Low in the Snow – Unser großes Finale 2017

> 19. Dezember 2017

Die Tuningszene ist eigentlich recht einfach erklärt. Im Sommer wird geglänzt und im Winter wird geschraubt. Das Problem dabei ist, ich persönlich finde solche Regeln langweilig, zu schrauben gibt es in meinem Leben auch nicht so arg viel und außerdem sieht man viele nette Leute oft monatelang nicht. Also schlage ich ap-Sportfahrwerke ein Winterevent vor. Was zunächst nicht ganz unbegründet für ein bisschen Skepsis gesorgt hat, bekommt aber schließlich eine Chance und ich selbst, nicht frei von Zweifeln mache mich an die Arbeit. Das Ganze lieferte dann auch zahlreiche Hürden, aber am Ende war es einfach nur ein hammer-geiles Event und ich frage mich, ob ich „Low in the Snow“ so ganz spontan nicht lieber mag als den „Summer Cruise“. Aber eines nach dem Anderen.

Die Planung
Wie immer begann ich ca. drei Monate vor dem Event mit der Planung und wie immer sollte es ein Facebook Event mit Bewerbungsphase richten. „Poste ein Bild deines Autos und wir gucken wer am Ende dabei ist.“ Ich denke, 30 Plätze könnte ich vergeben und wie immer plane ich 3-4 Plätze zu überbuchen, weil irgend jemand sagt ja immer ab. Natürlich vergesse ich nicht zu erwähnen, dass bei einer Veranstaltung mit dem Namen „Low in the Snow“ deren Sinn die Suche nach dem Schnee ist, die am 16. Dezember statt findet und bei der man auf ca. 1000 Höhenmeter über einen Pass in die Berge fährt, durchaus mit Schnee zu rechnen ist. Also in kurzen Worten: Winterreifen sind Pflicht, meldet euch nur an, wenn ihr sicher seid, dass euer Autos das auch schafft und seid so fair, dass ihr keinen Platz blockiert, den wer anderes gerne hätte, nur um dann kurzfristig abzusagen. Ab diesem Zeitpunkt liegt es an euch und ich kann nur noch zugucken, wer sich da so meldet. Welche Autos würden sich bewerben? Alles Serie und Schrott oder doch genug cooles Blech? Zu meiner Überraschung ging es richtig gut los und neben Winterschlampen und SUV`s tummelten sich jede Menge Oldtimer, Musclecars und japanische Sportwagen im Bewerberpool.

In kurzen Worten, ich war überwältigt. Das hielt dann auch an, bis zum Sonntag vor der Ausfahrt, an dem ich die Wettervorhersage für das kommende Wochenende und ein Bild aus dem Zielgebiet postete. Das S-Wort war jetzt keine Eventualität mehr, das S-Wort war plötzlich Fakt. Schnee! Überall dieses weiße kalte Zeug und der Winter hatte völlig überraschend Einzug gehalten im Winter. Innerhalb von 24 Stunden danach hatten ca. 30 Prozent der eingeladenen Bewerber aus unterschiedlichen Gründen abgesagt, bis zum Freitag vor der Abfahrt waren es ziemlich genau 50 Prozent. Natürlich hatte ich eine ellenlange Liste mit Leuten, die noch gerne mit wollten, aber wollten sie das auch noch ein Tag vor der Ausfahrt oder hatte sich die Veranstaltung gerade selbst gekillt, noch ehe sie begonnen hatte? Ich lud ein, wen man eben noch so einladen konnte und anschließend beschloss ich nach den letzten vier Absagen innerhalb von 12 Stunden vor Start mein Facebook zu schließen und mich am nächsten Tag überraschen zu lassen. Geistig war ich jedoch mehr als bereit „Low in the Snow“ nach dem kommenden Wochenende direkt wieder zu begraben.

Der Morgen graut…
und mir graut es auch. Mir graut es vor einem grauen Tag mit viel zu wenigen Autos, wobei man ja weiß, dass es auch nicht alle schaffen überhaupt abzusagen. Das bedeutet man kann sich sicher sein, dass noch weniger Leute kommen würden als man denkt. Große Erwartungen von ap-Sportfahrwerke, Zusagen an unsere Mittagslocation, die einiges für uns reserviert und abgesperrt hat, viele Versprechungen nichts dahinter? Na, da werde ich mir einiges anhören dürfen. Immerhin war ich mir schon vor einiger Zeit sicher gewesen, dass ich dieses Mal nicht selbst fahren wollte.

Fotografieren, Veranstaltung leiten und moderieren und jetzt auch noch filmen für unsere Autoshow schien mir mehr als ausreichend zu sein und so lies ich mich von Carina in ihrem kleinen Fiat Grande Punto durch die Lande kutschieren. Rundum schlicht weiß und clean passt die kleine, liebevoll Schneeflocke genannte, Karre wenigstens zum erhofften Schnee in den Bergen. Ein schwacher Trost. Ich passe eh kaum rein, in den kleinen Italiener. Voll beladen mit Filmausrüstung und den tollen Weihnachtsgeschenken von ap-Sportfahrwerke ging es also zum ersten Treffpunkt in Fürstenfeldbruck. Es dauert nicht lange und Wolfgang kommt mit seinem Camaro. Na immerhin! Und kurz darauf treffen drei weitere Fahrzeuge ein. Allrad, Winterschlampe, Youngtimer, alles dabei. Alle haben beste Laune und das hebt wiederum meine Laune. Zusammen cruisen wir zum offiziellen Startpunkt, den McDonalds in Gilching.

Gilching, die Stimmung hebt sich
Kaum rollen wir auf den Parkplatz zeigt sich, dass das Ganze doch noch richtig gut werden könnte. Nur noch ein üblicher Verdächtiger ist absent geblieben, alle Nachrücker sind erschienen und ein paar richtig coole Autos sind auch da. Ihr wolltet schon immer mal einen „Dukes of Hazzard“ BMW sehen? Check! Ein klassischer Ford Escort RS 2000? Check! Der nagelneue Cadillac CTS? Check! Der Szene bekannte Hulk Bus der eigentlich poliert im Warmen stehen könnte/sollte, um sich auf die Tuning World zu freuen? Check! Ein super tiefer Fiesta ST auf Schneepflug Höhe passend zu „Low in the Snow“? Check! Dies und vieles mehr gab es zu sehen! Eine richtig schöne guten Morgen Überraschung! Eine Überraschung der anderen Art war für viele auch Andree und Biancas „Porzelack“ Opel, der kurzzeitig für „Polizei ist auch schon da“ Panik im McDonalds gesorgt hat. Leute die mal „schnell“ 500 Kilometer Anfahrtsweg hinter sich gebracht hatten, Gäste aus Österreich, arme Schlucker die noch in der kommenden Nacht Schicht arbeiten mussten oder Jasmin, die trotz komplett geschientem Bein kam und selber mit ihrem BMW 1er gefahren ist? Check – alle da – no more Mimimi! Ich bin gerührt, bekomme sogar einige Geschenke in die Hand gedrückt und freue mich jetzt doch sichtlich auf die Dinge die da kommen mögen.

Gilching – Starnberg – Tutzing
Der erste Teil der Strecke ging durch einen der schönsten Teile Bayerns, nach Starnberg und dann entlang am Starnberger See, durch Natur, vorbei an den teuren Villen und das winterkalte Blau des Sees immer in Sichtweite. Apropos blau, ja sogar der Himmel hatte ein einsehen und das gruselige grau verkrümelte sich für einige Zeit und machte Platz für ein paar Sonnenstrahlen. Timo bestätigte seinen Fähigkeit im Roadbook lesen vom Summer Cruise und alle die ihm folgten, kamen sicher am ersten Treffpunkt an, aber auch der Rest blieb dieses mal auf Kurs.

Es blieb frisch aber Fabi hatte den Kofferraum seines Insignia voll mit Getränken für alle und Jessy, unsere Fotografin von JJGraphy hatte nicht nur ihre Kameras sondern auch jede Menge selbst gebackener Plätzchen dabei. Teilweise waren letztere sogar im ap-Sportfahrwerke und Asphalthelden Design. Alles gut also? Natürlich, vor allem weil auch Stefan von STH Car Photography wieder dabei war. Stefan hat jetzt 5 von 5 gemeinsame Events von ap-Sportfahrwerke und Asphalthelden fotografiert und ist immer eine sichere Bank mit Top-Fotos. Das musste jetzt mal gesagt sein. Also weiter geht`s! Oder einen Moment noch, die Mädels sind noch auf Pipipause, dann aber!

Tutzing – Seeshaupt – Bad Tölz
Während sich der Himmel langsam wieder zuzog ging es den einfachsten Teil der Strecke entlang in Richtung Bad Tölz, dort erwartete uns eine besondere Mittagslocation, das Gefängnis. Das Gefängnis nennt sich Jailhouse und ist in echt natürlich kein Gefängnis sondern ein amerikanisches Restaurant. Der super-nette Besitzer hatte uns extra den Parkplatz direkt vor dem Haupteingang reserviert und auch einen hübschen Teil seines Lokals.

Saftige Burger und sonstige amerikanische Highlights waren allesamt ziemlich lecker und wurden zügig serviert. Perfekter Service! Noch schnell ein Gruppenfoto aus der ersten Etage hinab zur amerikanisch dekorierten Bar und abschließend die stilvolle Hintergrundlocation vor der Türe nutzen, dann geht es satt und glücklich weiter in Richtung Kochelsee.

Bad Tölz – Kochelsee
Kaum am Kochelsee angekommen wird der leichte Schneefall zu einem dichtem Wintersturm. Aber davon lassen wir uns natürlich nicht abhalten. Erst ist es einmal Zeit für die Geschenkübergabe, der ganzen ap-Sportfahrwerke Give-aways. Das Highlight hier ist definitiv der 2018er ap Kalender, den wir im Sommer in Berlin verwirklicht hatten. Aber damit nicht genug. Es befinden sich ja auch drei Teilnehmer des Castings für unsere Autoshow unter den Mitfahrern.

Als kleine Überraschung dürfen sie mit ein paar Helfern und mir noch im Schneesturm am Kochelsee verweilen, während sich der Rest schon auf in Richtung Glühwein (ich meine natürlich Kinderpunsch) und Christkindelmarkt aufmachen darf. Ein einsamer ap-Klappstuhl am düsteren Ufer des Kochelsees, Jasmins roter (ich wurde korrigiert: „beerenfarbener“) Schirm und die Chance nochmal richtig vor der Kamera zu glänzen, ehe wir endlich auch völlig durchgefrostet und durchnässt in die Autos springen.

Endspurt – Kesselberg und Mittenwald
Der Kesselberg verwandelte sich nun von Minute zu Minute mehr zu einem Schneeparadies und wir hatten Glück, dass er noch nicht gesperrt war. Mit fünf Autos trotzten wir Sturm und Wetter und schlitterten der restlichen Gruppe hinterher. Jetzt war es richtig „Low in the Snow“ und bis in die Nacht hinein schafften wir es dann auch ohne Pannen ans Ziel.

Mittenwald ist ein sehr idyllischer, bayerischer Gebirgs- und Geigenbauerort und rund um die Postkartenidylle der Kirche fanden wir den Christkindelmarkt und die restliche Gruppe wieder. Lichterschein, Bratwurstbuden, dicke Flocken und beste Stimmung. Perfekte Weihnachtsidylle. Schade, dass viele noch nach Hause mussten und dann ob er Witterung auch baldig die Heimreise antreten wollten, solange man die Straßen zumindest noch erahnen konnte. Aber andere, mich eingeschlossen, hatten sich ein Zimmer gebucht und so verbrachten wir noch einen lustigen Abend bei allerlei Benzingesprächen bis spät in die Nacht.

Resümee
Low in the Snow war ein Versuch und für mich war es ein Event nach dem Motto: Alles wird gut, wenn man das Schlechte weg lässt. Am Ende war ich ziemlich glücklich, weil wir, so glaube ich ziemlich sicher, hier eine ganz tolle Sache ins Rollen gebracht haben. Das spiegelte sich auch in den zahlreichen Kommentaren der Mitfahrer wieder. Am Abend kam dann noch eine Mail mit: Vielen Dank, das war der beste Tag meines Jahres. In diesem Sinne – bis bald und einen guten Rutsch ins neue Jahr, liebe Leute!

Text: Andreas Leffler
Bilder: STH Car Photography, JJGraphy, Carina Kell und Andreas Leffler