Die grüne Hölle “live” erleben

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> 09. Juni 2017

Der Vatertag dieses Jahr lockte uns mit bomben Wetter zu einem Ausflug – Nur wohin bzw. was könnte man denn hier schönes unternehmen? Ans Meer? Nein das war uns zu weit. In die Berge? Nein das war uns zu wenig. Wir wollten etwas Besonderes – Also blieb nur noch eins, die grüne Hölle.

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Dieses Jahr veranstalteten der ADAC und die Zürich Versicherung das 45. 24 Stunden Rennen am Nürburgring. Ab Mittwoch ging es am Ring nur um Motorsport. Im beschaulichen Örtchen Adenau fand die einmalige Eröffnung statt – Der Adenauer Racingday. An diesem sehr speziellen Event werden die Fahrzeuge des 24 Stunden Rennens vor Rennbeginn über den „Laufsteg“ geschickt. Riesige Menschenmassen stürmen den kleinen Ort in der Eifel um die Rennboliden hautnah erleben zu können.  Auf einer großen Live-Bühne wird am Markplatz für Unterhaltung gesorgt. Für alle Autogrammjäger gibt es ebenfalls ein Highlight. Die XXL Tischreihe an denen die Rennfahrer und WTCC  Fahrer freudig ihre Fans begrüßen und für Autogramme, Fotos und ein kurzes Fachgespräch bereit stehen. Für jeden Motorsportliebhaber ist das schon eine Reise wert.

Ab Donnerstag ging es dann auf der Rennstrecke rund. Die WTCC und ETCC hatten das erste freie Training, genau wie der Audi TT Cup und die Fahrzeuge des 24 Stunden Rennens. Wer glaubt, dass beim Training nur unscheinbar gefahren wird, wird schnell eines besseren belehrt.  Auch im Training gibt es Zweikämpfe  und die ersten Attacken auf den Gegner werden versucht.

Zur Abenddämmerung haben wir uns am Adenauer Forst einen schönen Platz gesucht. Als wir dort entlang gelaufen sind hat man schnell gemerkt welche Besucher regelmäßig kommen und wer schon Jahrelange Erfahrung hat. Es scheint so als würden die Besucher kleine Festungen und Siedlungen aufbauen. Von  kleinen Trailerparks über Zeltstädte bis hin zu Tribünen mit Aussichtstürmen. Sehr amüsant war die Kreativität der Bauherren. Von Fan Graffitis, Rutschen, Schaukeln, Outdoorduschen bis zu umgebauten Feuerwehrfahrzeugen zu Bierversorgungsfahrzeugen. Wir genossen diesen Abend gemeinsam mit tausenden Zuschauern die friedlich den Motorenklängen lauschten und begeistert die ersten Kämpfe, Überholmanöver und Beschleunigungen verfolgten.

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Am Freitagmittag machten wir uns auf den Weg zum Hatzenbach. Hier eröffnete das Autohaus Lackas das Private Lexus und Toyota Event. Da wir mal wieder viel zu früh dran waren, waren wir die ersten auf dem Platz. Wir wurden sehr herzlich von Sonja aus dem Lackas Team empfangen und begrüßt. Das Lackas Event umfasst einen ruhigen Platz mit optimaler Aussicht auf die Hatzenbachkurve. Die bereitgestellten Liegen luden einen förmlich zum Platznehmen ein. Dieses Event war das erste seiner Art vom Hause Lackas. Es wurde aber an alles Gedacht. Im großen Zelt konnte man vor der Hitze und der Sonne entfliehen und trotzdem das Rennen über einen Fernseher verfolgen. Für Abkühlung sorgte ein spontan organisierter Pool und für das leibliche Wohl war auch sehr gut gesorgt. Eine Getränkeinsel versorgte einen mit kühlen Getränken und zwei große Grills ließen einem schon beim Hinsehen das Wasser im Mund zerlaufen. Für die echten Motorsportfans war sogar ein Camping Areal eingeplant, damit man rund um die Uhr den Motoren lauschen konnte. Der Mittelpunkt des Platzes wurde reserviert für das Highlight des Events. Am Samstag wurde zum großen Lexus F Treffen aufgerufen. Jeder Lexus Fahrer mit einem F oder F Sport Modell konnte sich hier mit gleichgesinnten Treffen. Einige ISF, GSF und RCF Fahrer ließen sich die Möglichkeit nicht nehmen und reisten wie wir am Freitag schon an. Am Freitag nutzen wir dann auch die Ruhe vor dem großen Sturm um durch das Fahrerlager und die Boxengassee zu gehen.

Wenn man in die Boxengasse und ins Fahrerlager geht fällt einem als erstes auf, dass sich BMW, Mercedes und Audi scheinbar gegenseitig übertrumpfen wollen. Die Logen und dazugehörigen Ausstellungsflächen sind gigantisch. Nicht nur geladene VIP sondern auch normale Besucher können hier verweilen.

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Mercedes stellt einen Biergarten mit Rennstreckenausblick zur Verfügung. Audi lässt es da eher moderner zugehen. In einer großen Lounge kann man selbst in der virtuellen Welt über den Nürburgring fahren. Das Audi TT Cup Lager ist sehr großflächig und imposant. Die Fahrzeuge stehen schön aufgereiht in einzelnen Boxen und man kann sich in aller Ruhe die TTs ansehen oder beim Schrauben zusehen.

Bei der WTCC geht es da schon etwas hektischer zu. Hier wird noch bis zum Schluss geschraubt und die Fahrzeuge durch die Rennaufsicht kontrolliert. Die WTCC ist eine von der FIA ausgeschriebene Weltmeisterschaftsserie für Tourenwagen. Die Fahrzeuge aus dieser Rennseire kommen aus dem Hause BMW, Citroen, Honda, Seat, Toyota usw. Hierbei sind nur Front und Hecktriebler zugelassen und es gibt zusätzliche Gewichts und Motorbeschränkungen.

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Die Fahrzeuge des 24 Stunden Rennens waren nicht alle in den Boxen in der Boxengasse zu finden. Drei bis fünf Fahrzeuge und deren Teams teilen sich jeweils eine Box und deshalb ist es zu eng um dort zu schrauben. Jedes Rennteam hat deswegen ein eigenes Werkstattzelt im Fahrerlager. Hier können die Teams in angenehmer Umgebung und in aller Ruhe ihre Fahrzeuge reparieren, modifizieren und Servicearbeiten durchführen. Als Besucher hat man hier keinen Zutritt, außer man ist natürlich ein VIP.  Oft ergibt sich jedoch die Gelegenheit mit einem der Mechaniker Fachsimpeln zu können.

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Wir hatten die Chance beim japanischen Rennteam Novel mit einem leitenden Mechaniker zu sprechen. Das Rennteam Novel hat den blauen Lexus ISF und den schwarzen RCF ins Rennen geschickt. Der Mechaniker erzählte uns, dass er als Rennfahrermechaniker schon einiges erlebt und gesehen hat. Er ist überrascht und begeistert über die Standfestigkeit der Lexus Motoren und dem Getriebe.  Bei manchen Rennfahrzeugen muss man nach jedem Renneinsatz die Getriebe revidieren und die Motoren kontrollieren. Bei Lexus reicht es nach dem Ende der Saison und sogar dann sieht alles noch einwandfrei aus. Wir haben ihn gefragt ob er Privat auch mit japanischen Fahrzeugen bzw. Importfahrzeugen zu tun hat. Er erzählte uns voller Stolz, dass er mit Leib und Seele Opel Fahrer ist und bleibt. Da sieht man mal was man als Mechaniker in einer Fremdmarke erlebt und Respekt für die Verarbeitung der Fremdmarke haben kann.

Wir fragten des Weiteren wie bisher die Trainingsläufe gelaufen sind. Er erzählte, dass alle Rennteams von dem sehr schönen und warmen Wetter am Ring nicht sehr begeistert sind. Diese Hitze macht Probleme, die Temperatur sorgt bei den Reifen teilweise für Blasenbildung und zu einem schnelleren Verschleiß. Die Hitze ist ebenfalls für die Motoren nicht gut, daher wurde an den Lexen noch eine zusätzliche Warmluft Ableitung verbaut. Ebenfalls ist es für den Fahrer nicht angenehm bei den Temperaturen zu fahren. Dies wurde uns auch während des Rennens später bewusst da der RCF zu große Probleme mit der Hitze hatte und somit aus dem Rennen ausschied.

Der Mechaniker verabschiedete sich von uns mit den Worten, „Ich muss jetzt mit meinen japanischen Kollegen noch den Boxenstopp üben, damit das später ohne Probleme läuft“. Das ist natürlich eine gute Idee, denn bei internationalen Teammitgliedern sollte jeder Handgriff wortlos sitzen da es sonst zu Kommunikation-Missverständnissen kommt. Das zügige Reifenwechseln und der Boxenstopp wurde von vielen Teams im Fahrerlager geübt. Immer wieder sahen wir Teams die versuchten ihre Zeit durch üben zu verbessern oder die Handgriffe zu optimieren.

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Ein imposantes Werkstatt und VIP Zelt sahen wir beim Team der Black Falon. Der Titelverteidiger geht gleich mit sechs Fahrzeugen ins Rennen: Mit drei Mercedes-AMG GT3, dem Porsche Cayman GT4 (Klasse SP10), dem Porsche Carrera (Klasse V6) und dem Porsche 911 GT3 Cup (2017). Fünf der Fahrzeuge erreichten die Zielgerade, der Porsche 911 GT3 Cup hatte einen schweren Unfall und schied aus dem Rennen aus. Der Mercedes-AMG GT3 der Vorjahressieger beendete das Rennen auf dem fünften Platz.

An dieser Stelle müssen wir Hyundai und deren großen Eventtruck erwähnen. Aufmerksam geworden sind wir auf diesen Geheimtipp ganz zufällig, weil die netten Messe Hostessen gratis Slushi Eis verteilt haben. Dieser Truck war für die Fans frei zugänglich und nicht wie sonst üblich nur für VIPs. In dem klimatisierten Truck konnte man gut einige Zeit verweilen. Es war eine ruhige, gemütliche Lounge, in der man auf zwei Monitoren das Rennen verfolgen konnte. Der neue Hyundai 130 N ist der neue Rennwagen der koreanischen Marke. Die sportliche Version der beliebten Kompaktklasse, zeigte auf der Nordschleife den großen Rennboliden ordentlich was für ein Gigant in diesem scheinbaren Zwerg schlummert. Die zwei eingesetzten Rennwägen haben in ihrer Klasse SP 3T den 4.und 9. Platz erzielt. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf die ersten Straßenversionen des Hyundai i30 N.

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Bei dem Wort Bentley kommt den meisten das typische Bild, von einem luxuriösen Fahrzeug in dem die Machtvollen, Reichen & Schönen chauffiert werden. Am Nürburgring ist es anders. Die VIP`s werden in großen schwarzen Vans von A nach B  gefahren. Die Bentleys stehen hier im Fahrerlager, in den Boxen und Werkstattzelten. Der bayrische Tuner ABT schickt zwei Luxusliner auf die Strecke. Die leuchtend gelben Bentleys waren ein Hingucker auf der Strecke. Die GT3 Bentleys zeigten sich in der grünen Hölle von ihrer leichten und grazilen Seite. Die eigentlich eher langsamen und massiven Fahrzeuge, zeigten dieselbe Wendigkeit, wie vergleichsweise der Wochenspiegel Ferrari. Das außergewöhnliche Design lies die Bentleys auch nachts aus der Masse herausstechen. Die Rennfahrer boten den Zuschauern ein sehr spannendes Rennen, mit engen Kämpfen und einigen kleinen „WOW“ Momenten. Wir konnten mit eigenen Augen einen kleinen Ausrutscher des Bentley Teams erleben.

Am Samstagabend wurden während eines Boxenstopps etwas an den Bremsen gemacht. Dem Fahrer wurde gesagt er soll die Bremsen beim Fahren aus der Boxengasse erst einmal auf Temperatur bringen. Leider wurde dieser Rat nicht beherzigt und so konnten die Zuschauer der Mercedes Tribüne sehen, wie der Bentley gerade aus ins Kiesbett rutschte da die Bremsen nicht griffen. Das sogenannte Yokohama S ist eine spezielle und trickreiche Kurve des 24 Stunden Rennens.

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Wir waren während des Rennes immer mal wieder im Fahrerlager und an verschiedenen Zuschauerplätzen, sei es die BMW Brücke, eine der Tribünen oder am Lackas Standort am Hatzenbach. Jeder Schauplatz für sich hatte sein eigens ganz persönliches Rennerlebnis. Man war überall mittendrin statt nur dabei. Überall konnte man das Rennen und die aktuellen Geschehnisse verfolgen. Man jubelte gemeinsam wenn ein Fahrzeug nach langer Reparaturzeit wieder auf die Strecke zurückkehrte. Uns hat es überwältig welche Freude durch die Reihen ging als der legendäre Manta mit dem Fuchsschwanz  wieder zurück auf der Strecke war, oder als der WRX STI vom Team Subaru in Flammen aufging. Die Anteilnahme für Tim Schrick und sein Team war überall deutlich spürbar. Als wir ihn kurz vor Rennende persönlich getroffen haben, konnten wir ihm unsere Anteilnahme aussprechen. Es ist für ein Team sehr niederschmetternd wenn man aus dem Rennen ausscheidet, aber der positive Rückhalt der Zuschauer und Fans bauen einen schnell wieder auf.

Das einzigartige Feeling dieses Rennens zieht einen schnell in seinen Bann. Der Mythos der grünen Hölle und des 24 Stunden Rennens ist grenzenlos und unberechenbar. Dies zeigte sich am Ende des Rennens. Kurz vor Ende eines sonnenüberfluteten Wochenendes überraschte die Eifel mit einem kurzen und intensiven Wolkenbruch. Dieser Wetterumschwung wirbelte das ganze Rennen noch einmal durcheinander. Die Entscheidung welcher Reifen im letzten Boxenstopp gewählt wird, war zum Schluss Rennentscheidend. Ein dummer aber glücklicher Zufall rettete dem Team des Audi Sport Team Land den Sieg. Dieses Rennerlebnis sollte jeder Auto und Motorsportbegeisterte einmal live erleben.

Unser persönliches Highlight verdanken wir dem Autohaus Lackas. Als besonderes Erlebnis konnten wir am Samstag vor Startbeginn an der Startaufstellung des Rennens mit einigen exklusiven Fahrzeugen teilnehmen. Die circa 30 Autos durften vor dem Rennen in gemütlichem Tempo einmal die Strecke der grünen Hölle fahren. Wir nahmen Platz  in einem Lexus RC F  der mit über 600 PS der Inbegriff an sportlichem Luxus ist und in einem Lexus IS250 der aus einer Mischung aus Stance & VIP Style modifiziert wurde. Dieses Erlebnis war einzigartig und atemberaubend. Während dieser Fahrt fuhren wir vorbei an allen Camping Areas, hier wurde gewunken, gerufen und gefeiert. Die Stimmung war grandios. Selbst die Streckenposten waren aus dem Häuschen vor Vorfreude wegen dem anstehenden Rennbeginn.

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Wir könnten noch Stundenlang weiterschreiben, da das Wochenende so umfangreich war, aber überzeugt euch lieber selbst beim nächsten ADAC Zürich 24 Stunden Rennen.

Bericht: Import Society

Bilder: Import Society