Santa Pod – Wo sich nicht nur der Burnout links herum dreht!

Erlebnisbericht eines unvergesslichen Wochenendes – Vorsicht, langer Text.

Dieser Trip begann bereits vor mehr als sechs Monaten, als ein sogenannter Therry ein Bild in einer BMW Gruppe von meinem Auto kommentierte. „I wolud be verry happy to see your car in England at the BMW Show“, so seine Worte in Schriftform. Ich kommentierte neugierig und schon waren wir am Schreiben. BMW Show UK, klingt ja im ersten Moment spannend, jedoch heißt ja inzwischen jedes zweite Treffen in Deutschland Show, Event oder wird als Highlight des Jahres verkauft. Somit war die Erwartungshaltung nicht ganz so groß, man hat ja schließlich schon so einiges gesehen. Nichts desto trotz nahm ich mir die Zeit und stöberte im Netz nach Infos zu diesem Event. Eines der größten BMW Treffen auf der Insel, mega Showprogramm, coole Kisten und ein brauchbares Video waren auf der Website zu finden. Ich schlief eine Nacht drüber und kam zu dem Entschluss, dass ich gerne einmal diese 1000 km one Way Tour auf mich nehmen würde, um mich selbst davon zu überzeugen. Im worstcase hast du halt ein paar Euro in den Sand gesetzt und bist zumindest schlauer.

Spamer, wie ich bin, hab ich meine Entscheidung logischerweise gleich im Facebook veröffentlicht. Wenige Minuten später kamen schon erste Anfragen ob man denn mitfahren könne. Soweit hab ich mir ja noch gar keine Gedanken gemacht. Also wieder ab an den Rechner, Hotelpreise gecheckt, Route überlegt und natürlich geschaut, wie man am besten auf die Insel kommt. Alles soweit geklärt, Infos eingeholt und die Anfragen im Facebook fleißig beantwortet. Es haben sich dann schlussendlich doch ca. zehn Fahrzeuge gemeldet, die gerne mitfahren wollten, jedoch dann teilweise kurzfristig noch absagen mussten.
In der Zwischenzeit habe ich mich mit Therry schon ganz gut angefreundet, sodass er nun Tätigkeiten eines Agents vor Ort zu erledigen hatte. Wir haben im Prinzip alles perfekt geplant. Abholung am Hafen, Transfer ins Hotel, Fahrt zum Treffen, alles war save. Jetzt musste nur noch der Tag X kommen – und er kam. Am Freitagmorgen (25.09.2015) klingelte der Wecker wiedermal gegen 5:00 Uhr. Aufstehen, Kiefer- Felgen polieren und ab, ins am Vorabend gepackte Auto, dem Safetycar natürlich!

Treffpunkt mit dem Großteil des „Team Germanys“ war um 06:30 Uhr in Bruchsal am Burger King. Von dort aus ging es dann erst einmal mit drei weiteren Autos im Schlepptau Richtung Saarbrücken. Wir haben uns gezielt für eine Mautfreie, jedoch nichtdeutsche Route entschieden, da wir auch dem Stauproblem entgegenwirken wollten. Höhe Saarbrücken angekommen, stießen dann die „Bayern“ vom BMW Team Tauber dazu. Nun waren wir vollzählig. Mit 6 Fahrzeugen ging es dann auf die Piste Richtung Calais. Zeitfenster war super. Wir hatten genug Puffer um die Fähre rechtzeitig erreichen zu können, denn ein Transfer im Eurotunnel war leider auf Grund meiner verbauten LPG Gasanlagen aus Sicherheitsgründen verboten. Wenige Kilometer, nachdem wir die Deutsch / Luxemburgische Grenze passiert hatten, STAU! Eigentlich auch kein Stau, sondern Stillstand. Also machten wir es uns erstmal auf dem Seitenstreifen gemütlich und genossen das fabelhafte Wetter.

Stau

Santa Pod – UK

Als sich der Stau auflöste, steuerten wir auf unserer Durchreise erst einmal eine Tankstelle an, an welcher wir dann für unter 1,20 Euro / Liter die Bedürfnisse unserer „Driving Machines“ mit feinstem Super Plus befriedigten. Noch einen Snack eingenommen, und weiter ging es.
Nachdem wir auch Belgien als Checkpoint auf unserer Route passiert hatten, kamen wir endlich, viel zu früh, am Hafen von Calais an. Die Schiffe sind verdammt groß und wenn man davor steht, noch viel größer. Den netten Damen am Check Inn, freundlichst am Erklären, dass wir wohl etwas zu früh sind, boten diese uns im selben Atemzug gleich an, 2 Fähren früher zu nehmen. Ching, und wieder Zeit gespart. Also eingecheckt, in die Reihe für „tiefergelegtes Kulturgut“ gestellt und auf das offizielle Boarding gewartet.

Nachdem wir erfolgreich und OHNE Beschädigungen im Bauch des Dampfers parken konnten, setzten wir uns erstmal ins Bordrestaurant zu einer männlichen Portion „Fish & Chips“. Wir wollen uns ja schließlich anpassen. Nur mit den gefühlten 20 verschiedenen Münzen an Kleingeld werden wir wohl nie zurechtkommen.

Zeitverschiebung – auch dieses Thema macht mir heute noch zu schaffen. Laut Plan dauert die Übersetzung nach Dover eine Stunde, aber laut meiner Uhr sind es zwei Stunden. In Dover angekommen, also erst einmal die Uhren umgestellt. Jetzt begann der erste, unangenehme Teil der Veranstaltung – Das Verlassen des Schiffs. Die Mitarbeiter in Gelb symbolisierten relativ deutlich, dass wir genau JETZT rausfahren sollen. Die Infos, dass wir „tiefer“ sind als alle anderen, die Rampe in einem echt beschissenen Winkel zum Hafen stand, und wir schräg, sowie langsam da raus müssen, hat den Kollegen genauso wenig Interessiert, wie die abgerissene Frontlippe eines unserer Fahrzeuge beim Versuch, das Schiff zu verlassen. Ich habe angehalten und die Reste der Lippe auf der Rampe eingesammelt. Auch hier wurde ich angepöbelt, sodass ich mich leider Gottes dazu entscheiden musste, den königlichen Boden Englands mit einem ordentlichen Burnout zu betreten.

Als wir dann alle mehr oder weniger „unbeschadet“ aus dem Dampfer gekommen waren, wurden wir sofort mit dem nächsten Problem konfrontiert – Linksverkehr. Keiner von uns ist jemals zuvor auf der „falschen“ Seite gefahren. Wir stellten uns also an die nächst bestgelegene Möglichkeit und warteten auf Therry, der aber leider im Stau stand. Als uns dann noch die britische Polizei des Hafengeländes verwies, mussten wir es tun.

Santa Pod - UK

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Wir wagten uns alleine auf die Straßen Englands und lokalisierten eine Tankstelle als optimalen Treffpunkt mit unserem einheimischen Freund. Dort angekommen, warteten wir dann einige Zeit, bis es zum großen Showdown kam. Meet & Greet mit meinem V-Mann. Wir machen uns auch gleich auf den Weg ins 2 Stunden entfernte Stevenage, wo unser Hotel sowie der englische BMW Club von Therry und James auf uns warteten. Die Fahrt war auf der „anderen“ Seite wirklich ungewohnt und Verkehrsregeln konnte ich auch nicht entdecken. Wer zuerst den Scheitelpunkt des vierspurigen Kreisverkehrs erreicht hat, könnte Vorfahrt haben. So hab ich das interpretiert. Das sollte noch lange nicht das Einzige sein, was anders und ungewohnt war.
Total müde und erschöpft von der Fahrt teilte uns Therry bei Ankunft am Hotel dann mit, dass es heute Abend noch einen kleinen „Welcome Gemany Meet“ geben wird. Wir hatten also ca. 30 Minuten Zeit um einzuchecken und uns kurz frisch zu machen, dann ging es auch schon wieder weiter. Der Großteil der Mädels legte sich schlafen, die Herren hingegen wagten sich in die Höhle der Löwen, denn wir wussten ja nicht, was uns erwartet. Werden wir „Deutsche“ angenommen? Wie finden sie unsere Autos? Was sind das für Typen und was haben die für Kisten? All das ging mir auf der Fahrt zum Treffpunkt durch den Kopf.
Am Mc Donalds angekommen war ich gleich sehr positiv überrascht. Es waren mehr Fahrzeuge da, als ich erwartet habe und die Gastfreundschaft erlebte einen neuen Höhepunkt. Alle waren sehr freundlich und nett und man merkte ihnen an, dass auch sie etwas gespannt und aufgeregt waren. Sie kamen eigentlich gleich auf einen zu, haben sich uns vorgestellt und gleich angefangen uns ihre Autos zu zeigen. Es bildeten sich schnell mehrere Grüppchen um die insgesamt ca. 20 Fahrzeuge auf dem Parkplatz. Jeder zeigte dem anderen was er hat. Was hier schon aufgefallen ist, Show & Shine ist nicht deren große Leidenschaft. Fly-off Handbremsen, Schalensitze und KEIN Interieur, dass ist das, was hier zählt. Wenn dann dein Motor noch zwangsbeatmet wird, dann bist du der King of the Road. Sie waren zwar alle von unseren Showkisten begeistert, jedoch wollten sie uns gleich zeigen, wie so Meets auf den englischen Straßen ablaufen. Also Motor angeschmissen, in der Vollschale bequem gemacht, die Hosenträgergurte festgeschnallt und aus der Parklücke gerollt. Sofort hörte ich ein komplett gesperrtes Differential, welches dafür Sorge trägt, dass sich nun beide Räder in der Kurve mit derselben Drehzahl bewegen, um die Hinterachse bei Laune zu halten. Dieses reißende Geräusch des Gummis auf dem Asphalt hört sich bei langsamem Kurvenfahren echt Scheiße an. Als der Driver jedoch das Pedal auf das Bodenblech kickte, wusste ich, was es werden sollte. Eine private Driftshow auf dem Parkplatz von Mc Donalds. Und das ganze um 23:00 Uhr Nachts. Wir staunten nicht schlecht, denn was man bei uns abends auf dem Parkplatz beobachten kann, sind irgendwelche halbstarken Burnouts und unkontrollierte, gefährliche Drifts. Jedoch sah das hier ganz danach aus, als würde der Fahrer wissen was er tut und es vor allem schon lange tun.
Nach einigen Runden um die Bäume dann der Albtraum für uns. Die Cops rollten aufs Gelände. Die Stimmung kippte schnell, jedoch nur bei uns deutschen, denn die Cops stellten sich einfach am Mc Drive Schalter an. Die hat es nicht einmal interessiert, dass wir da waren. Entweder ist es ihnen wirklich egal, was auf dem Parkplatz passiert, oder sie haben längst die Kontrolle verloren.  Wenn man sich die Autos mit Mischbereifungen auf den Achsen, abgeflexten Abgasanlagen, Liberty Walk Style Eigenbau Kits und abgeklebten Scheinwerfern sowie Stürze an der Vorderachse, jenseits von Gut und Böse, mal genauer anschaut, weiß man, was Nachts auf deren Straßen passiert und wer diese regiert!
Nach zwei Stunden in der nächtlichen Kälte von Stevenage, inmitten des Königreichs, haben wir uns dann freundlichst von unseren neugewonnenen Freunden verabschiedet und sind ins Hotel gefahren. Mit all den ersten Eindrücken bin ich voller Erwartungen auf das eigentliche Event in meinem luxuriösen Boxspringbett eingeschlafen.

Santa Pod - UK

Santa Pod – UK

Am nächsten Morgen, direkt nach dem Frühstück ging es los – denn der Pod ruft. Jedoch nicht der Ruhrpott, sondern Santa Pod. Eine der bekanntesten Drag Race Strecken der Welt. Die Organisatoren rund um die „BMW Show UK“ luden zum bereits 15ten Mal auf die legendäre Strecke mit den im Vorfeld genannten Programmpunkten zum wohl geilsten Event der Insel, wenn es um die Schätze aus Bayern geht. Ein Teil der Gruppe fuhr vormittags nach London auf eine Sightseeing Tour. Meine Frau ging noch kurz shoppen und wir putzten die Karren vor der Abfahrt. Therry teilte mir mit, dass wir während der Fahrt etwas die Landschaft bestaunen können. Nichts ahnend ihm hinterher. Als auf der „Autobahn“ ein Schild kam, Santa Pod gerade aus, wir aber links abgebogen sind, wurde ich etwas stutzig. Wo will er denn hin? Vorletztes Etappenziel war eine schön kurvige, schnell zu fahrende Straße durch die Wälder des Inselstaates. Therry gab Gas. Dicht gefolgt von mir. Im Rausch der Geschwindigkeit vergaß ich völlig mein eigentliches Übergewicht an Gepäck im Fahrzeug, und flog im Flashback an meine „///M Driving Tour“ durch die englischen Wälder. Jetzt wusste ich, was er damit meinte, als er sagte, dass wir uns die Landschaft anschauen können. Als wir an eine Kreuzung kamen, wo wir endlich das langersehnte Schild „Santa Pod Raceway“ wahrnehmen konnten, sammelte sich die Kolonne hinter mir wieder und es ging geschlossen aufs Eventgelände. Die Spannung stieg bis ins unermessliche. Was würde uns erwarten?

Santa Pod - UK

Santa Pod – UK

Nach der Ticketkontrolle am Eingang ging es direkt auf den Campingplatz am Gelände, der von der eigentlichen Show nur zwei Gehminuten entfernt war. Jedoch war allen nach Aufbau unseres kleinen Zeltlagers klar. Wir machen Heute und Hier unsere eigene Party, denn das Event war ja eigentlich auch nur ein kleines Tagestreffen, welches nur sonntags stattfand. Erstmal das Gelände erkunden und den noch recht leeren Platz für ein paar spontane Fotoshootings nutzen. Wer weiß, wie es hier morgen aussieht!

Aktuell waren wir sieben Fahrzeuge vom Club am Gelände (6 Deutsche und Therry´s BMW), am eigentlichen Eventtag sollten aber noch ca. 30 Fahrzeuge vom „Herts BMW Owners Club“ folgen. Nachdem das Gelände in Augenschein genommen wurde, sind meine Frau und ich mit Therry und Michael noch schnell in den Supermarkt, Abendessen und Getränke kaufen. BBQ musste hier einfach sein. Bei luftigen Temperaturen ging es im Cabrio in die nächste Stadt zum Supermarkt. Dort ordentlich eingekauft waren wir auch schon wieder am Zeltplatz und begannen mit dem Grillen und trinken, denn es sollte eine kalte Nacht werden. Das wichtigste jedoch war, das es nicht regnen sollte.

Wir begannen uns, wie ca. 200 andere Camper, sinnlos zu betrinken. Als wir einen gewissen Pegel Sprit im Kopf hatten, ging es auf Achse. Direkt zwischen Zeltplatz und Eventgelände war ein kleiner Freizeitpark aufgebaut. Autoscooter, Torwandschiessen, Kuscheltiere gewinnen und vieles mehr. Genau die richtige Location für uns, um den Abend ins Rollen zu bringen. Wir haben unsere „british pounds“ bei fast jeder Attraktion liegen lassen und sind letztlich in der „Fuelers Bar“, der hauseigenen Kneipe der Rennstrecke, mit unseren Freunden abgestürzt. Als wir hier von überteuerten, oder zu gering dosierten Getränken genug hatten, forderten wir uns gegenseitig zum 1/4 Meile „Rennen“ heraus .Aber nicht mit den Autos, sondern zu Fuß. An der echten Quarter Mile würde ich wohl heute noch rennen, deshalb entschieden wir uns im Interesse der Allgemeinheit für ein Sprintrennen hinter der Bar. Jeder durfte mal ran. Ich versagte gegen Michael bereits am Start, ein weiterer flog auf die Schnauze und die anderen amüsierten sich köstlich. Im Prinzip waren Alle Spielchen immer „Deutschland gegen England“ auch das Torwandschiessen. Wer dieses allerdings für sich entscheiden konnte, weiß ich nicht mehr.

Zurück am Zelt, begann die Private Party. Die ersten gingen schlafen, der harte Kern trank weiter und die letzten krochen gegen 3:00 Uhr in ihre Schlafsäcke.
Es war die kälteste Nacht, die ich jemals in einem Zelt verbracht habe, jedoch haben es alle überlebt.
Am nächsten Morgen, standesgemäß von Motorensound geweckt, ging es direkt unter unserem Szene -Pavillon zum Breakfast. Michael und Therry hatten einfach alles vorbereitet. Nach einer Ladung Weißbrot mit Bacon und Ketchup ging es dann auch endlich los. Die ersten der mehreren tausend Besucherfahrzeuge stürmten das Gelände. Die Clubs bezogen Stellung in der dafür vorgesehenen Area und der DJ begann am frühen Morgen, mit abwechslungsreicher Musik, das Gelände zu beschallen. Wir packten die wichtigsten Dinge zusammen, und reihten uns mit unseren Autos in die Besucherschlange ein.

Mein Platz war an diesem Tag der Show & Shine Bereich. Ich wollte es wissen. Tausende Fahrzeuge waren angekündigt. Jedoch wurden nur fünf Pokale vergeben. Wenn ich die Jury hier von meinem Auto überzeugen konnte, wäre das ein königlicher Abschluss der Saison für mich. Ich habe das Safetycar platziert, nochmal drüber gereinigt und mich mal unters Volk gemischt. Die Party kann beginnen. Und was ich hier sah und erleben durfte, sucht in Deutschland seines Gleichen. Streetlegals und Funnycars hatten ihren besonderen Bereich, denn diese fuhren dieses Wochenende auch ab und zu mal die 1/4 Meile. Die Schlange zum Drag Race war hunderte Meter lang.

Ein ///M hinter dem anderen. Ein V8 Umbau folgte dem nächsten und wem das noch nicht genug war, zwangsbeatmete sein bestes Stück einfach noch mit einem Lader oder Kompressor. Die Clubarea, die am Vortag noch als große Freifläche für Shootings genutzt wurde, war bis unters Dach voll mit Fahrzeugen. Egal ob ein E39 Club mit 50 Autos, ein E30 Club mit über 60 Fahrzeugen oder ein ganzer Block, voll mit Z3ern.

Es war für jeden das richtige Modell dabei. Und vor allem, von allem mehr als genug! Ich habe im Leben noch nie so viele ///M Fahrzeuge auf einem Haufen gesehen, wie in Santa Pod an diesem Wochenende. Egal wo du hingeschaut hast, du warst geflashed von allem. Die Anzahl der Autos, die größen der Clubs, die Organisation unter den Modellreihen, selbst die Fressbuden, alles auf höchsten Niveau. Am meisten faszinierte mich das Rahmenprogramm. Es war einfach mehr als unmöglich sich zu langweilen. Jeder von uns kennt aus Facebook diese Drift- Trikes, mit welchen verrückte Jugendliche die Straßen runter driften. Hier gab es die Dinger mit einem 50ccm Motor und einer eigens hierfür angelegten Strecke. Also nix wie hin, 10 Pfund für fünf Minuten. Sau Teuer, aber so geil, dass wir später nochmal gefahren sind.

Wenn du Lust hattest, mal in einem Drifttaxi über die Strecke zu fliegen, hattest du hier die Chance. Wenn du der Meinung warst, es besser zu können, konntest du mit deinem Auto selbst zum Driften vorfahren. Laut Erzählungen „verenden“ hier jedes Jahr viele Fahrzeuge, beim Versuch, gekonnt gedriftet zu werden. Ein Stunt Bike Team zeigte den ganzen Tag, was in ihnen und ihren Bikes steckte. Was mich ebenso gereizt hat, der Handling Kurs. Zwei Fahrzeuge, Mano o Mano und eine doppelt aufgebaute, identische Strecke. Die Ampel schaltet grün und du kannst zeigen, was in dir und deiner Kiste steckt. Nach gefühlten 350 Metern war das Ziel erreicht. Eine handvoll Kurven und Drifts entscheiden über Sieg oder Niederlage. Hier gab es dann auch Preise für die Bestzeiten.
In regelmäßigen Abständen startete das „Santa Pod Jet Funny Car“ einen Ritt über die Quarter Mile. Das Jet Car wird von einer Helikopter Turbine angetrieben, die pro Lauf umgerechnet 100 Liter Sprit verballert. Diese enorme Power von 10.000 PS katapultiert das aktuell schnellste Jet Car der Welt in unter 5,7 Sekunden auf über 330 km/h und das auf nur 402 Metern wohlgemerkt. Wenn man da so gefühlte 30 Meter entfernt auf der Tribüne sitzt, dann ballert das schon ganz schön, wenn das Ding „vorbei fliegt“.

Nach der Jet Show ging es dann unmittelbar vor die Tribüne. Die Händlermeile machte mich von oben schon neugierig. Unter anderem wurden hier Ersatzteile aus geschlachteten Fahrzeugen zum Spottpreis angeboten. Egal ob exotische Chromleisten von Oldies oder M3 Schweller. Alles gab es hier gebraucht zu kaufen. Ein Nachbarstand spezialisierte sich auf den Bau von GFK Schürzen und Verbreiterungen ala Liberty Walk. Am liebsten hätte ich von allem etwas mitgenommen. Fahrzeugtuning, Folien und Dips, sowie Performance Parts konnten hier bestaunt oder erworben werden.

Nebenan dröhnte ein weiterer ///M auf dem Dyno. Ich glaube fest daran, dass hier „fast“ keiner mehr seine werksseitig vorgesehene Leistung hat, sondern diese „immer“ optimiert wurde! Wie ich auf diese Annahme komme? In fast jedem Motorraum lächelte mich mindestens ein verändertes Ansaugsystem an. Zurück im Show & Shine Bereich schaute ich mir mal meine Konkurrenz an. Nicht zu verachten, was die wenigen, die nicht NUR auf Performance gehen, hier auf den Platz gestellt haben. Wie überall gab es auch hier Airbrush, Air & Static, Folie und die anderen üblichen Verdächtigen Trends, jedoch in anderem Ausmaße wie bei uns. Und hier gehörte es irgendwie auch dazu. Ein Camper Car hat irgendwie in Deutschland nix zu suchen. Hier ist es normal!
Direkt neben dem Show & Shine Bereich befand sich auch die Bühne, auf welcher diverse Rapper, Tänzer und Co versuchten, das Publikum bei Laune zu halten. Aber dies war das erste Treffen meines Lebens, wo es keinen Menschen interessierte, was auf der Bühne abgeht, weil es „überall“ anders einfach viel mehr zu sehen gab. Das war auch der Grund, warum ich mitten am Tage die Pokalvergabe für die Top 5 verpasst habe, weil ich gar nicht die Möglichkeit hatte, dies mitzubekommen. Im Anschluss wurde mir der Pokal dann direkt an meinem Fahrzeug übergeben, als ich mich zur Abwechslung mal am Auto aufhielt um ein paar nette Benzingespräche mit Einheimischen zu führen, die völlig fasziniert waren, dass wir mit sechs Autos diese Strecke für dieses Event auf uns genommen haben. In der Clubarea standen nicht nur die ganzen Markenclubs, sondern auch der „Herts BMW Owners Club“ von Therry & Co, der uns zu sich eingeladen hat und uns demnach auch Standfläche zur Verfügung stellte. An diesem Wochenende waren wir Teil dieses Clubs!

Tausende Menschen tummelten sich über das eigentlich gar nicht soo große Eventgelände neben der Rennstrecke. Das Geile und Einzigartige war jedoch einfach nur, dass wirklich jeder Zentimeter maximal und sinnvoll ausgenutzt wurde. Das machte das Event alleine schon fürs Auge zu einer regelrechten Attraktion für jeden Tuningfan. Auch merkt man, dass hier nur Profis am Werk sind. Die gesamte Korrespondenz im Voraus, die ich mit den Verantwortlichen der Strecke via Email hatte, war stets professionell und schnell. Die Qualität der Fahrzeuge war auf einen ganz andere Niveau als in Deutschland. Hier zählt Leistung und Performance. Wenn es dann noch cool aussieht, ist es ok, aber nicht die Priorität. Richtige Frittentheken auf der Heckklappe, einen nahezu 90 Grad Lenkwinkel und Leistung satt, dass ist das, was hier zählt. Aber ich konnte auch einige Klassiker und andere seltsame Projekte begutachten. Im Prinzip war wirklich für jeden etwas dabei. Da wir in der Regel den ganzen Tag in 2er- 4er Gruppen unterwegs waren, haben wir uns ab und an mal zufällig getroffen und gegenseitig vom geilen Event geschwärmt. Es war wirklich bis dato der Wahnsinn. Das Event und die Besucher lösten sich langsam gegen 17:00 Uhr auf. Jetzt hatten wir nochmal Luft, uns ein paar exotische Fahrzeuge anzuschauen, die noch nicht das Weite gesucht haben oder noch eine Runde Drift Trike zu ballern.

Als wir auf dem Weg vom Eventgelände zum Zeltplatz gefahren sind, entdeckte ich den Sonnenuntergang über der Quarter Mile. Spontan angehalten, gefragt ob wir für Fotos auf die Strecke dürfen um noch das Big Picture einzufangen, ging es im Anschluss dann auf den Zeltplatz zum Abbau. Hier sind wir dann aus dem gegenseitigen erzählen und staunen nicht mehr herausgekommen. Das Einzige was uns bewegt hat zu gehen, war der Hunger und die Müdigkeit. Wir haben uns vor Abfahrt ins Hotel darauf geeinigt, dass wir gemeinsam zu Abend essen und unsere beiden Freunde Therry und Michael bei Pizza Hut einladen wollen. Was diese beiden Jungs alles geleistet haben, um uns bei Laune zu halten, werden wir ihnen nie vergessen. Zu jeder Zeit war alles da, was benötigt wurde. Zu jeder Zeit gab es die perfekte Lösung bei Problemen. Selbst eine kaputte Lichtmaschine konnte mit nur einem Anruf ersetzt werden. (Wurde dann aber glücklicherweise doch nicht gebraucht).

Im Anschluss an die extrem geile und notwendige Cheesy Crust verabschiedeten wir uns von den Jungs und verzogen uns eine letzte Nacht in unser wirklich geiles Hotel zum notwendigen Schlafen vor der Heimfahrt. Am nächsten Morgen ging es dann direkt nach dem Frühstück um 7:00 Uhr los. Abfahrt nach Hause stand auf dem Tacho. 1000 km in 14 Stunden sollten es werden. Bis Luxemburg sind wir gemeinsam gefahren, dann haben sich unsere Wege getrennt. Meiner ging relativ direkt zum nächsten Parkplatz, eine halbe Stunde schlafen. Danach Vollgas nach Hause, dachte ich mir, als ich dann auf den letzten Metern noch 3 Stunden im Stau stand. Endlich zu Hause angekommen fiel ich halbtot ins Bett und freut mich auf den Folgetag, wenn der Wecker wieder zum Alltagsappell klingelte.

Santa Pod - UK

Santa Pod – UK

Fazit:
Nicht nur das Lenkrad ist auf der falschen Seite.
Auch was ich hier an Menschen und Fahrzeugen sehen durfte, ist jenseits von dem, was man in Deutschland zu sehen bekommt. Kein „ Meiner ist länger als deiner“ Gerede. Alle ziehen an einem Strang und freuen sich über jeden, der was anderes tolles gebaut hat.
Ich bin jetzt über acht Jahre in der Szene aktiv, habe viel gesehen und selbst viel veranstaltet. Was mir aber hier geboten wurde, sucht seines Gleichen. Für mich ein absoluter Pflichtevent in 2016. Ich habe die Reise als Test auf mich genommen und würde sofort nächstes Wochenende wieder hinfahren, wenn die BMW Show in die nächste Runde gehen würde. Soviel Programm, soviel zu bestaunen und diese absolute Freundlichkeit wo auch immer man sich aufhält. Absolut der Wahnsinn.

Das „Team Germany“, bestehend aus „NWA“ – Dom, unserem Führungsteam Vanessa und Carboni, die Hexe Maren und „the mechanic“ Peter, Strunzo, Oli und Zabrina sowie meine Frau und ich, bedanken uns bei dem gesamten „Herts BMW Owners Club“ und ganz besonders bei Therry, Michael und James für die Organisation und die Aufnahme in deren Club.

Wenn jemand Interesse haben sollte, diesen Trip nächstes Jahr zu begleiten, der darf sich gerne direkt bei mir melden. Kosten belaufen sich auf ca. 350 Euro ( Hotel, Fähre und Eintritt )zzgl. Sprit und Verpflegung.
Datum: 19.06.2016

Bilder: Denis Phoenixx Marasciulo

Erlebnisbericht: Denis Phoenixx Marasciulo