Hoch hinaus – Die ap Herbstausfahrt in die Berge

Es ist Ende Oktober, die Blätter fallen und der erste Schnee wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Zeit für ein letztes Aufbäumen ehe wir alle unsere Autos in den Winterschlaf schicken. Zusammen mit Asphalthelden organisieren wir eine Ausfahrt in die bayerische Bergwelt, die Isar entlang und vorbei an fünf wunderbaren Naturseen hoch hinauf über einen Pass auf etwa 1000 Höhenmeter.

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Auf unseren Aufruf haben sich in kürzester Zeit knapp 60 Interessenten gemeldet. Da wir die Ausfahrt für 15 bis maximal 30 Autos geplant hatten, wurde also schon die Auswahl eine heiße Sache.

Nachdem die Tage vor dem 25.10. der Wetterbericht fast täglich wechselte und alles zwischen Schnee, Regen und Sonne prophezeite, wurde es zum Ende hin nochmals richtig spannend. Noch am Tag zuvor entbrannte eine wilde Diskussion ob es überhaupt Sinn machen würde, das Auto noch vor dem Event zu waschen.

Tag der Ausfahrt, morgens um 7.40 Uhr
Wir sind 20 Minuten zu früh und rollen gerade auf den Parkplatz an unserem vereinbarten Treffpunkt und hier ist schon einiges los. Die meisten Teilnehmer sind bereits deutlich vor uns angekommen und harren der Dinge die da kommen mögen. Die Fahrer stammen aus den unterschiedlichsten Ecken Bayerns und ein Pärchen kam sogar extra für die Ausfahrt aus dem Saarland nach München gefahren. Das nennen wir mal Einsatz und Begeisterung.

ap Herbstausfahrt

Wir haben uns im Vorfeld Mühe gegeben eine möglichst bunte Mischung aus unterschiedlichsten Baujahren, Tuning- und Leistungsstufen sowie Automarken zusammen zu stellen. Dieses mal war es auch keine Voraussetzung, dass z.B. ein ap Produkt im jeweiligen Auto verbaut war. Die Organisation der Ausfahrt war einfach nur ein Dankeschön an die Szene nach einer weiteren wunderbaren Saison mit euch allen.

Erste Etappe: Neuried-Starnberg-Wolfratshausen
Jeder hatte bereits eine Woche vorher ein Roadbook von uns bekommen und so geht es dann auch exakt pünktlich um 8 Uhr los. Der erste Wegabschnitt führt uns noch relativ diszipliniert in Kolonne fahrend von Neuried durch das wunderschöne Mühlthal in Richtung Starnberg. Noch hängen einige Wolkenfetzen am Himmel aber es zeichnet sich bereits ab, dass sich die Sonne heute noch durch setzen wird. Die Stimmung steigt also und wir nehmen direkt in Starnberg die Autobahnauffahrt in Richtung Wolfratshausen wo wir eine zwanzigminütige Pause für einen Morgenkaffee einlegen.

Mit einem Cappuccino XXL in der Hand habe ich dann auch Zeit einen ersten genaueren Blick auf unsere 30 Autos zu werfen. Wie in München nicht anders zu erwarten ist die dominierende Marke BMW, gefolgt von Nissan, Honda, Audi und natürlich noch einigen anderen. Zu meiner Überraschung hatten sich auch drei Ford Mustang angemeldet, einer davon ein sehr gelungener Geiger Umbau. Um den Titel „ältestes Auto“ auf der Reise konkurrieren das Golf 1 Cabrio von Andreas und der Porsche 928 S4 von Fabian.

Der Porsche war jedoch Baujahr 1988 und damit ein Jahr älter als der Golf. Kaum habe ich also einen ersten Überblick, ist die Zeit auch schon wieder vorbei und ich biete an, gerne auch bei jeder Etappe in einem anderen Auto mitzufahren, um nicht nur mehr Zeit für Fotos zu haben, sondern auch um die Teilnehmer besser kennen zu lernen.

Zweite Etappe: Wolfratshausen, Benediktbeuern, Kochel am See
Als erstes kletterte ich in den Honda Civic FK2 von Manu und ihrem Freund, den beiden aus dem Saarland. Ich oute mich jetzt mal als Civic-nicht-Kenner, zumindest was die Baureihe FK2 angeht und so war ich nicht nur vom Innenraum und von den Platzverhältnissen sehr positiv überrascht. Ein kurzes aber sehr herzliches Gespräch später wechselte ich auf halbem Weg in Diana`s BMW E34 540i (ehemals 525 vor dem Umbau), der mit 286 freudigen Pferdchen laut Besitzerin über 300 km/h rennen soll. Da Diana`s rechter Fuß auch deutlich schwerer am Gas hängt als der von Manu im Civic fliegt die folgende Strecke geradezu an uns vorbei und ich glaube ihr unbesehen die Eckdaten von ihrem Wagen.

Dummerweise scheinen derweil nicht alle Fahrer einen ganz genauen Blick in das Roadbook geworfen zu haben und folgen stoisch meinem eigenen 350Z. Da ich aber gerade in Diana`s BMW Richtung Kochel sitze und der Fahrer meines Z`s noch weniger Ahnung von der Route hat als die meisten anderen kann das ja nicht gut gehen. So habe ich dann in Kochel wenigstens ausreichend Zeit die Nachzügler bereits auf der Anfahrtsstraße zu fotografieren, ehe wir uns wieder alle zusammen unten am Seeparkplatz treffen.

Die Wolken reißen immer mehr auf, aber glücklicherweise sind hier noch nicht sehr viele Touristen unterwegs, da diese wohl großteils dem Wetter noch weniger vertraut haben als wir. Das gibt uns die Möglichkeit uns in Ruhe vor traumhafter Kulisse aufzureihen und Gruppen- sowie Einzelfotos zu schießen. Ein paar Highlights gefällig?

Ein wirklich außerordentlich sauberer Honda CRX ED9, der mir schon auf der Autobahn hart auf den Fersen gewesen ist, ein Nissan Skyline R32 GTST, der ehemalige ap Carwahlsieger Adis mit seinem schwarzen und sehr fein modifizierten BMW E60 von 2003, ein bestens erhaltener Nissan 300ZX, zwei Audi RS3 und der aus der Szene hinlänglich bekannte und wirklich perfekt gemachte „Hulk“ BMW 550i E60, dessen Modifikationsliste so lange ist, dass ich alleine damit den Artikel füllen könnte.

Dritte Etappe: Kochel-Walchensee
Auf dem nächsten Teil der Strecke gibt es dieses mal nicht viele Möglichkeiten, falsch abzubiegen und ich lasse mir daher Zeit als ich in Fabians, bereits erwähnten Porsche 928 S4 steige. Ich denke mir, genau der richtige Wagen für eine kleine Pässefahrt, die Serpentinen des Kesselbergs hinauf. Ohne viel Stress, aber mit brachialem Sound und einem netten Männergespräch über Autos und Frauen erreichen wir schließlich das Örtchen Walchensee am gleichnamigen See, wo unser nächster Treffpunkt liegt.

Aus Mangel geeigneter Großparkplätze müssen wir uns dieses mal auf zwei Parkplätze aufteilen. Die sind aber bestenfalls 300 Meter voneinander entfernt, also alles kein Problem. Hier oben herrscht ohnehin Kaiserwetter und inzwischen ist auch beim Letzten beste Laune eingekehrt.

Enjoy the sunshine, das ist ja hier fast wie Herbstferien. Daniel öffnet seinen Kofferraum und liefert ein bisschen gute Laune Musik aus dem 1500 Watt Subwoofer seines 1er BMW`s. Bevor die Ersten dann aber die Badehose heraus holen ist aber auch schon wieder Schluss mit Erholung. Den meisten knurrt der Magen und wir brechen auf in Richtung Mittagessen.

Vierte Etappe: Walchensee-Mittenwald
Es folgt eine Ausfahrt mit Dame. Sowohl Ray als auch Daniel haben nämlich ihre Silvias mitgebracht, also das Auto, nicht die Frau. Daniel lädt mich ein und ich freue mich auf die erste „Rechtslenkerfahrt“ des Tages. Für mich umweht japanische Sportwagen aus den 90er Jahren immer so einen Hauch meiner Jugend und eine unglaublich ursprüngliche Art des Autofahrens. Ventile pfeifen, die Gänge klacken rein, während man mit den Hosenträgergurten in den Sitz gepresst wird, denn die gute Silvia hat ganz schön flotte Beine für ihr Alter. So erreichen wir in nicht allzu ferner Zukunft das Geigenbauerörtchen Mittenwald.

Touristenidylle pur erwartet uns und dennoch haben wir das Glück, dass wir am Bahnhof noch genügend freie Parkplätze finden. Wie bereits bei allen vorigen Stopps ziehen wir natürlich auch hier zügig die Blicke der Besucher auf uns. Unser zusammengewürfelter Haufen von 30 Autos, die man sonst nur selten oder in dieser Konfiguration auch so gut wie gar nicht sieht, zieht deutlich mehr Blicke als z.B. die Kolonne Zuffenhausener Edelsportler, die wohl mit der gleichen Idee hierher gekommen sind wie wir.

mittenwaldmenschen-komplett

Zum Mittagessen geht es anschließend in die Fußgängerzone und hinein zum nächsten Italiener, der für 40-50 Personen Platz anbieten kann. Aus den geplanten 75 Minuten Pause werden dann eher 100 Minuten, weil wie befürchtet, die Küche mit dem Ansturm doch ein wenig zu kämpfen hat. So wird es dann leider auch schon Zeit für einige, die noch einen weiteren Heimweg vor sich haben, sich zu verabschieden. Daher verpasse ich auch einen näheren Blick auf den Honda Civic Type R in Milano-red von Chris und auf den bereits erwähnten BMW von Adis.

Fünfte Etappe: Mittenwald-Klais-Garmisch-Riegsee
Für alle anderen geht es nun auf zur letzten gemeinsamen Station. Wo wir gerade bei dem Thema Honda waren nehme ich Armins Einladung an, in seinem durch Rotex Kompressorumbau auf 330 PS erstarkten Type R dieses Wegstück zu erleben. Armins Frau steigt derweil um, in den extrem aufgehübschten Seat Ibiza 6j SC FR mit flotten 150 PS von Jörg. Dieser ist nämlich Armins Onkel, also auch gleichzeitig Familienausflug heute! Wir wählen den Weg hinauf Richtung Kranzberg, vorbei am Schmalsee bis hinüber nach Klais von wo wir ein kleines Stückchen der Hauptstraße folgen, zumal es in Garmisch auch endlich zahlreiche Tankstellen für einige unserer durstigeren Teilnehmer gibt. Immer wieder unbezahlbar: Eine Kolonne getunter Autos auf dem Weg durch einen langen Tunnel. Eine Freude die sich nur Automenschen wie uns erschließt denke ich, aber jeden Cent wert. In der Folge meiden wir die Autobahn und folgen der Landstraße über Murnau bis hin zum Riegsee.

Und genau hier, zwischen Riegsee und Froschhausersee ist auch unser letzter Haltepunkt. Zeit noch einmal einen letzten Blick auf die Gruppe zu werfen und auf alle Autos, die ich noch nicht vorgestellt habe. Man möge mir verzeihen, wenn ich nicht jeden Wagen und alle detaillierten Modifikationen aufzähle, aber von Stefans BMW Coupe E36 bis hin zu echt selten gesehenen Autos wie z.B. Constantins Mitsubishi Galant mit Motorswap war wirklich alles sehenswert und die zahlreichen Bilder sagen hier ohnehin mehr als alle Worte.

Irgendwie hat heute einfach alles gepasst. Die Leute, die Autos, das Wetter, die Strecke. Alles gut und von daher kein Wunder, dass bereits vor dem Ende die ersten Anfragen nach Wiederholung laut werden.

Als sich dann langsam der Tag dem Ende neigt und alle im Schein der rot glühenden Nachmittagssonne verschwinden, wird es auch für uns Zeit. Mit sechs Autos rollen wir gemächlich in Richtung München und weil der Tag so schön war, entscheiden wir uns noch für eine spontane Verlängerung mit Kaffee und Abendessen in Starnberg. Jungs und Mädels – schön dass ihr dabei wart! Bis demnächst!

Text: Andreas Leffler

Bilder: STH Car Photography, YP Photography, Andreas Leffler