Neuer Datenschutz und alte Audis – Von bedrohten Existenzen und einem gemütlichen Treffen – Das 14. Treffen der Audi Freunde Bayern

> 07. Mai 2018

Kaiserwetter in Bayern wie man so schön sagt. Sommer im Frühjahr und ich nutze den Tag, um mich zur Heimat meines Asphalthelden-Show Kollegen Fabi aufzumachen. Das 14. Treffen der Audi Freunde ruft uns nach Pfaffenhofen an der Ilm. Schöne Autos, blauer Himmel, leckeres Eis und ein dunkler Schatten. Dieser Bericht ist auch ein Abgesang, ein Abgesang auf die Berichterstattung wie wir sie kennen. Die DSGVO (schon dem Kürzel nach, kann das nichts Gutes sein) bedroht uns ab dem 25. Mai und so wird dies mein letzter Bericht, wie wir ihn kennen. Also bitte lesen und teilen, denn es betrifft jeden von uns!

Wir beginnen die Runde auf dem 14. Audi Treffen nachdem wir übersichtliche 2 Euro Eintritt bezahlt haben mit einem zielgerichteten Marsch auf eine kühle Bank im Schatten. Die Stimmung ist gut, immer wieder sprechen uns Leute an. Wer seid ihr, für wen seid ihr da, wo erscheint der Bericht. Wir konfrontieren die Besucher mit der DSGVO und keiner hat auch nur ansatzweise davon gehört. Brüssel hat uns eine neue Datenschutzgrundverordnung beschert und Väterchen Staat hat wieder mal „geholfen wo Hilfe geboten ist“ und nichts gemacht, obwohl eine Öffnungsklausel hier Handlunsspielraum für die Länder lässt. Aber ist Datenschutz nicht gut, fragt mich einer der Gäste. Klar ist Datenschutz gut, aber während oftmals große Unternehmen (gerne auch im unangreifbaren Ausland) unsere Nutzerdaten paketweise weiter verkaufen werden hier ganze Berufsgruppen vor existenzielle Probleme gestellt und zu dieser Berufsgruppe zählen viele von uns. Warum ist das so? Wir beginnen mit ein paar schönen Übersichtsbildern des Audi Treffens. Gute Stimmung, Menschen klatschen sich ab bei der Einfahrt oder schütteln sich die Hände. Ein gemütliches Parkplatztreffen wie es sein soll. Als fleissiger Fotograf starte ich los und mache ein paar Überblickfotos über das Geschehen. Keines der Bilder ist in Zukunft übrigens mehr möglich. Warum? Ich bräuchte von jeder erkennbaren Person eine schriftliche Genehmigung, dass ich sie abbilden darf. Das gilt natürlich im Besonderen für groß erkennbare Personen wie z.B. für unser „Gruppenselfie“ mit Fabi und Dave aber erschwerend dazu auch für alle im Hintergrund erkenntlichen Personen.

Da freut sich doch der Abmahnanwalt und der Laie wundert sich. Also vergessen wir für die Zukunft doch einfach Überblickbilder, Bilder von tollen Händlermeilen oder Food-Ecken, von db-Tests oder Sexy-car-wash sowie die Bilder von fahrenden Autos, deren Fahrer man sieht. Stimmung einfangen für die Zukunft also Fehlanzeige. Ich wende mich lieber den Autofotos im Detail zu. Blöd, dass auch hier bei den meisten Autos auf den meisten Events irgendwie Menschen über das Gelände laufen. Im Gesetz dürfen nun keine Personen mehr erkennbar abgebildet sein. Doch was bedeutet „erkennbar abgebildet“? Man weiß es nicht. Auf den folgenden Bildern sind manche Leute deutlicher erkennbar und manche sieht man nur halb oder etwa durch eine Scheibe. Ich kennen die Antwort nicht und selbst einschlägige Blogs von Rechtsanwälten geben zu, sie wissen es nicht. Fakt ist, das frühere KUG (Kunsturhebergesetzt) hatte sich seit etwa 100 Jahren bewährt und es gab ausreichend viele Präzedenzfälle, um auch Streitigkeiten zu schlichten. Präzedenzfälle gibt es hier nicht und mangelnde Präzedenzfälle kombiniert mit einem schwammig formulierten Gesetz, bei dem selbst Anwälte nicht genau wissen, wohin die Reise geht, kann nur eines bedeuten: Eine Klagewelle nicht gekannten Ausmaßes und reiche Abmahner. Aber ist es denn in den Zeiten des Datenklaus nicht toll wenn endlich niemand mehr Daten von mir speichern darf. Man darf ja nicht vergessen, moderne Kameras vermerken oft auch Ort und Zeit der Aufnahme und damit werden meist unbeabsichtigt und nebenbei Daten angelegt?! Aber nein, nicht doch, denn es trifft wie immer nur die Kleinen. Denn nicht nur der Abmahner freut sich, sondern auch die sogenannte „institutionalisierte“ Presse. Denn wo Blogger, Freiberufler und freie Fotografen bis dato oftmals bessere Fotos, Car-Porns oder generell Berichte erstellt haben, wie die alt eingesessenen Medien und denen damit das Leben schwer gemacht haben, ist jetzt Schluß damit. Die „institutionalisierte“ Presse darf nämlich weiter wie bisher. Auch ein Weg den Markt zu bereinigen. Dann guckt euch doch mal die nächsten Bilder an und schaut ganz genau, denn hier und da versteckt sich ein Gesicht hinter einer Scheibe oder jemand guckt halb zur Seite weg und ich weiß nicht, ob das noch zulässig wäre oder nicht.

Zurück aufs Auditreffen. Inzwischen mache ich mir einen Sport aus dem Versuch Autos „ohne alles“ zu fotografieren und so gibt es zum Abschluss einige Bilder davon. Stimmung, Freude und Freundschaft zu fotografieren wird halt nicht mehr möglich sein und auch die Autobilder werden in Zukunft oft in seltsamen Bildausschnitten daher kommen. Eu-Recht schlägt sozusagen Bildkomposition. Doch was bei Fotos noch irgendwie mehr schlecht als recht machbar ist wird bei Videos aller Art zur Katastrophe. Im Übrigen betrifft das natürlich alle Veranstalter, die gerne Fotos oder Berichte zu ihren Events hätten. Es betrifft alle Fahrer, die gerne Bilder von ihren Autos hätten. Es betrifft auch alle Privatpersonen die unbedacht ein Bild vom nächsten Treffen hochladen. Wer jetzt aber denkt, da hat wieder jemand die Autoszene im Visier, der irrt gewaltig. Denn auch für Hochzeits- und Sportfotografen und eigentlich für jeden freien Fotografen, Filmer, Berichterstatter hat das Gesetz immense, wenn nicht sogar existenzbedrohliche Auswirkungen. Ohne schriftliche Bestätigung jeder Person auf den Fotos geht also ab dem 25. Mai nichts mehr. Das ändert sich auch nicht wenn ihr das bei eurem Event irgendwo ins Kleingedruckte schreibt. Hier also zum Schluss noch ein paar Bilder, wie sie in Zukunft aussehen werden, oft komisch geschnitten und leer. Fahlen nur noch ein paar Strohballen, die durchs Bild wabern.

So, das wars dann. Audi Treffen Note 1 – sehr nett. GroKo und Brüssel – setzen 6. Mir persönlich fällt immer mehr auf, dass aus unserer Politik nichts kommt was gut für mich ist, nie und niemals und zu meinen Lebzeiten nicht. Aber dafür darf ich immer mehr bezahlen, habe immer weniger Rechte und werde jetzt sogar in meiner Arbeit bedroht. Natürlich arbeiten wir mit ap Sportfahrwerke bereits an zukunftsorientierten Lösungen für die Show und die Berichte, eingeschränkt werden wir aber auf alle Fälle. Gut ist das neue Gesetz in jedem Fall, für den Typ, der sich letztens bei einem befreundeten Fotografen beschwert hat, weil er doch auf einem Bild von einem Treffen irgendwo im Hintergrund erkennbar ist, zusammen mit einer Frau. Die war aber halt nicht seine Frau, die betrügt er nämlich gerade und dass muss ja nun wirklich nicht jeder sehen.
Natürlich wird es auch hier wieder ein paar Oberschlaue geben, die das alles ganz toll finden und mit dem deutschen erhobenen Zeigefinger für ein immer weiter so plädieren. Bitte, danke, wählt einfach weiter wie bisher, das klappt ja jetzt schon prächtig. Schweden hat das Problem meines Wissens übrigens mit einem einfachen Satz im Gesetzestext erledigt. Geht doch, nur halt wie immer nicht bei uns. Ach ja, und das Beste kommt zum Schluss: Die schriftlichen Einwilligung aller Menschen die also demnächst auf unser aller Fotos auftauchen, von Hochzeitsgast bis Eventveranstalter, kann auch jederzeit später mal widerrufen werden. Rechtssicherheit gibt es also für meinen Berufsstand gar keine mehr. Dafür Strafen und zwar bis zu 4% vom weltweiten Jahresumsatz der vergangenen Geschäftsjahre (nicht, dass ich irgend einen „weltweiten Umsatz“ generieren würde) oder bis zu 20 Millionen Euro. Da rollt der Rubel oder besser gesagt der Euro, nur halt nicht bei mir und meinesgleichen. Ich hoffe, ich habe das Drama ein wenig erläutern können und weise darauf hin, dass das Ganze so komplex ist, dass ich im Wesentlichen auch nur „Übersetzungen von Anwälten für Normalsterbliche“ zurate ziehen konnte. Ihr solltet euch tatsächlich selbst im Detail informieren, wenn ihr vorhabt noch irgendwelche Bilder im Internet hochzuladen, jenseits eines „Duckface“ in eurem eigenen Badezimmer. Aber eine gute Nachricht zum Schluss: Wenn ich das richtig verstehe, darf man Tote weiterhin fotografieren. Ironie aus, alte Zeiten vorbei, gute Nacht.

Text: Andreas Leffler
Bilder: Andreas Leffler