Zürich ADAC 24 Stunden Rennen

> 05. Juni 2018

86.400 Sekunden voller Spannung.
1.440 Minuten Adrenalin Pur.
24 Stunden nervenzerreißender Motorsport.

In der beschaulichen Eifel steht einmal im Jahr die Welt Kopf. Am langen Vatertags-Wochenende strömen knapp 200.000 Besucher zur grünen Hölle. Doch warum eigentlich? Was bietet dieser Ort? Was ist anders als bei anderen Renn- und Motorsportveranstaltungen? Diesen Fragen sind wir in unserem Bericht über das Zürich ADAC 24 Stunden Rennen nachgegangen.

Am Sonntag eine Woche vor Rennbeginn strömen die ersten Fans an den Ring und dies noch bevor die Motorsport Teams mit ihren großen Trucks anreisen. Stellt sich die Frage, ob sich die Fans schon jetzt die besten Tribünenplätze sichern wollen? NEIN. Die Fans bauen ihre riesigen Zeltlager auf. Es wird versucht am Brünnchen, Adenauer Forst, Hatzenbach oder einer anderen einmaligen Location das Zeltlager mit der besten Aussicht auf die Strecke zu bauen. Es wird tonnenweise Baumaterial, Möbel und Verpflegung an den Ring gebracht – einfach nur alles Erdenkliche. Wir haben eine kleine Honda Fan-Gemeinde am Adenauer Forst besucht. Dieser kleine Freundeskreis hat einen kleinen gemütlichen „Biergarten“ im Wald aufgebaut. Hier gibt es schöne Sitzplätze mit Rennstreckenausblick und einen Getränkeausschank. Die Hütte wurde extra nur fürs 24 Stunden Rennen gebaut und mit einer stimmungsvollen Beleuchtung, Kühlschrank, einem Grillplatz und ganz wichtig mit Motorsport Dekoration ausgestattet. Diese ist keine Ausnahme. Auch zahlreiche andere Fans scheuen sich nicht ihr „Wohnzimmer“ mitzunehmen. Die Zeltlager der Fans sind alle Unikate mit persönlichem Rennsport Charme. Es gibt nichts, dass es nicht gibt. Von einem Luxus Camping Wagen über Zeltstätten mit eigener Feldküche bis hin zu Holzbauten mit Pool und eigenem Kinderspielplatz. Eins haben jedoch alle – es ist mindestens eine Fahne oder ein Banner der Lieblings-Auto-Marke oder des Lieblings-Rennteam auf dem Platz zu sehen. Bei so viel Begeisterung zum Rennsport scheint es jedoch als wäre es egal welches Auto gerade das Rennen führt oder wer gerade eine Panne hat. Bei jedem Unfall halten alle die Luft an und freuen sich wenn die Fahrer heil aus dem Auto aussteigen. Markenhass und Feindseligkeiten untereinander haben wir nicht erlebt oder gesehen. Hier wird das Hobby über Gemeinsamkeit gelebt.

Am Hatzenbach hat die Firma Lackas auch in diesem Jahr wieder ein schönes „Fandorf“ errichtet. Hier durften Lexus und Toyota Fans der Rennsport Sucht gemeinsam nachgehen. Aber Lexus bedeutet eben Luxus. In einem Glaskasten wurde ein Toyota GT86 Cup präsentiert und um dieses Fahrzeug herum wurde neben sehr schönen Lexus RCF, ISF, GSF und einem LFA, das erste Lexus LC500 Meeting abgehalten. Für die Fahrer sowie auch Besucher gab es ein grandioses Partyzelt, eine Open Air Strandpromenade mit Liegestühlen und ein Pool. Ein schönes Highlight während des 24 Stunden Rennens.

Ab Mittwoch startet dann das offizielle Rahmenprogramm des 24 Stunden Rennens. Am Nachmittag gab es wie die Jahre zuvor den Adenauer Racing Day. Hier wird der kleine Ort Adenau vollkommen vom Rennsport übernommen. Die Straßen sind voll mit Fans, welche die Fahrer und deren Fahrzeuge persönlich sehen und kennenlernen wollen.
Dies ist auch möglich, denn der Racing Day ist rund um den Adenauer Marktplatz so gestaltet, dass große und kleine Besucher die Fahrzeuge, die Rennteams und die Fahrer des 24 Stunden Rennens besuchen können. Mit den Autos kann man Fotos machen und mit den Fahrern kann man einen Smalltalk halten oder sich ein heiß begehrtes Autogramm holen. Der Racing Day ist Motorsport zum Anfassen für alle Fans.

Donnerstag startet dann die offizielle 24 Stunden Veranstaltung am Ring. Pünktlich um 15:30 Uhr starten die Motoren der FIA WTCR Fahrzeuge zum Qualifying. Diese World Touring Car Cup Fahrzeuge sind aus Großserienproduktionen die in getunter Form zu Rennsportzwecken eingesetzt werden – zum Beispiel werden hier Stufenheck Limousinen mit 4 Türen oder 2 Türige Coupés eingesetzt. Marken wie Honda, Seat, Hyundai, Volkswagen, Audi, Cupra und Peugeot sind hier ins Rennen gegangen. Die Seriennahen Fahrzeuge haben sich auf der Strecke einen spannenden Kampf geliefert bei dem es leider auch zu Unfällen und Enttäuschungen kam. Von kaputten Frontschürzen bis hin zu gebrochenen Felgen und Fahrern die den Tränen nah waren konnten die Fans alles erleben. Der eindeutige Gewinner ist im WTCR Rennen am Nürburgring die Marke Hyundai gewesen. Wir gratulieren herzlich zum Sieg Yvan Muller der mit seinen Team Kollegen von Hyundai die ersten 3 Plätze bestieg. In der Gesamtwertung überholte Hyundai so auch die Asiatischen Kollegen der Marke Honda und verwies VW auf den 4 Platz in der Gesamtwertung.

Die erste Qualifikation für das 24 Stunden Rennen startete am Donnerstagabend um 20:30 Uhr mit dem Nacht-Qualifying. Auf trockener Strecke und mit guten Sichtverhältnissen tasteten sich die Fahrer in die grüne Hölle vor. Ein Fahrer war im Bereich Adenauer Forst nicht vorsichtig genug und verursachte einen atemberaubenden Crash. Er hob an der Kante ab und wurde dank dem neuen Zaun auf der Strecke gehalten. Das Fahrzeug war leider nach dem Crash nicht mehr Renntauglich aber das wichtigste ist dem Fahrer geht es gut!

Freitags steht der FAN im Vordergrund. Über den Tag verteilt kann man nicht nur das historische Fahrerlager besuchen sondern auch das Renn Fahrerlager. In der FAN Arena ist für Unterhaltung gesorgt. Dort kann man an verschiedenen Show Wettkämpfen teilnehmen oder die Red Bull Motorrad Stunt Show genießen. Im Laufe des Freitags kommen auch Autogrammjäger auf ihren Geschmack. Es gibt immer wieder offizielle Autogrammstunden aber wer es nicht abwarten kann, kann sich bei den Werkstattzelten der Rennteams auf die Lauer legen. Die Teams sind sehr freundlich und offen den FANS gegenüber. Am Zelt von Subaru haben wir einen ganzen Fanclub mit Fahne getroffen. Die Truppe wurde vom Subaru Team mit offenen Armen empfangen und konnten in Ruhe alle Fragen stellen und bekamen viele Fotos sowie Autogramme.

In der Boxengasse gibt es immer etwas zu sehen. Sei es ein Mechaniker der Tief in einem Motorraum steckt oder prüft ob alle Ersatzteile/Reserveteile vollständig sind und an Ihrem Platz liegen. Rennwägen sind nicht versteckt hinter verschlossenen Toren, sondern sind für alle Fans zugänglich. Näher kommt man an die Teams und die Fahrzeuge wirklich nicht ran. Man kann in Ruhe zuschauen wie die Motoren geprüft werden, Bremsen getauscht werden oder im Innenraum noch die letzten Feinheiten eingestellt werden. Wer aufmerksam Zuhört kann den Teams auch bei der Lagebesprechung und bei der Rennplanung zuhören.

Am Freitag findet auch weiterhin das FIAWTCR Qualifying statt und das Top 30 Qualifying fürs 24 Stunden Rennen. Wir haben es uns dabei auf der Mercedes Tribüne gemütlich gemacht. Von dort aus hat man einen Super Blick auf den Start & Ziel Bereich und die Yokohama S Kurve. Das Wetter war hervorragend und der Blick klar. Die Stimmung war bombig und das Qualifying spannend.

Ein Highlight des Freitags war definitiv die Falken Drift Show an der Mühlbachschleife. Diese schöne schleife eignet sich perfekt zum driften und zum Drift-Twinbattle. Es waren nicht nur Falkenfahrzeuge vor Ort sondern auch die Drifter von Driftbrothers. Bei einem perfekten Sonnenuntergang lieferten sich die Fahrer ein spannendes Rennen und eine grandiose Show. Die Luft roch nach verbranntem Gummi und es klangen die V8 und RB Motoren durch die Menge. Nach dem Event ließen es sich die Fahrer natürlich nicht nehmen und zeigten Ihre Fahrzeuge der jubelten Menge am DSK Party Zelt. Hier konnte man Motorsport wieder Hautnah und zum Anfassen erleben, obwohl man am besten nicht an die heißen Motoren und Auspuffanlagen fassen sollte.

Ab Samstagmittag steigt die Vorfreude, es ist überall ein Knistern zu spüren, dass alle elektrifiziert. Eine schöne Tradition des 24 Stunden Rennens ist der Fahrzeugkorso kurz vor dem Start. Hierbei dürfen vorab angemeldete Autos, verschiedener Marken, in einer Kolonne über die Nordschleife fahren. Die Grand Prix Strecke wird jedoch ausgelassen, da sich die Rennteilnehmer dort zur Startaufstellung vorbereiten. Den Korso mitfahren zu können ist ein unvergessliches Gefühl. Die Fans jubeln den Fahrzeugen zu und schwenken ihre Fahnen.

Ab 15 Uhr beginnt dann die Einführungsrunde. Die Einführungsrunde ist wichtig für die Rennfahrer und Teams. Hier wird der Funkverkehr nochmals getestet und die Motoren, Bremsen und Reifen warm gefahren. Um 15:30 Uhr gibt es für alle Gruppen den sogenannten fliegenden Start. Für jede Gruppe beginnt der Start nicht um 15:30 Uhr sondern erst dann wenn die Gruppe über die Start Linie fährt, erst dann beginnen die 24 Stunden.

Der Start ist eine Kunst an Raffinesse. Die Fahrzeuge sind eng aneinander gedrängt und versuchen mit dem Gegner auf einer Höhe zu bleiben, um im richtigen Moment zum Überholen ansetzten zu können oder um ganz geschickt die Aerodynamik des Vorfahrzeuges für sich selbst nutzen zu können.
Im Yokohama S kommt es zum ersten Kampfkontakt. Dadurch, dass das Feld noch so eng ist muss man aufpassen, dass man bei der Kurvenfahrt und der Beschleunigung nicht einen der Gegner abschießt oder im schlimmsten Fall selbst abgedrängt wird. Das ist wirklich Millimeterarbeit da wird auf Kontakt gearbeitet.

Die Wettervorschau für das Rennen war nicht gut. Während des Starts war das Wetter noch trocken und sonnig. Das wollten die Teams für sich nutzen. Daher war das Motto des Rennens solang das Wetter es zulässt so viel Zeit wie möglich gut machen. Dies merkte man auch schon in den ersten Runden des Rennens. In der 23 Minute kam es zum ersten Kontakt. Der Black Falcon Mercedes AMG GT3 schubste den Porsche vor sich von der Strecke in die Abgrenzung. Die Menge hielt für einen kurzen Moment den Atem an. Das sollte für das Rennen nicht der Letzte atemraubende Moment bleiben. Die Fahrer fuhren als wären sie bis an die Zähne bewaffnet auf Kontakt. Ihre Stärksten Waffen waren der Fuß auf dem Gas, als wären es die Finger auf dem Abzug einer Pistole und die Frontsplitter, als wären es scharfe Klingen eines Schwertes. Man sah immer wieder sich drehende Autos, als würden Tänzer Pirouetten drehen. Nicht nur die GT3 Serie war betroffen von den riskanten Fahrmanövern, sondern auch die anderen Klassen. Ein Opel Astra versuchte sich an einem Power-Kurven-Slide. Dieser endete aber in der Mauer und sorge für das Rennende für diesen Opel. Aber das rechte Hintere Rad wollte weiterhin am Rennen teilnehmen. Es rollte sehr energisch ohne sein Fahrzeug weiter über die Strecke. Beim weiterrollen schoss das Rad beinahe ein GT3 Fahrzeug ab. Dieses entschlossene Rad rollte vermutlich weiter als jedes andere Rad jemals zu vor.

Ein GT3 Porsche versuchte sich an einem Tänzchen mit einem BMW E36. Nach mehreren Drehungen konnte der Porsche sein Auto wieder fangen und weiterfahren. Der BMW blieb nach den Drehungen auf der Strecke liegen und sorgte beinahe für einen Massen Crash. Später versuchte ein blauer Porsche, den Highspeed Drift der Falken Drifter auf der Strecke nachzumachen. Er fuhr einige Zeit lang schwänzelnd im Drift über die Strecke. Aber ohne Crash und Kollision. Der spektakulärste Moment war der Crash eines Audi R8 LMS GT3. Bei Top Speed Überholen eines Porsche Cayman schlitzte sich der Audi an den Canards des Porsches einen Reifen auf. Nach dem Kontakt geriet der Audi ins Trudeln und drehte sich und schlug in die Mauer ein. Man kann von Glück reden, dass bei diesem Unfall, bei über 200 km/h, der Fahrer unverletzt selbstständig das Auto verlassen hat. Die Funken sprühten hell, das Carbon flog meterweit und die Fans standen für einen kurzen Moment unter Schock. Der Fahrer Dries Vanthoor hat das Fahrzeug trotz dieser Ausnahmesituation noch gut unter Kontrolle gehalten und konnte durch sein Handeln schwerer Folgen verhindern. Hier zeigte die grüne Hölle ihre gefährliche Seite und das nur Fahrer mit Erfahrung, Talent und einem ruhigen Händchen auf die Strecke gehören. Das richtige Reagieren von Vanthoor und die sicherheitsrelevanten qualitativ hochwertigen Fahrzeugbauteile, wie Käfig, Rennsportsitz, 6 Punkt Gurte, usw. retteten hierbei wahrscheinlich nicht nur ein Leben.

Als die Nacht hereinbrach wurde es auf der Strecke nicht ruhiger, jeder wollte die letzten trockenen Minuten für sich nutzen. Einer der Mantey Porsche geriet ins Schleudern nachdem er über eine kleine Pfütze aus Öl fuhr. Nachdem er sich mehrmals drehte schlug er in der Mauer ein. Für diesen Porsche war der Crash das Renn-Aus.

Als Nachts der Regen kam wurde das Rennen noch spannender und bissiger. Das Regenwetter und der Nürburgring sind definitiv keine Freunde aber alte Bekannte. Die Rennteams und die Fahrer waren dieses Jahr aber besser darauf vorbereitet. Der Regen war keine Überraschung und man nutzte die nassen Straßenverhältnisse zu seinem Vorteil und sie zeigten ein extrem spannendes Rennen. Das Eifelwetter meinte es aber nicht gut mit dem 24 Stunden Rennen.

Am Sonntagvormittag kam zu dem Regen noch ein ziemlich hartnäckiger Nebel hinzu. Dieser Nebel sorgte für extrem schlechte Sicht- und Streckenverhältnisse. Um die Mittagszeit wurde der Nebel so dicht, dass der Helikopter nicht mehr fliegen durfte. Deshalb und aus Sicherheitsgründen wurde das Rennen auf unbestimmte Zeit unterbrochen. Es ist ein riesen Spektakel wenn zur gleichen Zeit über 100 Fahrzeuge in die Boxengasse fahren. Es herrscht ein Gedränge und Gewusel wie im Sommerschlussverkauf. Jeder will in die Box, denn während der Unterbrechung durfte man die Fahrzeuge reparieren und optimieren. Nach über zwei Stunden ging das Rennen vorsichtig weiter. Nach einer Aufwärmrunde die für viele Diskussionen sorgte kam es zum fliegenden Start, aber diesmal nicht in mehreren Gruppen sondern in einer großen gemeinsamen Gruppe. Über eine Stunde zeigten die Rennfahrer noch einmal, dass sie für sich und ihr Team den Sieg in Ihrer Gruppe holen wollen bzw. das Rennen beenden wollen. Kurz vor dem Ende kam es noch zu einem sehr knappen Führungswechsel in der Gesamtwertung. Der führende Black Falcon Mercedes wurde vom Manthey Porsche durch die Start und Ziel gerade gejagt. Am Yokohama S schaffte es der Porsche in der Rechts Kurve durch seine Äußere Position den Mercedes in einem guten Winkel beim Einfahren in die Links Kurve zu treffen. Durch den Treffer verlor der Mercedes für einen kurzen Moment die Kontrolle und der Manthey Porsche konnte an Ihm vorbei ziehen und die Führung übernehmen. Später bekam der Mercedes noch Technische Probleme und verlor somit nicht nur den Zweiten Platz sondern rutschte noch weiter nach hinten. Der Manthey Porsche behielt seinen ersten Platz und fuhr als Sieger in die Jubelnde Boxengasse ein.

Unser Fazit des 24 Stunden Rennens ist, dass dieses Event Sucht-Charakter hat. Wer einmal dort war will immer wieder hin. Die Stimmung ist unbeschreiblich, die Fans sind der Wahnsinn, die Leistungen der Rennsportteams sind außergewöhnlich und das ganze Event ist einfach nur Hammer.
Wenn die grüne Hölle nächstes Jahr wieder Ruft sind wir wieder dabei.

Text & Bilder: Import Society