Der Summer Cruise 2017 – Von Regenmachern und Drachentötern

> 09. Juni 2017

Das nächste gemeinsame Event von ap-Sportfahrwerke und Asphalthelden stand vor der Tür. Die „Ausfahrt“ ging dabei in ihre dritte Runde und erwartet wurde nicht weniger als eine wunderbare abgelegene Strecke, Berge und eine Menge toller Fahrzeuge. Dafür bewarben sich seit etwa März zahlreiche Autoenthusiasten um einen der begehrten Plätze. Die Auswahl war einmal mehr eine schwere Entscheidung für uns, zumal selbst für einen einzelnen frei gewordenen „Nachzüglerplatz“  zahllose Interessenten innerhalb eines Tages ihre Bewerbungen einschickten. Unser Fahrziel war dieses Mal der sogenannte Tatzelwurm. Doch ob wir diesen Drachen besiegen würden oder ob uns der Wettergott einen Strich durch die Rechnung machen sollte, das blieb bis zum letzten Moment spannend.

Morgens 6.30 Uhr in Deutschland
Heute Nacht hat es durchgeregnet. Der erste Regen seit etwa 3 Wochen. Hinter uns liegt einer der heißesten Monate Mai der vergangenen Jahrzehnte und heute am 4. Juni hängen die Wolken so tief wie meine Stimmung. Gestern Abend haben wir noch draussen gegrillt, heute kann man höchstens eine Wasserschlacht machen. Na wunderbar! Ich bin gespannt wieviele „Wasserscheue“ in letzter Sekunde absagen und öffne missmutig meinen Messanger. Keine Nachrichten. Das wiederum ist seltsam. Dann bleibt es wohl spannend. Schnell einen Kaffee runter würgen und los geht es zum ersten Treffpunkt, für alle die aus dem Westen anreisen.

7.00 Uhr – Treffpunkt Geisselbullach, Allguth Tankstelle an der Autobahnausfahrt
Der Regen hört auf und in Geisselbullach ist sogar die Straße trocken. Das Begleitfahrzeug von Fabi mit unserem Fotografen Stefan von STH Car Photography wartet schon. Ein Ford Focus, ein Mustang 5, ein Audi R8, ein Camaro, ein Honda S2000, ein zwangsbeatmeter Civic Type R, ein Opel Astra und ein Honda CR-Z Mugenumbau finden ihren Weg am frühen Morgen zu uns. Eine Mischung aus bekannten Autos vom letzten Mal und Neuzugängen, so wie wir die Events immer zusammenstellen. Schnell noch einen zweiten Kaffee, eine Breze und tanken bevor es ernst wird.

Treffpunkt Wolfratshausen
Bis 8.15 Uhr sollten sich dann alle beim Mc-Donalds in Wolfratshausen einfinden. Die Fahrt dahin wird feucht fröhlich. Der Regen ist zurück, die Autos sind schon mal gut eingesaut bis wir am Treffpunkt sind. Gut, dass gestern noch alle fleissig gewaschen und poliert haben. Zu meiner Überraschung kommen wirklich fast alle, die wir eingeladen hatten und fast niemand hat sich vom schlechten Wetter abschrecken lassen. Sogar Thomas, der Chef von ap Sportfahrwerke hat den weiten Weg von Baden Württemberg auf sich genommen, um zu gucken was wir hier seit 3 Jahren so für ihn organisieren.

Ein großes Hallo und ein kleines Frühstück später gibt es das Briefing, wie jedes Jahr. In kurzen Worten: Dies ist keine Kolonnenfahrt, die schnelleren Fahrer sollen vor fahren, die langsameren sich nicht hetzen lassen. Dafür gibt es immer wieder Treffpunkte unterwegs. Fahrt vorsichtig, vor allem bei dem Wetter wenn wir in die Berge kommen. Nutzt das Roadbook oder ihr verpasst einen Teil der schönen Strecke. Wenn ihr nach Navi fahrt, verpasst ihr sowieso das Beste.

Wie immer also eine Fahrt zum „mitdenken“. Ein Geburtstagskind haben wir dieses Jahr auch dabei. Sarah, eines unserer Models von der Fast & Furious Party hat sich weder von uns noch vom Wetter abschrecken lassen und wollte ihren Ehrentag gerne mit ein paar Autoverrückten verbringen. Das ist doch genau die richtige Einstellung. Wir sind fast inzwischen fast komplett, als mich eine Nachricht erreicht: Können wir noch 5 Minuten warten bitte? Wieso? Der Wagen steht beim falschen Mc-Donalds. Gut, soviel zum Thema Roadbook . Der erste Lacher des Tages ist gesichert.

Wolfratshausen – Dietramszell – Miesbach – Fischbachau
Der erste und gleichzeitig größte Teil der Strecke führt uns über abgelegene kleine Landstraßen, durch düstere Wälder und unbekannte Orte, durch enge Kurven und Kehren, entlang an kleinen Flüsschen quer durchs bayerische Voralpenland. Gleich nach Wolfratshausen verpasst übrigens der Wagen direkt vor mir die richtige Abfahrt, aber das kennen wir ja inzwischen. Dennoch hält sich ein erfrischend großer Teil der Gruppe an das Roadbook. Timo fährt in seinem 3er BMW unserer Gruppe voraus und zusammen mit seiner Beifahrerin leistet er sich keinen einzigen Navigationsfehler über die ganze Etappe. Das habe ich tatsächlich in drei Jahren noch nie erlebt, zumal der „Erste“ einer Gruppe ja immer auch irgendwie „der Dumme“ ist, denn er hat die Arbeit und wenn er einen Fehler macht, lachen ihn anschließend alle aus.

Der Vorteil des schlechten Wetters ist heute, dass die Straßen völlig leer sind und das obwohl wir Pfingstsonntag haben. Auf der gesamten, knapp 90 minütigen Etappe müssen wir glaube ich kein einziges „Fremdauto“ überholen. Auch dies ein Novum in der Geschichte der Ausfahrt. Es hat eben alles seine Vorteile und selbst ein schlechter Tag ist gut, wenn man das Schlechte weg lässt. Für mich selbst stelle ich an diesem Tag jedoch wieder einmal fest, dass sich mein Mustang nur bedingt für eine enge Kurvenhatz auf schlechtem und vor allem nassen Fahrbahnbelag eignet. So wird fahren zur „Arbeit“ und frei nach Walter Röhrl, dass ein Auto mit nur zwei angetriebenen Rädern immer nur eine Notlösung ist, wünsche ich mir heute wieder einmal meinen Evo zurück. Aber egal, nur die Harten kommen in den Garten oder in unserem Fall ans nächste Zwischenziel.

Treffpunkt Fischbachau
Am Ende von Fischbachau treffen wir uns auf dem Parkplatz des örtlichen Supermarkts. Letzterer hat sogar noch eine Viertelstunde geöffnet und es gibt noch Backwaren aller Art, nur leider keinen Kaffee mehr, da der eifrige Betreiber bereits die Maschine gereinigt hatte. Schade eigentlich, da hätte er bei dem Wetter nochmal richtig Geld verdienen können mit uns. Nachdem dann auch diejenigen eingetroffen sind, die „ähm“ alternative Routen bevorzugt haben, werden normalerweise Klappstühle raus geholt und die Autos der anderen in Augenschein genommen. Doch auch hier gab es leider keine Regenpause, ganz im Gegenteil. Es wurde immer schlimmer. Fotos wurden trotzdem gemacht und unsere Filmleute drehten im Begleitfahrzeug ein paar Runden um die parkenden Geschosse.

Reden wir also lieber über die Autos. Neben den bereits erwähnten Fahrzeugen hatten wir noch drei Honda Civics verschiedener Baujahre und Leistungsstufen, zahlreiche BMW`s (1er, 3er, 5er und ein seltener 311 PS starker 2002 von 1974) einige Nissan (350Z, Skyline R33 GTR, ein bis zwei Silvias), einen Peugeot 206 WRC Umbau, drei Golfs verschiedenster Ausbaustufen und Jahrgänge, einen Audi A4, einen Dodge Charger, eine Corvette C3, einen Skoda Octavia RS, eine Toyota Celica, einen weiteren Opel Astra, einen Mitsubishi Colt und einen Camaro Cabrio der vierten Generation mit Twin-Turbo Umbau. Wie immer haben wir versucht eine schöne Mischung zusammen zu stellen. So lagen zwischen dem ältesten Fahrzeug (die Corvette von 1970) und einer Gruppe „Frischlingen“ von 2013 sage und schreibe 43 Jahre. Dabei hatte der nominell schwächste Wagen 90 PS während das Camaro Cabrio mit etwa 650 PS die Leistungsspitze auf der diesjährigen Ausfahrt markierte.

Entlang der deutschen Alpenstraße zum Tatzelwurm
Nachdem ich noch allerlei Goodiebags und Kataloge von ap, sowie einige Asphalthelden Hefte  an die Teilnehmer verteilt hatte, ging es auf in die Berge. Wenig Verkehr und zahlreiche Parkplätze machten den ersten Teil der Bergfahrt auf der deutschen Alpenstraße trotz nasser Fahrbahn zu einem angenehmen Unterfangen. Vor allem nach der Begegnung mit einer tapferen Fahrradkolonne und einem noch größeren Motorradkonvoi wussten wir, so schlecht geht`s uns in unseren warmen und trockenen Autos gar nicht.

Unsere Filmleute trotzten allerdings ebenso dem Wetter und scheuten nicht davor zurück, sich richtig nass zu machen, um einige gute Bilder und Takes zu bekommen. Schade, dass einer der Hondas dann am Berg seinen Geist aufgegeben hat und sich trotz geballter, anwesender Schrauberkompetenz nicht mehr zum weiterfahren überreden lassen wollte. Allerdings ganz großes Lob an die Fahrerin, die ihr Unglück sehr sportlich nahm und sich trotzdem über die gelungene Ausfahrt freute. Danke liebe Verena, dass du trotz Panne die gute Laune behalten hast. So soll es sein und daher: Du bist jederzeit gerne wieder eingeladen!

Am Ziel
Etwas früher als geplant erreichten wir zum Mittagessen unser Ziel bei Oberaudorf. Der Gasthof zum Bauern in Agg (www.bauern-agg.de) darf ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen. Die ganze Organisation lief problemlos, man hat uns einen eigenen Anbau zur Verfügung gestellt, es war kein Problem, dass wir zu früh da waren, einen eigenen Parkplatz hinterm Haus hatte man uns auch reserviert und selbst die Tatsache, dass wir mit über 10 Personen mehr als geplant aufgekreuzt sind, hat die freundlichen Wirtsleute nicht aus dem Konzept gebracht. Definitiv – sehr gutes Erlebnis! Also erst einmal in Ruhe essen, letzte Fotos schießen und das Geburtstagskind noch ein bisschen feiern. Das Ende blieb wie immer offen und so fuhren die einen gegen zwei Uhr, andere dann eher gegen vier. Wie immer ein schönes Treffen unter Gleichgesinnten. Als Max, Dave und ich dann als Letzte mit dem R8, dem Skyline und dem Mustang vom Hof rollen hat endlich auch der Regen aufgehört. Na so ein Zufall.

Ein Resümee
Als Organisator solcher Events kannst du immer viel falsch machen. Aber selbst wenn alles passt, dann kann dir das Wetter immer und jeder Zeit einen Strich durch die Rechnung machen. Die letzten drei Jahre hatten wir stets Glück, vermutlich war die Feuer- oder in diesem Fall „Wasserprobe“ einfach einmal fällig. Aber da kommt es dann eben auf die Leute an und da tatsächlich nur ein einziger Teilnehmer nicht gekommen ist (was auch bei gutem Wetter passiert) muss ich einfach mal danke für eure Begeisterung sagen. Danke auch, dass ihr alle unter dem Tenor „es kommt ja nicht aufs Wetter sondern auf die Leute an“ die gute Laune nie verloren habt und selbst die Oldiefahrer mit der C3 Corvette sofort für weitere Exkursionen zugesagt haben. Frei nach dem Motto „ich wundere mich ja, dass das Schiebedach dicht ist“ (BMW 2002), oder „Ich bin trotzdem offen her gefahren“ S2000 und Golf Cabrio habt ihr euch die Laune nicht verderben lassen und das zeigt nicht nur, dass wir mit der Ausfahrt ein tolles Event am Start haben, sondern auch, dass wieder einmal die richtigen Teilnehmer dabei waren. Danke auch an alle Mitarbeiter, an Fabi der immer alles mögliche organisiert, an Daniel, der sich von 20 Zoll Felgen fern gehalten hat, an Ray, den wir „zufällig“ beim Sonntagseinkauf getroffen haben, an alle Fotografen und Filmer, die teilweise ganz beachtliche Anfahrtswege zurück legen mussten und natürlich an ap Sportfahrwerke, ohne die das Ganze nicht statt finden könnte. Wir sehen uns nächstes Jahr! Nein, Moment, wir haben noch eine Überraschung zum Schluss. Dieses Jahr wird es noch ein Winterevent zum Jahresabschluss geben. Seid gespannt!

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Text: Andreas Leffler
Bilder: Stefan Hoiß (STH Car Photography), Andreas Leffler
Videos: Chrome Motion, Finest Films