Klein, aber Ahoy – die Tuningmesse der besonderen Art

100% Tuning

Wie in der Headline bereits erwähnt, präsentierte sich mir die 11te Ausgabe der “100% Tuning” in Rotterdam / NL wie von vielen Freunden im Vorfeld versprochen, sehr klein, aber “AHOY” So auch der Name des Messegeländes an Europas größtem Seehafen in Rotterdam. Nach einer durchzechten Nacht durch die Kneipen der Stadt und dem damit verbundenen Gedächtnisschwund vom Samstagabend, ging es am Sonntag früh direkt nach dem Frühstück auf die Messe. Ankunft an dem “schnuckeligen” Messegelände war um genau 9:00 Uhr. Also noch genau eine Stunde Zeit, sich einen Überblick zu verschaffen und ungestört Bilder zu schießen, denn offizieller Einlass für den letzten Messetag war um 10:00 Uhr. Nach Aussagen der Veranstalter tummelten sich über 42.000 Besucher durch die nur 5 kleinen Hallen, die aber selbst mich “erfahrenen Treffen- und Messebesucher” dermaßen zum Staunen gebracht haben, wie ich es leider nur selten erleben durfte.

Die beliebteste Publikumsmesse der Beneluxländer wirbt im Vorfeld online mit einem genialen Programm und vielen tollen Attraktionen. Die Mischung aus Showcars, Car Entertainment sowie Design- und Performance Trends setzen hier für mich neue Maßstäbe. Auch wenn es für die Veranstaltung bereits das 11te Mal ist. Besonders bin ich von der Art und Weise der Organisation begeistert. Hier kann man sich nicht bewerben oder um einen Platz in einer der Hallen betteln, sondern sogenannte “Car Hunters” sind das ganze Jahr in der internationalen Szene unterwegs und scouten sich die besten Fahrzeuge, die sie in die Finger bekommen. Kein Wunder, dass ich hier von der Qualität der ca. 150 handverlesenen Fahrzeuge so geflashed war. In den 5 Hallen steht nicht ein seriennahes Auto. Es sind alles reinrassige Showfahrzeuge, wo ich sogar ganz vorsichtig behaupten muss, dass ein Teil der deutschen Elite auf der Ahoy “nur” zum guten Mittelfeld gehören würde. Egal wohin das Auge reicht, Bling Bling, Chrome, Gold und polierter Edelstahl. Reinste Augenweiden begleiten dich durch die Messehallen, die im Prinzip flächentechnisch jeweils in zwei Minuten durchlaufen wären, dich jedoch nur wie einen Wahnsinnigen von links nach rechts und wieder zurück nach links huschen lassen, damit du ja wirklich alles zu sehen bekommst, was da strahlt und funkelt.

Mein dringliches Verlangen nach einer optischen Pause und auf der Suche nach gepflegten Bass- Schlägen, zog es mich in die Car Hifi Halle, dem sogenannten AUDIO DORF, wo auch mein Gastgeber ROCKFORD FOSGATE sehr mächtig aufgestellt war. Hier im RF Boot nur schnell eine Cola gezischt, ging es auch gleich auf die andere Seite der Halle, denn vom Boot aus konnte ich sehen, dass hier irgendwas passiert, irgendwas gebaut wird. Also nix wie hin.

Ein sogenanntes “AUDIO INSTALLER BATTLE” fand hier statt. Im Vorfeld werden Car Hi-Fi Firmen gesucht, die bereit sind, auf der Messe LIVE und vor Publikum unter Druck eine komplette Car Hi-Fi Installation durchzuführen. Und das Ganze nicht nur in Form von Lautsprecher tauschen, sondern komplette Kofferraumausbauten mit MDF, GFK und Sattlerarbeiten. Im Prinzip bekommen Gewinner eines im Vorfeld stattfindenden Gewinnspiels einen kompletten Showausbau ins Auto gezimmert. Pro Auto konnte ich immer so ca. 5-7 Installer beobachten, die wirklich Vollgas an ihren einzelnen Teilen am Schleifen, Spachteln und Beledern waren. So etwas habe ich in dieser Form noch nicht gesehen, denn es waren nicht nur zwei Teams, sondern irgendwie 4-6, wenn ich mich recht erinnere, die gleichzeitig an Ihren Projekten schwitzten und das Ganze dann auch noch vor Publikum zur Perfektion führten.

Nachdem ich vom gegenseitigen bekriegen der Car Hi-Fi Giganten die Schnauze gestrichen voll hatte, zog es mich in die “CORNER OF FAME” der angeblichen TOP Halle des Events. Hier standen aber nicht die Elite Fahrzeuge, denn die waren einfach auf dem gesamten Gelände verteilt. In der Fame Corner standen einfach nochmal etwas exklusivere Autos, andere Händler und weitere Shoppingmöglichkeiten für Tuningfreaks. Denn auch hier wurde nicht vergessen, an das Publikum zu denken. Vom NoName Auspuff OHNE jegliches Gutachten, bis hin zum ap GEWINDEFAHRWERK konnten man neben Mützen und T-Shirts auch unendlich an Pflegemitteln und Sticker für sein “bestes” Stück in der OUTLET ZONE erwerben.

100% Tuning

Im Prinzip kam hier wieder ein kleines bisschen TWB Ramsch durch, denn diese unendlichen Sticker und Basecap Dealer haben auf so einem High Level Event meiner Meinung nach nichts zu suchen. Jedoch konnten sich diese Kollegen sicher nicht über ihren Umsatz beschweren. Anders bei den Jungs von ap. Aktiv wird auf so einer “kleinen” Messe nichts verkauft, da es logistisch nicht möglich wäre, die Vielzahl an benötigter Ware mitzunehmen, jedoch kann man hier eine perfekte Beratung genießen, ein Erfrischungsgetränk zu sich nehmen, sein Wunschfahrwerk bestellen, oder eine Runde im begehrten RaceRoom drehen.

Ich habe mir den Spaß erlaubt, eines der beschissensten und sinnlosesten Erfahrungen meines Lebens zu machen. Ich habe mich für fünf Euro in den WRC Simulator zweier Holländer reingesetzt. Eine Runde auf dem Beifahrersitz eines Rallyefahrzeuges durch die französischen Wälder geballert und froh gewesen, als ich wieder raus konnte. Also so ein Müll, noch nie erlebt.

Auf der weiteren Durchreise durch die Halle entdeckte ich auch hier wieder ein weiteres Battle, den sogenannten Carwrap Contest. Hier waren wie schon im Car Hi-Fi Battle wieder mehrere Teams, die wohl jeweils ein eigenes Projekt hatten und dies auf der Messe umsetzten mussten. Mit Sicherheit auch wieder Privat- Fahrzeuge eines Gewinnspiels. Da ich ja selbst schon das ein oder andere Mal mit Folie zu tun hatte, schaut man da dann doch etwas genauer hin.

Und plötzlich war ich etwas verwirrt. Es wurde irgendwo in der unmittelbaren Nähe etwas lauter. Publikum drehte völlig am Rad und es stank immer mehr nach verbranntem Gummi. Zeit für mich, auf direktem Wege in die Action Area der Messe zu gelangen. Das die Holländer den Driftsport lieben, wie der deutsche den Fußballsport, wissen wir ja, deshalb ist ja auch jeder in seiner Sportart erfolgreicher. Was aber die Holländer hier aufgefahren haben, war mal wieder Over the Top. E30 V8 und E36 M3 3.2 L gehören hier ja schon zum “guten” Ton. Jedoch faszinierte mich ein E36 mit einem V8 aus einer Corvette, das Ding ging ab. Von Kopflastig durch V8 kann hier nicht die Rede sein. Zentimeter trennten die hintere Stoßstange von den Betonabsperrungen, die mir zumindest vor der Show ein Gefühl von Sicherheit vermittelten. Als jedoch die Drift Brothers Mark und Rick ihre BMW´s haarscharf an genau diesen vorbei manövrierten, wurde mir in der ersten Reihe schon etwas anders. So anders, dass ich es verschlafen habe, ein Foto zu machen.

Nachdem ich mir diese Driftshow bereits zwei Mal angeschaut habe und nach einem “irgendwie” komisch schmeckenden Burger nur noch einen Programmpunkt auf meiner Liste offen hatte, schlenderte ich auch in Richtung diesem. Dr. Dre und Snoop Dog Beats führten mich letztlich zum Etappenziel dieses Messeerlebnisses. Quer durch eine Armada an US Custom Cars die teilweise so groß waren, dass man von einer eigenen Postleitzahl pro Fahrzeug ausgehen konnte, führte mich mein Weg zur Lowrider Show. Ein Holländer sagte mir, scheiß drauf, brauchst dir nicht anschauen. Ist langweilig. Ich kenne nur unsere Deutschen Shows und muss sagen, ich mag Holland!!!

Hunderte Zuschauer auf Tribünen und 5 Lowrider Cars, die gleichzeitig mit Publikum besetzt auf einer bestimmten Fläche die Hydraulik zum Kochen bringen. Alle feiern, alle kreischen, alle haben Spaß. So stelle ich mir ein Messeevent und gut durchdachtes Programm vor.

Fazit für mich: jeweils 600km Fahrweg pro Richtung und zwei Tage später kann ich sagen, dass ich mir so eine Qualität an Fahrzeugen gerne öfter auf deutschen Events wünschen würde. Die Fahrzeit steht zwar nicht im Verhältnis mit der Zeit, die man realistisch benötigt, um ALLES zu sehen, weil es wirklich sehr klein ist, jedoch konnte ich die Messe mit interessanten Händlergesprächen und Kontaktknüpfungen nutzen, sodass ich den Messetag perfekt ausfüllen konnte. Was das Programm und die Anordnung der Fahrzeuge angeht, werde ich mir sicherlich Gedanken zum Eigennutzen machen und lobe hier den Ideenreichtum der Veranstalter. Die Holländer sind ALLE gut drauf und haben zu jeder Zeit Spaß, was sich auf dem gesamten Event widerspiegelt.

Ich werde 2016 wieder vor Ort sein und schauen, das Ganze etwas intensiver unter die Lupe zu nehmen.

Besonderen Dank möchte ich gerne noch John und Mark von ROCKFORD FOSGATE / Audio Design aussprechen, die uns eingeladen und einen perfekten Trip mit Hotel und Party organisiert haben. Des Weiteren nochmals DANKE an das Team von ap Sportfahrwerke für das leckere Abendessen, die netten Stunden gemeinsam mit eurem Team beim Mexikaner und den halben Messetag auf eurem Stand. Ich freue mich immer mehr, ein Teil dieses Ganzen zu ein!

Stay tuned und auf dem Sender bleiben, denn in knapp zwei Wochen geht es nach Las Vegas zur S.E.M.A Motorshow. Dem persönlichen Highlight meiner Tuningkarriere als Szene Reporter.

Bilder: Denis Phoenixx Marasciulo

Bericht: Denis Phoenixx Marasciulo