Die Münchner Autotage 2016

Münchner Autotage 2016 - Überblick

Klassentreffen: GTI, GTR, RS und ein i8

Alles von Alfa bis VW unter einem Dach, Messepreise, jede Menge Autos und sogar ein paar richtige Sportler sowie ein Testwagenfuhrpark klingen auf den ersten Blick ziemlich gut. Deshalb haben wir uns heute für euch auf den Münchner Autotagen ein wenig genauer umgesehen. Ob wir es mit dem Nissan GTR auf die Teststrecke geschafft haben, ob ich mit knapp zwei Meter in den neuen Mazda MX-5 passe und wie es sich so im BMW i8 lebt, das erfahrt ihr jetzt.

Münchner Autotage 2016 - Überblick

Münchner Autotage 2016 – Überblick

München ist leider ja nicht gerade ein Mekka der weltbekannten Automessen. Als kleiner Lichtblick erfreuen uns da jedes Jahr die Münchner Autotage, die im Rahmen der f.re.e. Messe statt finden. F.re.e. hört sich zwar ein bisschen an wie die Organisation eines James Bond Bösewichts, ist aber nichts andere als die Reise- und Freizeitmesse. Und da das Auto zum Reisen dazu gehört, spendiert man ihm eine von sieben Hallen. Dazu muss man wissen, dass die Autotage eine Verkaufsmesse sind, das bedeutet hier stellen nicht die Hersteller aus, sondern die Münchner Autohändler. Jeder Ausstellungswagen hat ein Preisschildchen und sollte man zugreifen, tönt es Hallenweit aus den Lautsprechern „Herzlichen Glückwunsch, schon wieder ein Auto verkauft. Gratis dazu gibt es eine Flasche Champagner!“ Letztere Durchsage hört man erstaunlich oft durch die Gänge schallen und da gucken wir doch einmal, ob wir auch die Korken knallen lassen wollen.

Münchner Autotage 2016 - Überblick

Münchner Autotage 2016 – Überblick

Wir beginnen bei A wie Alfa Romeo wo uns ein 4C mit den bekannten, sportlichen 240 PS erwartet. Ich habe den Wagen bis dato weder gefahren noch bin ich drin gesessen also würde ich gerne den Versuch wagen, meine knappen 2 Meter in die ultraflache Flunder hinein zu zwängen. Doch leider ist der auch Alfa ebenso wie einige andere der teureren Top-Autos auf der Messe zugesperrt und ich kann den freundlichen Autohausmitarbeiter weder mit Geld noch mit guten Worten dazu bewegen, ihn mir aufzusperren. Naja, ich gebe zu Geld habe ich nicht geboten, mehr gute Worte, aber egal, die knappen 58.000 die am Preisschild stehen, hätte ich sowieso nicht in der Portokasse.

Münchner Autotage 2016 - Alfa 4C

Münchner Autotage 2016 – Alfa 4C

Also weiter zum nächsten kleinen Flitzer. Der neue Mazda MX-5 glänzt mir in spiegelndem Schwarz entgegen. Bis dato fand ich den MX-5 immer schick, nur habe ich es ob meiner Größe noch nie geschafft in so einen Wagen auch nur einzusteigen. In jedem Fall klingen 30.440 Euro für den Ausstellungswagen mit 160 PS, Leder und schicken 17 Zöllern schon mehr nach meinem Geldbeutel und so wage ich auch den Einstieg in die vierte MX-5 Generation und ein Wunder geschieht. Nach einigen Verrenkungen sitze ich drin. Er ist wirklich größer geworden. Gut, mit meinem Kopf würde ich immer noch sämtliche Fliegen abfangen und lenken müsste ich mit den Knien, aber wir bewegen uns in die richtige Richtung. Spätestens in der siebten Generation greife ich zu – versprochen, oder so.

Münchner Autotage 2016 - Mazda MX 5

Münchner Autotage 2016 – Mazda MX 5

Wo ich gerade bei flach und eng bin, schlendere ich doch zum Stand von BMW und hier erwartet mich das Messehighlight. Ein i8 zieht die Massen an und im Gegensatz zu vielen anderen Topautos ist er offen und für das Publikum zugänglich. Dafür muss ich vorweg einmal Danke sagen an die Jungs aus München, dann nach 8 Euro Parkgebühr und 10 Euro Einlass sind es doch genau solche Highlights, die eine reine Verkaufsveranstaltung begehrenswert machen. Ich stelle mich also brav in die Reihe und als ich endlich dran bin blicke ich in ein Raumschiff ähnliches Cockpit. Leider blicke ich auch in ein Raumschiff ähnlichen Einstieg, ganz weit unten und mit einem Sitz, weit verborgen hinter einem ultrabreiten Seitenschweller. Meine einzige Chance – mich vor den Augen von etwa drei Duzend Fotografen und Schaulustigen einfach hinein fallen lassen und hoffen, dass alles gut geht. Geht es nicht! Denn auf der Beifahrerseite hatte ein ähnlicher großer Mann offensichtlich die gleiche Idee und unsere Schädel knallen rücklings in der Mitte zusammen. Wir lachen, alles gut und fädeln uns in das futuristische Gefährt. Ich befinde mich in einem der Autos in dem man selbst als altgedienter Autotester nicht gleich alles auf Anhieb versteht. Es blinkt, es leuchtet und man fragt sich, wie es wohl ist damit über die Straßen zu schweben. Aber ob eines Testwagenpreises von gut 140.000 Euro werde ich das vermutlich auch in den nächsten paar Jahren, Jahrzehnten, Jahrhunderten nicht mehr heraus finden und deshalb entschließe ich mich lieber einen Blick auf die etwas günstigeren Sport- und Spaßwägelchen auf der Messe zu werfen.

Was bekommt man denn also hier so, sagen wir im Segment von 25.000 bis 35.000 Euro an Spaßmobilen? Zurück zum Anfang und zu Alfa Romeo. Die Giulietta Quadrifoglio Verde mit 240 PS, 18 Zoll Rädern, Navigation, schicken Sportsitzen, jeder Menge Platz und italienischem Flair serienmäßig gibt es statt knappen 38.000 hier für 31.490. Klingt gut, sitzt gut und da ich auch schon einmal eine solche Dame getestet habe, kann ich sagen, fährt auch gut.

Vergleichsweise bescheidene 160 PS aber dafür wenig Gewicht gibt es für 25.900 Euro bei Abarth. Ein 595C Turismo in Scorpione schwarz metallic, mit verboten sexy-roten Ledersitzen, 17 Zöllern, Navigation und dem Interscope Hifi System elektrisiert mich. Irgendwie finde ich persönlich die Autos mit dem Skorpion so verführerisch wie nichts anderes in dieser Preisklasse. Wenn ich 10 Zentimeter kleiner wäre hätte ich auch schon längst einen in der Garage. Also reinsetzen, träumen und weiter.

Apropos träumen, mein nächster Traum handelt von Hippies mit Blumen im Haar und ich stoppe beim 150 PS starken Beetle „Lounge“ mit 150 PS und DSG. Jede Menge Platz, Panoramadach, fette Räder, eine coole Farbkombi, Navi, Xenon und das sportliche R-Line Exterieur bekommt man hier für 31.427 Euro und hat damit ein Lifestylauto fürs ganze Jahr. Nicht sportlich genug? Gut, dass ap seit kurzer Zeit Sportfedern und Gewindefahrwerk für den Beetle anbietet.

Doch ich stelle fest in dem genannten Preissegment gibt es sogar Luxus bei Lexus. Ein CT200h steht statt 35.650 für 30.790 Euro am Stand. Ich gebe zu, das Grau des Ausstellers ist jetzt nicht ganz meines, aber ein Premiumauto mit Hybrid, Sport Design Paket, Komfort Plus Paket, Navigation und Premiumaudio, auch nicht schlecht!

Dann schielen wir preislich doch mal ein bisschen nach oben. Einen GTi gibt es mit Navi, Sportpaket, LED Scheinwerfern, 19 Zöllern und schicken Sportsitzen schon für 37.925 Euro. Aber bevor alle Wolfsburgfans jetzt einen Herzinfarkt bekommen, ich spreche vom Peugeot 308 GTi. Der leistet 272 PS und sieht eigentlich ganz gut aus.

Der GTI am VW Stand leistet leider nur 230 PS und kostet heftige 45.749 Euro. Dafür hat er aber auch volle Hütte und ist eine automobile Legende.

Ein vom Haustuner veredelter Skoda Octavia Combi 2,0 TSI RS leistet dank ABT ca. 290 PS und steht nebenbei noch recht bullig und schick auf den dicken Rädern. So viel Sportsgeist gib es hier statt für ca. 47.000 für 39.900 Euro.

Zurück bei Lexus erfreut mich ein Wagen, der bis dato komplett unter meinem Radar durch gerutscht ist. Das RC 200 Coupe. Optisch wirklich ein sehr elegantes und gelungenes Fahrzeug. Wunderschöne Linien außen und schickes Interieur innen. Mit Lexus üblicher Premiumausstattung und 245 PS liegt der Messepreis bei 57.770 Euro. Leider zu viel für mich, ich gehe dann mal zu Ford. Denn die tun ja nicht nur was, sondern sind laut neuer Werbung auch immer einen Schritt weiter.

Das stimmt in dem Fall tatsächlich, denn am Ford Stand befinden sich gleich zwei Knallerfahrzeuge unter 50.000 Euro. Zum einen gibt es das neue Mustang Cabrio, hier in knallgelb und mit dem wenig artgerechten aber durchaus sportlichen 4 Zylinder EcoBoost Motor der im Pony 317 PS abliefert. Zum anderen zieht der neue Focus RS mit Allradantrieb, Recaro Sportsitzen, 19 Zoll Rädern, Launch-Control, 350 PS und 266 km/h Höchstgeschwindigkeit die Blicke auf sich. Ob der RS die 45.499 Euro des Ausstellungswagens wert ist werde ich hoffentlich demnächst auf einer Testrunde heraus finden. Ich selbst kann zum Thema Ford nur sagen, schon lange haben die Kölner nicht mehr so viel Emotion gezeigt wie mit diesen beiden Fahrzeugen.

Was es sonst noch so zu sehen und zu erleben gab? Audi stellt sein e-gas Project vor. Auf dem Mitsubishistand steht ein armer, verlassener Lancer, der mich wehmütig an meinen Evo X erinnert, der ja leider nicht mehr gebaut wird. Der weiße Lancer mit schicken schwarzen 18 Zöllern und dem  1,6 Liter 117 PS MIVEC Motor kostet als Messeraussteller nur 13.990 Euro. Viel Auto für wenig Geld und trotzdem bleibt mein Wunsch an Mitsubishi endlich wieder emotionale Autos zu bauen. Evo, Eclipse und 3000Gt brauchen dringend Nachwuchs wenn ihr mich fragt. Zum guten Ende geht es dann noch zu Nissan. Uns empfängt mein persönlicher Traumwagen, der GTR, als Black Edition My 2016 mit 550 PS. Leider kann ich mir weder den Messepreis von 99,990 Euro leisten, noch mich hinein setzen, denn auch der GTR ist verschlossen. Vielleicht doch mal ein Beispiel an den Jungs von BMW nehmen? Immerhin passt uns kurz darauf eine hübsche Nissan Messehostess ab und weil mein Kollege so neugierig um den neuen X-Trail schleicht bietet sie uns eine Probefahrt an. „Sie können hier auf der Messe so ziemlich alles Probefahren“ erläutert sie uns lächelnd und führt uns nach draußen, wo die ganzen Aussteller ihre Testwagen geparkt haben. Ich entgegne: „Alles außer den GTR nehme ich an.“ Sie hüstelt ein leises „ja leider“ hinaus und wir klettern in das weiße SUV, um damit eine Runde zu drehen.

Das Probefahrtangebot, welches zumindest für die „normalen“ Fahrzeuge der meisten Aussteller gilt ist ein nettes Zusatzangebot der Messe, die uns am Ende doch ein paar vergnügliche Stunden bereitet hat. Gekauft haben wir dann aber nichts, trotz der ständig ausgelobten Flasche Champagner. Ein bisschen schlauer sind wir aber trotzdem nach Hause gegangen.

Bericht: Andreas Leffler

Bilder: Andreas Leffler