“Halbfinale: Deutschland : Frankreich” – Custom Rider Tuningshow 2015

Die Crew um Thierry Panter lud dieses Jahr zur 6. Custom Rider Tuningshow ins schöne Kaltenhouse in Frankreich. Das Team für das Länderspiel stand fest. Die üblichen Verdächtigen, die man eigentlich dieses Jahr, trotz der schlechten Wetterprognosen, immer auf den Treffen sieht. Für mich begann dieses Event auch schon vor einem dreiviertel Jahr, als mich der Veranstalter fragte, ob ich Ihnen den Eventflyer gestalten könne. Klar hab ich das gemacht, man hilft sich ja schließlich wo man kann (zumindest da, wo ich herkomme). Mit dieser Hilfs- Aktion war aber für mich klar, egal was kommt, ich fahre nach Frankreich.

Durch die nette Entfernung von nur ca. 80 km klingelte der Wecker nicht ganz so früh, wie bei den vergangenen Treffen – dieses Mal also alles etwas entspannter.
Morgens raus, Kamera eingepackt und Schwung in die Kiste. Bei relativ guten Wetterverhältnissen ging es auf die Piste. Kaum die “Landesgrenze” überfahren, begann es zu regnen. Meine Laune versank im Sitz.
Als ich gefühlt viel zu früh am Eventgelände angekommen bin, erwartete mich noch nicht mal ein Eingangspersonal, geschweige denn irgendwelche Kassengirls. Ich bin also frech aufs Gelände eingefahren. Ca. 25 Fahrzeuge standen bereits kreuz und quer auf dem nassen Gelände. Die Stimmung war wie in einem Westernfilm, nur eben mit Regen. Dann erblickte ich den überdachten Bereich, wo sich auch die Essensstände und Sitzmöglichkeit für die Besucher boten. Dort saß eine kleine, aber feine Gruppe, total zerstörter Tuner und futterten Croissant und tranken Kaffee und Tee. Also Auto willenlos quer dazu gestellt und ab unters Vordach. Dort lachten mich völlig müde Gesichter an.

Die Jungs und Mädels die hier ihre Aufwachphase genossen, waren die Nacht über geblieben, denn am Vorabend gab es schon ein kleines Vortreffen mit Pokalen für “King of the Night” und dergleichen. Bling Bling und Neonröhren, wohin das Auge reicht. Im Anschluss zu diesem kleinen Treffen gab es dann eine noch kleinere Aftershow Party, wo sich dann letztlich der harte Kern die Lampen komplett ausgeschossen hat. Ich wäre grundsätzlich auch dabei gewesen, jedoch war ich auf einem “polnischen” Geburtstag eingeladen. Wo der Alkohol sicherlich genauso floss.

Ich mischte mich also unters Volk und nutze die Chance, mich “französisch” verwöhnen zu lassen. Ein Schokocroissant und ein Becher Kaffee zum Frühstück. Das Wetter war schlecht. Wenn man aber in die Gesichter, der vom Vorabend übriggeblieben Besucher schaute, bekam man irgendwie gute Stimmung. Der Platz begann sich gegen 9:00 Uhr langsam zu füllen. Der Veranstalter kommunizierte Tage vorm Event, dass wegen des Platzmangels auf dem Gelände eine Selektion am Eingang vollzogen wird. Man würde also nicht mit einem Serienauto auf den Platz kommen. Mindestvorgabe waren Fahrwerk, Felgen und ein bisschen mehr. Geschruppte Bastelbuden wurden ebenso am Eingang abgewiesen. Dies hat im Vorfeld leider zu etwas Shitstorm geführt, gewährleistet aber auf dem Event eine relativ gute Qualität an Fahrzeugen.

Frankreich ist da vielleicht etwas anders wie wir in Deutschland, was die Priorität des Tuning angeht. Oder eigentlich nicht die Priorität, sondern viel mehr die Art des Tunings. Ich freue mich jedes Mal wenn ich nach Frankreich auf ein Tuningtreffen fahren kann, denn was der ” Deutsche” hier zu sehen bekommt, sieht er zu Hause eben nicht. Allerdings muss ich sagen, dass der Tuning Flash vor 2 Jahren viel krasser war, als eben noch die ganzen Buden aufs Gelände fahren durften, denn da sah man Kisten, die mit Bauschaum aufwendig verbreitert wurden, 3 Spurplatten aneinander geschweißt und dann die unförmigen Radläufe einfach mit der Stichsäge wieder in Form gebracht. Und noch vieles krankes mehr. Das ganze wurde dieses Jahr aber wie gesagt maximal unterbunden. Das Gelände war in mehrere Bereiche aufgeteilt. Einen Hauptbereich vor dem Show Truck, einem kleinen Motorrad Trial Parcours, an dem der französische Trial Champion Mathieu Feidt mehrfach am Tag alles zum besten gab und den Bereich unterm Dach, wo man mit Essen, Getränken und Sitzmöglichkeiten versorgt wurde. Zur Unterhaltung spielte hier eine Jugend-Coverband Namens NEVERMIND bekannte Lieder aus den Charts und sorgte mit Ihrer Darbietung für etwas Abwechslung zum französischen Dauer- Geblubber des Moderators.

Das Tuning Highlight der Veranstaltung war sicherlich der vorselektierte VIP Bereich des Events. Hier konnte man sich im Vorfeld für einen Platz bewerben. Der Platz war begrenzt, somit war die Qualität der dort befindlichen Fahrzeuge auf einem sehr hohen Niveau. Allerdings muss man hier auch ganz klar sagen. Es waren nur deutsche Fahrzeuge im VIP Bereich.

Ich hatte gegen 11:00 Uhr das Gefühl, dass auch dieses Treffen ins Wasser fällt, weil einfach noch viel zu viel Platz auf dem eigentlich kleinen Gelänge frei war. Doch die Wolkendecke brach auf und wie bestellt kamen dann wirklich noch sehr schöne Fahrzeuge auf den Platz gefahren. Die wirklich größte Show aus meiner Sicht, haben sich zwei Tuner aus Rumänien geteilt. Sie kamen beide mit ihren übergeilen Dacia Logans angereist. Geile Felgen, schönes Interieur und dann mehrere Tanks im Kofferaum, was ermöglichte, das Auto nicht klassisch via Luft abzulassen, sondern eben auch wirklich tanzen zu lassen. Das ging schon in Richtung Lowrider. Und sie hüpften den ganzen Tag und ALLE haben es gefeiert. Neben den geilen Kisten waren auch die Typen supercool und für jeden Spaß zu haben. Selbst ein TV Kamerateam filmte die Show der beiden, die mit Ihrer 1900 km weiten Anreise im übrigen auch noch den Pokal für die weiteste Anreise bekommen haben.

Als weitere Showacts konnte man vor der Bühne kleinen Kids beim tanzen zuschauen und sich über eine Country Dance Truppe amüsieren, dessen beste Jahre wohl auch schon der Vergangenheit angehören. Aber lustig war es trotzdem. Nachdem ich mir die Show von Mathieu zweimal angeschaut habe, musste ich feststellen, es gibt krankere Hobbys wie Tuning und das ständige Anfahren von Treffen. Man könnte ja schließlich auch jeden Sonntag im heimischen Garten versuchen, über einen Stapel Paletten mit dem Moped zu springen. Coole Show, aber nix für mich! Highlight war das riskante Überspringen mit dem Bike über einen Besucher, der sichtlich nicht die große Lust hatte, sich da hinzulegen. Aber ein Blickfang war es trotzdem. Als zur Mittagszeit die Sonne dann am höchsten stand, tummelten sich mehrere hundert Besucher, wenn nicht sogar knappe eintausend auf dem Gelände. Die Tuner polierten ihre Schätzchen und chillten sich im Anschluss mit ihren Klappstühlen in die Sonne. Die allgemeine Stimmung stieg an und jeder hatte wieder ein grinsen im Gesicht. Die Jury lief durch die Reihen und verschaffte sich ein Bild über den inzwischen wirklich vollen Platz.

Als es nach einem verbrannten Flammkuchen und einer Dose Orangina dann endlich hieß “Pokalvergabe” packte auch ich mir meinen Stuhl und positionierte mich in Pole Position direkt vor der Bühne. Eine Pokalvergabe in Frankreich ist immer spektakulär, denn du verstehst halt gar nix. Aber netterweise haben die Jungs auf der Bühne dieses Mal einen Übersetzer dabei gehabt, der die Startnummern auf deutsch verlesen hat. Diese Entscheidung ist wohl auf die sehr hohe Anzahl der deutschen Fahrzeuge zurück zu führen. Das ist einzig und alleine die perfekte Vorarbeit von Thierry Panter, der das ganze Jahr wie ein wahnsinniger durch die Republik fährt und jedes namhafte Treffen besucht um seine Flyer zu verteilen und Fahrzeuge zu scouten. Die Pokalvergabe verlief anfangs eher schleppend, da die meisten Fahrzeuge irgendwie eingeparkt waren. Als dann die ersten anrückten, lief es auch recht flott. Viele bekannte Gesichter der deutschen Szene machten ihre Platzierung unter den TOP 30, TOP 10 Prestige oder dem Zuschauer Voting. Selbst ich durfte erfolgreich 3 Pokale in Empfang nehmen. TOP 3 Interieur, einen VIP Pokal und einen DANKE Pokal für meine geleistete Vorarbeit mit dem Flyer und co.

Alles in allem war es wieder mal ein perfektes Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich und emotional gesehen auch ein Zeichen von internationaler Freundschaft zwischen Tunern, was in der aktuellen Zeit sicherlich ein toller und wichtiger Faktor ist. Ich persönlich freue mich schon auf die nächste CUSTOM RIDER TUNINGSHOW und bin mir sicher, dass unsere Freundschaft ins Nachbarland noch lange anhalten wird.

11705085_1055611414451800_9118444654273589176_nDas Endspiel, das sozusagen große Tuning Finale findet im übrigen am kommenden Sonntag 20.09.2015 in Karlsruhe am Real in Durlach statt, wenn es wieder heisst: HIFONICS SEASON FINAL 2015 der TUNINGSZENE KARLSRUHE
be there and stay tuned!

Bericht: Denis Phoenixx Marasciuolo

Bilder: Denis Phoenixx Marasciuolo