? Für uns auf jeden Fall! Aber kaum bin ich wieder zuhause sehe ich zahlreiche Diskussionen auf der Facebookpage der Veranstalter aufflammen und ich denke, darüber sollte man auch einfach auch einmal schreiben.

Der Zeitpunkt
Schon im Vorfeld habe ich immer wieder Fragen nach dem Zeitpunkt der Veranstaltung gelesen. Nach dem Motto „Warum macht ihr das so früh, mein Auto ist doch erst am 01.04. wieder angemeldet?“ häufte sich erste Kritik, noch bevor überhaupt etwas passiert war. Meine Meinung – genau das richtige Datum! Denn ganz ehrlich, im April und Mai ist eine Saisoneröffnung nach der Anderen und der Szenefan weiß ja schon gar nicht mehr wo er zuerst hin fahren soll. Im Regelfall schreiben dann Leute die sich jetzt über „zu früh“ aufregen Posts wie „warum macht ihr es ausgerechnet am Wochenende wo auch die Veranstaltungen X, Y und Z statt finden“. Ich denke auch der außergewöhnliche Zustrom von über 4000 Leuten gibt letztendlich den Veranstaltern recht. Es ist schönes Wetter, es sind Ferien und es gibt eine große Veranstaltung. Was bitte will man mehr? Top!

Der Stau
Den unvermeidlichen Stau hatte ich ja erst ausführlich bei meinem Artikel zum Abgesang auf Streetculture Aschheim thematisieren müssen und leider macht man sich dabei bei der Obrigkeit keine Freunde. Denn die Verantwortlichen haben damit immer sogleich ein Gegenargument gegen jegliches, unliebsame Event. Doch warum gibt es stets solche langen Blechschlangen? Nun erstens gibt es Staus ja nicht nur beim Autotreffen sondern auch bei vielen anderen Events. Wenn viele Menschen zu einem Ort wollen liegt es in der Natur der Sache, dass es voll wird. Fragt mal den freudigen Italienurlauber auf dem Brenner am ersten Schulferientag! Aber abgesehen davon habe ich auch von guten Beobachtern des Erdingtreffs gehört, dass sich bereits zur Mittagszeit erste Teilnehmer stauten. Mittagszeit?! Das Treffen war für 15 Uhr angesetzt! Leute, ich verstehe ja, dass jeder einen guten Platz will. Aber wenn ihr bereits Stunden vorher da seid und die Zufahrtsstraße blockiert, dann hat der Veranstalter bei der offiziellen Eröffnung keine Möglichkeit mehr für einen geregelten Abfluss des Verkehrs zu sorgen. Das macht keinen Sinn, so etwas gibt höchstens Stress mit den Behörden und führt dann irgendwann zum Verbot solcher Events. Ich bin auch jemand der lieber zu früh als zu spät zu einer Veranstaltung geht, aber in diesem Fall hilft das leider überhaupt nicht und führt letztendlich dazu, dass jeder der auch nur annähernd pünktlich zur offiziellen Startzeit kommt frustriert in einer nicht mehr endenden Blechlawine stecken bleibt. Vielleicht sollte man auch das einmal überdenken, ehe man hinterher immer über die Veranstalter lästert, die eigentlich gar nichts dafür können.

Die Qualität der Fahrzeuge
In direktem Zusammenhang mit den Punkten „Stau“ und „Platz ist schnell nach Eröffnungszeit voll“ kamen im Anschluss des Treffens auch noch einige kritische Stimmen auf, die im Wesentlichen einen zu großen Anteil von Serienfahrzeugen kritisierten. Aussagen wie „alles voll mit Kindertuning und Serie und mein wunderbar umgebauter Klassiker darf nicht mehr rein“ sind einerseits irgendwie nachvollziehbar, aber auch hier: Was soll man bitte machen? Erstens waren durchaus einige wirklich schöne Autos am Treffen und es war keineswegs so, dass Serienfahrzeuge dominiert hätten. Zweitens: Wie soll man bitte aussortieren? Wen soll ein Veranstalter weg schicken? Der Veranstalter weiß nicht wie viele Autos noch kommen werden und er möchte natürlich auch seinen Platz voll bekommen. Ist selbiger am Ende halbleer finden alles das Treffen langweilig, ist der Platz voll bis zum letzte Winkel sind alle gestresst, die nicht mehr rein kommen. Schickt der Veranstalter Serienwägen mit ein bisschen Herstellertuning weg hassen ihn alle, die so ein Auto fahren. Schickt er „leicht getunte“ Fahrzeuge mit den drei typischen Standart F`s (Fahrwerk, Felgen, Folie) weg, hassen ihn eben diese Leute. Muss er gar jedes Fahrzeug einzeln kontrollieren weil sich in einem unauffälligen Sleeper ja vielleicht ein kompletter Motorumbau und ein 15.000 Euro Audiosystem befinden könnte, dann gibt es einen Stau bis zum Sankt Nimmerleinstag. Kann man nicht alles vorher ausmachen? Könnte man, aber die Besucher lassen sich ja auch gerne Zeit bis zum Eventtag, um zu entscheiden ob sie kommen. Ist mein Auto fertig? Ist schönes Wetter? Ruft mich doch noch meine neue Freundin an? Nur so werden aus guten 800 Zusagen am Ende 4000 Besucher. Wie soll ein Veranstalter so etwas planen? Unmöglich! Und ganz ehrlich wenn ich heute z.B. ins Kino gehe, dann gibt es da zum Beispiel 100 Sitzplätze und wenn die verkauft sind, dann gibt es eben keine Karten mehr. Genau so ist es bei jedem Tuningtreffen. Es gibt eine Anzahl von Parkplätzen und wenn die voll sind ist es eben voll. Dann muss es aber eigentlich doch auch kein Drama deshalb mehr geben?!

Am Ende hilft nur Vernunft
Also ich persönlich fand die Veranstaltung wirklich spitze. Sie war gut organisiert, zu einem Zeitpunkt wo man sich noch richtig auf ein Treffen freut, das Wetter hat gepasst und jeder der schon mal selber irgend ein Event organisiert hat, der weiß, was das für eine Verantwortung ist und wie viele Hürden es zu überwinden gilt. Ich selbst habe schon Tuningtreffen, Mittelalterevents, Kampfsportveranstaltungen und sogar ein ganzes Filmprojekt in Südfrankreich organisiert und genau deshalb ziehe ich vor jedem den Hut, der sich diesen Schuh anziehen möchte und der eben nicht nur theoretisch alles besser weiß, sondern der einfach macht! Und wenn wir alle ein bisschen vernünftig sind und zeitig aber nicht zu zeitig kommen dann klappt das auch alles viel besser. Und wenn man so wie ich mit dem Daily da ist, dann kann man den ja auch mal draußen stehen lassen, wenn man ohnehin schon sieht, dass der Platz aus allen Löchern platzt und sich anschließend einfach über die anderen Autos freuen. Haben wir auch so gemacht, hat gar nicht weh getan. In diesem Sinne – ein großes Danke an die Veranstalter und an alle die mit ihrem Auto und ihrer guten Laune zum Gelingen des Events beigetragen habe.

Text: Andreas Leffler – Asphalthelden

Bilder: Andreas Leffler – Asphalthelden