Opel Corsa E – Der Kleinwagenklassiker von praktisch bis schnell

> 27. Oktober 2017

Warum teuer wenn es auch preisgünstig geht? Der Corsa von Opel wird mit jeder Generation ein Stückchen erwachsener und was 1983 mit dem, aus meiner Sicht, ziemlich rustikalen Corsa A begonnen hatte, erreicht nun seinen vorläufigen Höhepunkt, mit dem seit 2014 angebotenen Corsa E. Von 70-207 PS bedient der erfolgreiche Kleinwagen ein breites Spektrum an Autowünschen von günstig und praktisch bis zu schnell und spaßig. So ist auch das Thema „Sport“ immer mehr in den Mittelpunkt gerückt beim kleinen Rüsselsheimer. Da ist es nur eine logische Konsequenz, dass ap-Sportfahrwerke jetzt auch ein Gewindefahrwerk für den Wagen im Angebot hat. Genau der richtige Zeitpunkt also um Corsa und Fahrwerk genauer vorzustellen.

Der Corsa hat es nicht leicht. Von allen Seiten ist er von stylischer Konkurrenz umzingelt. Spätestens seit der Mini das Podium der Kleinwagen zur Showbühne umdekoriert hat, ist es für den klassischen Kleinwagen schwer geworden. Wo früher Preisvorteile und Übersichtlichkeit die Abstinenz von Luxus und Geschwindigkeit aufgehoben haben, erwartet der Kunde heute unzählige Indiviualisierungsmöglichkeiten, Hightech und nicht zuletzt auch oft berauschende Sportlichkeit. Zu allem Übel hat selbst der eigene Mutterkonzern dem Corsa, mit dem hübschen Adam, auch noch einen firmeninternen Schönling vor die Nase gesetzt. Deshalb muss sich der Corsa schon ganz schön anstrengen, wenn er weiter ganz oben mit spielen will. Aber ganz ehrlich, bereits mit dem Corsa D hatte Opel ja einen riesigen Schritt in die richtige Richtung gemacht und der E hat nochmals einige Problemzonen beseitigt. Von daher bin ich guter Hoffnung, als ich zu meinem Testwägelchen schreite.

Der Testwagen
Ich stehe vor einem Corsa „Color Edition“ aus dem Jahr 2016. Als Motorisierung habe ich den goldenen Mittelweg gewählt, nämlich den 100 PS 1,4 Liter Vierzylinder Benziner. Wie viele Leser meiner Kolumnen wissen, bin ich in diesem Punkt sehr oldschool und mag Zylinder und Hubraum. Den 1.0 Dreizylinder habe ich deswegen heute links liegen lassen. Für ein stärkeres Modell habe ich mich nicht entschieden, weil ich ja gerade erst für den Bericht zum Opel Corsa D ap-Gewindefahrwerk, das Topmodell OPC zu Rate gezogen hatte. So fahre ich also heute einen typischen „Brot und Butter“ Corsa, wie es ihn vermutlich ziemlich oft auf Deutschlands Straßen gibt. Passend dazu ist auch die Ausstattungslinie „Color Edition“ so ein Mittelding zwischen Selection, Edition, ON, INNOVATION und S. Schneeweiß bzw. sogar brillant ist er, mit schwarzen 16 Zoll Alus als Kontrast. Dabei guckt er vorne recht modern aus den scharf geschnittenen Scheinwerfern mit LED Tagfahrlicht in die Welt hinaus und hinten bildet eine dicke, chrom-glänzende Auspuffblende den sportlichen Abschluss der ganze Fuhre. Eigentlich ganz hübsch!

Innenraum
Ich steige ein und passe locker hinein. Ein Kleinwagen in dem auch ohne Probleme ein „fast 2-Meter Mann“ gut sitzen kann. Das Lenkrad lässt sich vertikal und horizontal verstellen und die stoffgepolsterten Sportsitze (Serie beim Color Edition) machen einen richtigen guten Eindruck. Schade zwar, dass sie nicht noch ein Stückchen „tiefer“ gehen, aber sonst ist das „Probesitzen“ schon mal für gut befunden. Das nächste Highlight folgt sogleich: Opel hat die ungeliebten Mittelkonsole aufgeräumt. Die gefühlten hundert Knöpfe, die auch schon in vielen anderen Tests bemängelt worden waren, sind verschwunden und alles wirkt durchdacht und wesentlich verbessert. Sonstige Highlights? Das Radio CD 3.0 BT mit Aux, USB, Bluetooth und sechs Lautsprechern, Sitzheizung, Lenkradheizung, griffiges Multifunktionslenkrad in Leder und eine Klimaanlage. Als zusätzliches Plus sehe ich den übersichtlichen 285 Liter Kofferraum mit dem variablen Boden und den umlegbaren Rücksitzen, welche den Stauraum auf weit mehr als 1000 Liter (1120) erweitern.

Los geht`s
Der 1,4 Liter ecoFLEX Motor ist, wie ich schon beim Opel Adam Test bemerkte, ein gutmütiger Wegbegleiter. Er liefert ausreichend Leistung, wenn man ihn bei Laune hält, fühlt sich manchmal sogar ein bisschen flotter an, als er ist und er sorgt im Testwagen für eine Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h, bei einer Beschleunigung von 11 Sekunden von 0-100 km/h. Das ist nicht berauschend aber durchaus spaßig. Dazu lassen sich die 6 Gänge flott durch sortieren und der ganze Wagen vermittelt ein sicheres und auch weit jenseits der 100 km/h sicheres und angenehmes Fahrgefühl mit wenig Störgeräuschen. Auf meiner Testfahrt leistet sich der kleine Opel keinerlei gravierende Schwächen und ist eine gute Mischung aus Übersichtlichkeit, Spaß und automobiler Vernunft. Natürlich glänzt er nicht wie so manch einer seiner Konkurrenten mit verschwenderischer Opulenz, aber dazu muss man auch sagen, dass eben jene Konkurrenten auch oft schon das doppelte kosten. Denn den „Color Edition“ mit dem 100 PS Motor und mit fast allem, was auch mein Testwagen an Board hatte, gibt es beim freundlichen Opelhändler schon für gute 17.000 Euro.

Das Fahrwerk
Leider hat mein Testwagen nur die serienmäßigen „Color Edition“ 16 Zöller und nicht die 17 Zöller, denn letztere wären in Verbindung mit dem Sportfahrwerk gekommen. Aber das ist nun nicht weiter tragisch, denn jetzt gibt es ja sogar ein Gewindefahrwerk von ap zum nachrüsten für nur 549 Euro (inkl. MwSt. zzgl. Versand). Der Corsa E kann mit dem ap Gewindefahrwerk an der Vorderachse 25-55 mm (15-35 mm beim OPC) und an der Hinterachse 25-55 mm (20-40 mm beim OPC) tiefer gelegt werden. Neben der Tieferlegung profitiert der Corsa nach dem Einbau des ap Gewindefahrwerks durch ein strafferes Handling und einem ausreichenden Restkomfort. Und neben dem sportlicheren Fahrverhalten sieht der attraktive Renner dann auch noch attraktiver aus. Mehr Infos im Shop von ap.

Text: Andreas Leffler
Bilder Andreas Leffler