Die Wüste, das Tuningspektaktel und der Schlangenbiss

SEMA

Eigentlich sollte und wollte ich euch einen ausgiebigen Bericht über meinen Las Vegas- und L.A. Trip schreiben, jedoch hat es zwei Faktoren, warum ich dies nicht tue. Zum einen hat Import Society im Auftrag von ap Sportfahrwerke einen wirklich kurzen – aber knackigen – Bericht mit fast identischem Inhalt wie mein Gedankengang war, veröffentlicht. Des Weiteren habe ich an einem Erlebnisbericht ala BMW SHOW UK gefeilt, der nach vier Tagen bereits sage und schreibe neun DIN A4 Seiten umfasste. Also zwei Faktoren meinen Berichtplan kurz umzuwerfen. Ich werde aber in einigen Zeilen gerne auf meine Erlebnisse und Eindrücke von L.A. und Las Vegas eingehen, damit trotz allem meinen Lesern ein kurzer Einblick in eine Welt gewährt wird, die ich so erhofft aber tief im Inneren doch nicht erwartet hatte.

Angekommen in Las Vegas roch es förmlich nach Benzin. Bei meinem ersten Besuch vor vier Jahren hatte ich einen anderen Fokus. Da ging es um zocken, die Top Casinos begutachten und Spaß haben. Dieses Mal stand alles im Zeichen der SEMA SHOW, Amerikas größter Fachmesse für Tuning & Co. Was uns hier erwartete übertrumpfte im Prinzip alles was ich bisher in Deutschland gesehen habe.

Eine Selektion der feinsten Musclecars, Bikes, Trucks und Performance Schleudern fanden hier Ihren Treffpunkt. Das Gelände umfasste einige Hallen sowie ein megamäßiges Außengelände, wo sich beispielsweise FORD mit einer sehr großen Driftarea niederlies.

Auch die Jungs von West Coast Custom hatten sich nicht lumpen lassen und einen netten Bereich etwas abseits der Main Station eingerichtet. Hier wurden von Toyota Fahrzeuge gesponsert, die von den Jungs der Westküste in kurzer Zeit ala “Pimp my Ride” aufgemöbelt wurden. Hier konnte man allen über die Schulter schauen.

Selbst Airbrush und Pinstripe Künstler schulten Besucher und Teilnehmer mit Ihrem Know How über diese Kunst. Am meisten fasziniert haben mich jedoch die Fahrzeuge, einiger mexikanischer Tuner. Auch Hochglanz polierte und mit maximalem Aufwand veredelte Impalas, El Caminos und Co. brachen das Licht in der Sonne – in jedem Winkel. Die Lackierkunst, die ich hier vorfand sucht leider auch hierzulande oft seines Gleichen. Was bei uns mit Low, Statik und Air tituliert wird, ist auf der SEMA etwas anders angesiedelt.

Hier zählt nicht immer, wer am tiefsten kann, sondern hier geht es, wie überall in Las Vegas, gerne auch einfach mal nach oben. Und zwar maximal nach oben. Hier werden aus sowieso schon wirklich großen Trucks mit dem richtigen Suspensionsupdate wahre Straßenmonster kreiert. Wer den Höchsten hat, hat den Geilsten. So sieht es hier aus. In den Hallen tummelten sich unzählige Felgen- und Reifenhersteller sowie eben alles, was in irgendeiner Form am Fahrzeug veredelt oder verwendet werden kann. Faszinierend war hier auch zu beobachten, dass es wohl in keinem Land auf der Welt so viel verschiedene Reinigungs- und Pflegemittel für sein bestes Stück gibt, wie hier. Showprogramm vom feinsten, Autogrammstunden mit Szenegrößen wie Mr. Foose und Richard von den Gas Monkeys, all das war den ganzen Tag auf der SEMA zu bestaunen und zu erleben.

Abschließend zur SEMA kann ich nur sagen, das die SEMA IGNITED Aftershow Party ebenso alles in den Schatten gestellt hat, was ich zuvor in Deutschland gesehen habe. Zum einen haben die Organisatoren das gesamte Infield vom Messegelände auf einen nahegelegenen Platz umgezogen. Des Weiteren diesen mit Bühne, Tribüne, PA, Toiletten und Ausstellern zu einem mega Event umgebaut. Und das ganze an nur einem Tag. Hier trafen sich alle Händler, alle Showcars und Trucks, sowie eine große Driftarea, wo immer im One On One System gegeneinander gedriftet wurde.

Mega geile Show und sehr viel Rauch!
Als Highlight dieser grandiosen Aftershow Party empfand ich das Finale zum “Battle of the Builders”. Alle Custom Car Bauer können hier mit ihren Prachtexemplaren gegeneinander antreten. Mehrfacher Sieger und TV Star von Overhaulin, Chip Foose kam unter die Top 3, musste sich dann aber seinem „Vater“ geschlagen geben, der ihm den ersten Platz vor der Nase wegschnappte.

Dieser Abend war absolut der Wahnsinn und wurde nur noch durch unzählige Burnout Partys bei der heiß ersehnten Ausfahrt der Showcars getoppt. SEMA, i will be back soon.

Natürlich haben wir auf unserem Trip auch einen 2 Tages Ausflug nach Los Angeles angetreten. Mit unserem Jeep Patriot ging es hunderte Meilen und über sechs Stunden einmal quer durch die Wüste von Nevada. Wer hier eine Panne hat, hat Streckenweise echt ein Problem. Unser Highlight in LA waren aber nicht Hollywood Blvd. und Beverly Hills, welche in jedem Reiseführer zu sehen sind.

Highlight war ein Basketball Spiel der L.A. Lakers im Staples Center, welches wir zufällig als VIP verfolgen durften, sowie der Besuch an Paul Walkers Unfallstelle und dem Toretto Haus.

Hollywood und Co. haben wir neben diesen persönlichen Highlights auf dem Rückweg natürlich trotzdem mitgenommen.

Die Begegnung mit der Super Snake

Nach meinem kleinen Einblick in die Welt der SEMA und unserem Trip nach Los Angeles will ich euch aber nun meinen eigentlichen Bericht vorstellen. Die spontane Idee, etwas zu schreiben, was ihr vielleicht noch nicht fünf Mal im Netz gelesen habt – denn SEMA Berichte sprießen ja im Moment nur so aus dem Boden.
Auf der Suche nach einem genialen Thema für Motorheads sind wir eines Morgens am SHELBY Museum in Las Vegas vorbei gefahren. Ich bog sofort rechts ab und schaute mir diesen Laden für euch an.

Auf dem großen Besucherparkplatz – man kann es sich bestimmt schon denken – unzählige Ford und spezielle Mustang sowie Cobra Modelle aller Baujahre. Ein riesen Komplex in optischem Top Zustand lud direkt ein, mal frech einen Blick hinter die verspiegelte Eingangstür zu wagen. Nach dem Öffnen erblickte ich einen mega Fanstore um Carroll Shelbys Meisterwerke.

Unzählige Shirts, Caps und Modellautos sowie nostalgische Schilder und Poster aus den 60er Jahren in Verbindung mit Carrolls Boliden von den frühen 60ern bis heute. Alles stand hier drin, alles hatte seinen Platz. Hier sah man nicht nur die Detailverliebtheit dieser besonderen Manufaktur, man spürte sie förmlich.
Der 2012 an Herzleiden verstorbene Texaner war in der Vergangenheit schon als Rennfahrer bekannt und erfolgreich. Er war Fan des europäischen Motorsports, sodass es ihn bereits in den frühen 1950er Jahren auf unseren Kontinent zog und er hier Erfolge mit MG – mit welchen er die deutlich schneller eingeschätzten Jaguars auf die hinteren Ränge verweisen konnte – erzielte. Sein größter Erfolg als Rennfahrer war sein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1959 auf einem Aston Martin.
Nach Abschluss seiner Rennfahrerkarriere, wandte er sich seiner zweiten Leidenschaft zu, dem Konstruieren und Umbauen von Sportwagen. Als ausgebildeter Pilot der US Airforce liebte er die Perfektion und hatte schon immer den Traum, ein eigenes Auto zu bauen. Zu Rennfahrerzeiten konnte er zur britischen Autoschmiede AC CARS bereits erste Kontakte knüpfen. Als dann aber klar war, das Carroll in deren Konstruktion einen amerikanischen V8 reinzimmern möchte, war die Stunde der Shelby Cobra geboren. Das Basisfahrzeug wurde stetig verbessert und in Zusammenarbeit mit Ford weiter entwickelt. Shelby forderte größere Motoren, Ford lieferte!

So konnte das Auto 1962 das erste Mal unter dem Namen “Shelby Cobra CSX2000” der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Hier im Museum steht genau dieses Exemplar. Die Originale…die Erste, von Carroll Shelby gebauten AC Cobra überhaupt. “The ONE”, wie Sie genannt wird! Dieses Fahrzeug war bis zu seinem Tod auch in seinem Besitz und wurde gelegentlich noch bewegt. Etliche Titelseiten von Fachzeitschriften konnte er mit diesem Prachtstück an Handwerks Kunst bereits füllen. In kürzester Zeit wurden mit den “neuen” Cobras unzählige Rennen gewonnen und zahlreiche Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt. Denn dieses Fahrzeug gilt auch heute noch durch sein geringes Fahrzeuggewicht von ca. 1000 kg, 425 PS und bis zu 7 Liter Hubraum mit einer Endgeschwindigkeit von bis zu 300 km/h zu den schnellsten Exoten, die die Automobilwelt zu bieten hat. Für originale Fahrzeuge aus der glorreichen Zeit werden heute bis zu 1.000.000 $ bezahlt. Eine 427er Super Snake erzielte im Jahr 2007 sogar die Rekordsumme von über 5,5 Millionen US Dollar. Heute ist der Markt leider überlaufen von vielen Replikas, die oftmals auf Basis von verunfallten Jaguar Modellen mit Ford 4 Zylinder Motoren versehen werden. Vielleicht macht genau das, den hohen Stellenwert dieser Fahrzeug Manufaktur aus. Jeder will eine haben, die wenigsten können sich eine leisten, also wird es kopiert. Mal gut, mal weniger gut. Handgedengelte Blechkarossen werden von den Replikabauern durch GFK Laminat ersetzt, was sogar bis zum Zulassungsverbot von Käufern der Kitcars führte.

Anders im Museum. Bei der Führung durch die heiligen Hallen konnte man wirklich spüren, was hier für eine Passion in der Luft liegt. Vom Hausmeister bis zum Motorenbauer. ALLE lieben und leben diesen Job. Man konnte den Rundgang Führer ALLES fragen, was man wollte, man bekam immer sofort eine Antwort. Fachliche sowie technische Kompetenz für diese Marke auf höchstem Niveau. Wir wurden in die Halle geführt, wo die komplette Wand mit mehreren 10.000 Unterschriften unterschrieben war. Hierzu wurde uns lächelnd erklärt, dass dies schon seit den 1960ern Tradition bei Carroll gewesen sei, jeden Besucher an der Wand unterschreiben zu lassen. Er wollte einfach irgendwann vor dieser Wand stehen und mit Stolz feststellen, wie viele Fans sich für sein Lebenswerk interessiert haben. Ich habe gleich an drei verschiedenen Stellen unterschrieben.

Carroll wurde im Prinzip mit der Cobra bekannt, hat aber bereits in den 60ern angefangen die Mustangs im optischen Racing Design der Cobras aussehen zu lassen. Motortuning, Fahrwerksoptimierung und die Rennstreifen machten aus einem kleinen Pony ein reinrassiges Rennpferd. Der erste GT350 lief als Serienfahrzeug bereits 1965 von den Bändern bei Shelby Motors. 1966 – 1969 genoss der Mustang einige Facelift Updates die teilweise schön, teilweise absolut daneben sind. Alle Exponate sind hier im Museum zu begutachten. Jede Modelreihe ist hier in perfektem Zustand für Fans und Enthusiasten zugänglich. In den späten 60ern dealte Carroll sogar mit einer großen Autovermietung und baute 936 Stück der heute sehr begehrten Variante GT350H, die größtenteils schwarz lackiert und mit goldenen Streifen versehen wurden. Der Autovermieter beendete allerdings recht schnell die Zusammenarbeit mit Shelby, da ausschließlich Hobby Racer die Fahrzeuge mieteten, um sie aufs äußerste zu beanspruchen, was die Unterhaltskosten dieser Fahrzeuge sehr schnell anstiegen lies. Shelby hatte zum Zeitpunkt der Kündigung des Deals noch nicht mal alle der bestellten knapp 1000 Fahrzeuge ausgeliefert. Der uns wohl bekannteste Mustang ist und bleibt ELEANOR. Der 67er GT500 Fastback aus der Kultfilm “Nur noch 60 Sekunden”. Heute hat sich Shelby American zur Aufgabe gemacht, die aktuellen Mustang Modelle zu High Performance Rennpferden umzubauen. Als erstes werden Fahrwerk und Antrieb ausgebaut. Auf Kundenwunsch kann man verschiedene Upgrade Varianten wählen. Die Basis- Umbauten gehen bei 24.000 Dollar los und haben fast kein Ende nach oben. Eine 2015er Supersnake mit 627 PS kann man beispielsweise für knapp 50.000$ zur ultimativen Giftschlange mit 850 PS heranzüchten lassen. Dieser Umbau beinhaltet natürlich etwas mehr, wie nur den Motorumbau. Sollten 850 PS auf der Hinterachse noch nicht genug sein, gibt es ein weiteres, sehr streng limitiertes Update für 150.000 $. Sie nennen es ehrfürchtig “Shelby 1000”. Hier radieren 1100 PS deine Hinterachse im Handumdrehen runter, was dem Käufer dieses Umbaukits aber bestimmt egal sein wird. Denn zu den ganzen Umbaukosten kommt ja jeweils der Kaufpreis des Autos dazu.
Wer es nicht ganz so tief, hart und rennoptimiert haben will, der kann auch einfach seinen Ford F-150 oder seinen Ford Raptor zu den Jungs von Shelby bringen. Hier gibt es vom gesamten Antrieb über Fahrwerk, Felgen und Reifen so ziemlich ähnliche Tuningupdates, wie für den Mustang beispielsweise.
Aus dem Raptor zaubern Sie dir für 45.000$ einen BAJA700 mit, wie der Name schon sagt, 700 PS. Der F-150 wird zum Shelby F-150 und kann gegen Gebühr von 100.000 $ ebenfalls zum 700 PS Offroad Monster umgebaut werden.

Wem das aber alles zu teuer ist, der gönnt sich eines der unzähligen Souvenirs im Shop. Ich bin leider an einer Cobra im Maßstab 1:24 und einer Kappe nicht vorbei gekommen.
Eine Ausstellung die mit der BWM Welt, dem Porsche- oder Mercedes Museum zu vergleichen ist, finden Autofans hier nicht vor. Hier geht es mehr ins Detail. Du kannst hier mit Leuten sprechen, die mit Carroll direkt in der Fertigung gearbeitet haben. Du hast hier Ingenieure, die maßgeblich dafür verantwortlich sind, dass die Shelbys heute das sind, was sie sind. Und hast ganz viele alte Angestellte, wo du genau weißt, dass sie Ihr Leben lang noch nichts anderes gemacht – und bis zu Ihrem Lebensende auch nichts anderes mehr machen werden – weil sie lieben, was sie tun, nämlich die Shelbys.

Für Racing Fans der vergangenen Jahre, sowie Freaks von völlig übermotorisierten Mustangs ist dieses Museum und die Werkstatt ein absolutes “must see”. Von der ersten, handgebauten Cobra, über alle darauf gefolgten Cobra Modelle, GT40 und Mustangs aller Baureihen und Jahren. All das auf nur einem Fleck.

Für mich, eines der schönsten und ergreifendsten Erlebnisse in Las Vegas, weil hier Motorsport und Automobilgeschichte geschrieben wurde und mir mit viel Liebe zum Detail erklärt und weiter gegeben wurde.

Ich bin ja, wie viele wissen, absoluter BMW Fanatiker, jedoch wurde ich in Las Vegas von der Schlange gebissen. Schauen wir mal, wo das hinführt!!!
Fazit zu meinen Trip in die USA. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zeigte mir bereits zum zweiten Mal, dass auch hier die Uhren etwas anders ticken. Bigger is better – nicht nur auf dem Strip das Motto dieses Landes. Egal ob Autos, Gebäude, Menschen, alles wird Supersized. Und genau das ist es, was den Reiz für mich an diesem Land ausmacht. Ich habe mich in die USA wirklich verliebt. Egal ob Detroit, Atlanta, Las Vegas oder Los Angeles. Die Leute sind überall so super freundlich, als ob es kein Morgen mehr geben würde. Klar, sie wollen alle unser Geld (Trinkgeld – Zitat eines Einheimischen) aber dennoch spürt man hier eine Freude in der Luft. Die Armut in diesem Land hat mich persönlich dennoch sehr getroffen. Das es hier keine Mittelschicht gibt, ist ganz klar zu erkennen. Wir haben noch nie so viel Geld an Obdachlose und hungrige Menschen in so kurzer Zeit abgegeben. Aber es fühlte sich in jedem Moment “Richtig” an. Ich werde dieses wunderbare Land auf jeden Fall mit meiner Familie wieder bereisen. Mal schauen was wir dann im Gepäck haben. Dieses Mal sind es auf jeden Fall tolle Erinnerungen, eine geile Tuningshow. Ein cooler Trip nach L.A und viele Souvenirs, an denen wir lange Freude haben werden.

Erlebnisbericht: Denis Phoenixx Marasciulo

Bilder: Denis Phoenixx Marasciulo