Mini Mania

oder warum ich nie mehr einen Mini wollte und trotzdem wieder einer in meiner Garage steht

Wir schreiben die 90er Jahre. Außer Tamagotchi, Techno und Plateau Schuhen war dies auch die Zeit in der unsere deutschen Autobauer alle gerne Weltkonzerne werden wollten. Das klappte bei Daimler und Chrysler schon nicht besonders und bei BMW und Rover offensichtlich auch nicht. Allerdings hat BMW den vielleicht schlauesten Schachzug der jüngeren Automobilhistorie gemacht, indem man sich zwar wieder von Rover trennte, das Anhängsel „Mini“ aber behalten hat. In nur 14 Jahren hat der bayerische Motorenbauer damit mehr oder weniger eine Lifestylemarke, die seines Gleichen sucht aus dem nichts heraus gezaubert. Davor muss man den Hut ziehen und auch meine Hassliebe zu Mini begann just zu jener Zeit.

Mini Story

Werbeopfer
Ich lebe von Werbung, denn ich mache Werbung für Schmuckdesigner, Pharmaunternehmen, die Fitnessindustrie und natürlich auch für die Autobranche. Als solch ein Insider fühle ich mich gewappnet gegen jegliche Dauerberieselung verschiedenster Produkte und Werbestrategien. Kenn ich schon, mache ich selber, langweilt mich! Doch manchmal bin auch ich machtlos. Kaum hat der erste Mini unter der BMW Regie das Licht der Welt entdeckt, wollte ich aus unerfindlichen Gründen unbedingt einen haben. Style und Design? Sportlichkeit und ästhetischer Schick? Englische Tradition trifft bayerisches Hightech? Oder doch nur die Werbung? Vermutlich alles zusammen. Es hat dann allerdings einige Jahre gedauert bis ich mir 2008 einen gebrauchten Mini in die Garage stellte und meine Odyssee begann.

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Die erste Minigeneration
Die intern mit den Kürzeln R50, R52 und R53 versehene, erste Generation gab es von 2001 bis 2006. Der Mini meiner Wahl war ein Mini One (R50) von 2003 mit etwa 50.000 km auf der Uhr. Für gute 8000 Euro stand er beim Vertragshändler in schickem blau, mit bicolor Ledersitzen in blau/beige, Schiebedach, Sitzheizung und 16 Zoll Alurädern. Das perfekte Zweitauto zum sparen, habe ich mir gedacht. Dann fahre ich nicht so viel auf meinen Großen und habe außerdem ein praktisches Stadtauto. Das Serienmäßig verbaute Kassettenradio wich einem modernen 1-Din CD-Radio mit USB und Bluetooth und frohgemut sauste ich beim Händler vom Hof. Das ganze Auto war für seine 90 PS durchaus sportlich ausgelegt und der von Chrysler in Brasilien gebaute Motor war zwar ein rauer Geselle aber ansonsten lieferte er Leistung wenn man sie brauchte. Der Mini hielt bereits damals was die Werbung versprach. Sportliches Fahrverhalten, Stil und Spaß. Es wäre alles so schön gewesen wenn das Glasdach nicht nach kurzer Zeit zu knistern und knacken angefangen hätte. Schließlich ging es irgendwann nicht mehr auf und zu wenn der Wagen in der heißen Sonne stand. Also musste man ihn im Schatten parken, um etwas später das Dach wieder betätigen zu können. Nach zwei Jahren und ca. 20.000 Kilometer kam dann der erste TÜV. Noch nie in meinem Leben habe ich ein Fahrzeug mit derart vielen Mängeln, die sich offensichtlich auch noch in der Kürze von zwei Jahren angesammelt hatten, vom Prüfer zurück bekommen. Mit mildem Lächeln riet er mir, ich möge doch bitte abermals vorstellig werden, wenn der Mini wieder straßentauglich sei. So viel zu meiner Idee des „Sparens“ durch den Zukauf eines Kleinwagens. Einen nicht näher zu bezeichnenden vierstelligen Betrag später hat sich die Werkstatt meines Vertrauens freudig die Hände gerieben und der TÜV Prüfer seinen Segen erteilt. Ich aber war kuriert vom Mini Virus und trennte mich schnellst möglich von meinem kleinen blauen Ex-Freund.

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Die zweite Generation
2006 erschien die zweite Minigeneration (intern ab R55) und die Presse jubelte ihr zu. An allen Ecken und Enden wurde ihr eine wesentlich verbesserte Qualität attestiert. Ich jedoch war in meiner Anti-Mini Phase und weigert mich Notiz von den Neuerungen zu nehmen. Weder die neuen, zusammen mit PSA entwickelten Benzinmotoren, die deutlich weniger Benzin verbrauchten noch die zahlreichen „Engine of the year“ Awards interessierten mich. Dabei schien plötzlich eine wahre Miniflut über uns herein zu brechen. Neben Cabrio und dem ganz normalen Mini gab es nicht nur den Clubman mit seinen drei Türen und der doppelflügligen Heckklappe (ich gebe es zu, ich fand den Clubman schon damals irgendwie cool), sondern bald auch den SUV Countryman, ein Coupe, ein Roadster und einen SUV Coupe (Paceman). Mir persönlich sind hier zwei Sachen aufgefallen: 1. Ich blicke irgendwie bei den ganzen spartenübergreifenden Designs nicht mehr durch (was bitte ist ein SUV Coupe und weshalb brauche ich einen Mini Roadster, wenn schon das Cabrio nicht gerade mit Stauraum glänzt?) 2. Der Mini ist gar nicht mehr so mini sondern wird immer mehr zum Wohlstands-maxi.

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Die dritte Generation
Das bringt mich dann auch zur 2014 vorgestellten dritten Generation die mit dem Kürzel F56 an den Start gegangen ist. Das Topmodell John Cooper Works glänzt inzwischen mit 231 Pferdchen, und einer Länge von knappen vier Metern, die allerdings vom Countryman schon längst geknackt wurde. Der Ur-Mini aus England ging irgendwann Ende der 50er Jahre mit 34 PS und 3,06 Metern Länge in den Kampf um die damals noch großzügig vorhanden Parkplätze. Doch dies ist graue Vergangenheit und auch von des Eskapaden mit schlecht sitzenden Schiebedächern und brummeligen Motoren hat sich Mini inzwischen natürlich längst verabschiedet. Der Mini ist ein Premiumprodukt mit seiner festen Fangemeinde und einem guten Ruf in allen Bevölkerungsschichten. Er steht vor dem Bauernhof um die Ecke ebenso wie in der Münchner Maximilianstraße vor den zahllosen Designerstores. Deswegen ist es auch müßig über seine Vor- und Nachteile, über schnöde Daten, Ausstattungsvarianten und Extras zu philosophieren. Jeder der eine Mini will kauft einen Mini, einfach weil Mini eine Herzentscheidung ist.

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Endlich Zuhause
Um auch diese Geschichte zu einem versöhnlichen Ende zu bringen, kommen wir zurück zu meiner ganz persönlichen Mini Geschichte. Im Frühjahr dieses Jahres war es dann so weit, meine Freundin brauchte ein neues Auto. Es sollte ein Kleinwagen sein, nicht zu teuer, nicht zu langsam, nicht zu viele Kilometer aber gerne sparsam. Die Eier legende Wollmilchsau sozusagen. Naja, wir schauten uns zahlreiche Kandidaten aus Deutschland, Japan, Italien und Frankreich an und fuhren die Meisten auch zur Probe. Eine Entscheidung fiel schwer. Italien war zu klein, Japan zu unscheinbar und am Ende hieß es Rüsselsheim oder Paris. Doch in letzter Sekunde tauchte da noch ein Mini auf. Ein Cooper aus der zweiten Generation mit etwa 25.000 Km auf der Uhr. Ich ahnte schlimmes und kaum saß sie auf dem Fahrersitz seufzte sie glücklich „endlich zuhause“.

Faszination Mini
Ich glaube dieser Satz beschreibt sehr gut, was viele Käufer und vor allem Käuferinnen beim Thema Mini empfinden. Meine Freundin ist mit „Mini-Werbung“ aufgewachsen und sie wollte schon als Dreizehnjährige einen Mini haben. Es scheint also so, als hätten die Marketingleute des Kleinen alles richtig gemacht. Unser Mini hatte die schlechteste Ausstattung im Vergleich zu den  anderen beiden Kandidaten, er hatte weder flippige Zweifarbsitze (Rüsselsheim) und schon gar kein Leder (Paris), sondern schnöden grauen Stoff, statt modische 17 Zöllern gab es 15 Zoll und neben Nebelscheinwerfern ist die Sitzheizung das einzig erwähnenswerte Extra, gar nicht zu reden von der unerwünschten Automatik und der Tatsache, dass der Mini auch noch der Teuerste im Vergleich war. Egal – endlich zuhause – und schwups war der Mini gekauft. Und das Faszinierendste daran ist, ich habe ihn ihr nicht ausgeredet! Hätte ich das überhaupt gekonnt? Vielleicht! Hätte ich es gewollt? Ich weiß es nicht. Das Problem ist, der Mini hat im Vergleich zur Konkurrenz nicht einmal ein Viertel der Verstellmöglichkeiten am Radio, der Sound ist trotzdem mindestens genau so gut. Die Sitze sehen nach nicht viel aus, aber selbst mit meinen fast zwei Metern sitze ich gut und lobe die gute Polsterung. Die Automatik ist vielleicht der größte Pferdefuss am Wagen aber trotzdem flitzt er geschmeidig durch die Stadt. Es gibt tatsächlich nichts was im Moment gegen den Wagen gesprochen hätte und kaum hatte sie ihn gekauft, bekam ich die Kaufwut und schenkte ihr noch einen ganzen Berg mehr oder weniger sinnvoller Mini-Accessoires. Ich konnte einfach nicht anders, es war einfach alles viel zu appetitlich aufbereitet.

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Das ap-Gewindefahrwerk beim Mini
Was mich nun letztendlich zum Thema „ap und Mini“ gebracht hat war ebenfalls der R56 meiner Freundin. Ein sportlicher Kleinwagen und ein Gewindefahrwerk sind ja sozusagen fast ein „match made in heaven“, wie man so schön sagt. Um also den Landstraßenhunger unseres Coopers noch zu steigern stand ein Fahrwerk schon nach wenigen Wochen „Mini-fahren“ auf der Wunschliste ganz oben. Tieferlegungsfedern gibt es für den Wagen ab 151 Euro und ein Gewindefahrwerk für ab 549 Euro und natürlich beides mit Teilegutachten. Überhaupt ist ap im Bereich Mini sehr gut aufgestellt und bietet zahlreiche Angebote für fast alle Minis die unter der BMW Regie entstanden sind. Meine persönliche Mini Geschichte geht also weiter und ich bin gespannt, wie oft sich der kleine bayerische Engländer noch in mein Leben schleicht.

Bericht: Andreas Leffler

Bilder: Andreas Leffler